Stuttgarter Unternehmer Flughafen-Gastronom Claus Wöllhaf gestorben

Claus Wöllhaf im Jahr 2007 im Flughafen. Foto: dpa/Norbert Försterling

Den Stuttgarter Flughafen ließ Claus Wöllhaf herausragen – mit dem einzigen Sterne-Restaurant in einer Abflughalle in Deutschland. Er baute ein bundesweit tätiges Unternehmen mit Gastronomie und Duty-Free-Shops auf.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Eigentlich wollte Claus Wöllhaf nie selbstständig werden. Er stammte aus einer Untertürkheimer Konditorenfamilie, lernte das Handwerk, fügte eine Kochlehre im Schwarzwald an, studierte an einer Hotelfachschule und wurde schließlich Geschäftsführer der Airport Stuttgart Hotelgesellschaft. Doch als der Konzern auseinander fiel, kaufte er 1983 einen Teil davon. „Ich wurde zu meinem Glück gezwungen“, sagte Claus Wöllhaf zum 25-jährigen Jubiläum seines Unternehmens vor genau 15 Jahren – als er Chef von 600 Mitarbeitern an fünf deutschen Flughäfen war und 50 Millionen Euro Umsatz machte. Zur Gastronomie kamen 2009 auch Duty-Free-Shops. Am 18. November ist er im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben. „Er galt als Pionier und Mann der ersten Stunde“, teilte seine Firma mit: „Sein unermüdlicher Einsatz und engagiertes Wirken für sein Unternehmen bleiben unvergessen.“

 

„Der Flughafen ist eine faszinierende Welt“, sagte Claus Wöllhaf einmal. Von Hamburger bei Burger King bis zum Hummer im Top Air servierte er seinen Kunden eine breite Palette. Den Begriff Flughafen-Restaurant hasste er, vielleicht leistete er sich auch deshalb das Gourmetlokal, das seit 1992 bis zu seiner Schließung in der Coronapandemie mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet war. „Er war ein Visionär“, sagt Marco Akuzun, der elf Jahre lang im Top Air kochte. Als Gentleman und Lebemensch beschreibt er ihn und gleichzeitig als bodenständig, weil er in der Freizeit seinen Obstgarten pflegte und Tomaten anbaute. „Er war ein Geschäftsmann nach alter Schule“, erinnert sich der Sterne-Koch, der mittlerweile in Weingarten sein eigenes Restaurant führt, und er sei immer zu seinen Mitarbeitern gestanden.

Pachtvertrag in Stuttgart wurden nicht verlängert

Die Erfolgsgeschichte in Stuttgart endete, als der Flughafen 2021 den Pachtvertrag mit der Wöllhaf-Gruppe nicht mehr verlängerte. Seine 25-jährige Tochter Chiara hatte damals die Geschäftsführung von ihm übernommen. Heute ist das Unternehmen noch an den Flughäfen Berlin, Frankfurt und Köln-Bonn mit Lokalen und Läden vertreten. Erst im vergangenen Juli wurde der langjährige Mitarbeiter Jörg Rösemeier zum geschäftsführender Gesellschafter der Wöllhaf Gruppe mit aktuell 300 Mitarbeitern, die Familie bleibt demnach Mitgesellschafter. Claus Wöllhaf hinterlässt drei erwachsene Kinder. Seine Frau Franziska ist vor zwei Jahren verstorben. Am Montag, 27. November, findet die Beerdigung im engsten Kreis auf dem Untertürkheimer Friedhof statt.

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