Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt soll nicht „zum Teuermarkt“ werden. Einen Appell verschickte die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart deshalb an die Beschicker, bei moderaten Preisen für einen Becher Glühwein zu bleiben. Und ein moderater Preis liegt nach Ansicht des Ausrichters „um die vier Euro“, erklärt die Pressesprecherin Stefanie Hirrle. „Wir können aber nichts vorschreiben“, betont sie. Der Brief kam bei den Adressaten unterschiedlich an – und dementsprechend fällt auch die Kalkulation aus. Schon im vergangenen Jahr forderte in.Stuttgart Zurückhaltung, doch erst bei der Beschickerversammlung kurz vor der Eröffnung, als die Preisschilder schon gedruckt waren. Der teuerste Glühwein wird diesen Winter allerdings außerhalb des Weihnachtsmarktes verkauft: Beim Wintertraum auf dem Schlossplatz kostet ein Becher fünf Euro und damit 50 Cent mehr als noch vor einem Jahr.
Die Besucher sollen noch Spaß haben
„Die Leute müssen sparen“, sagt Esther Weeber, am Stand ihres Familienbetriebs auf dem Schillerplatz bleibt es deshalb bei vier Euro für eine Tasse des Heißgetränks. Zwar sei alles teurer geworden, erklärt die Betreiberin der „Witwe Bolde“ – vom Platzgeld über die Arbeitslöhne bis hin zum Wein aus dem Remstal –, „aber irgendwann ist das Limit erreicht.“ Andreas Zinnecker findet den Appell „sehr gut“: Alle Beschicker müssten einen Weg finden, „damit die Besucher noch Spaß am Weihnachtsmarkt haben“, erklärt der Inhaber der Weihnachtspyramide. Vom Weingut Zaiß in Obertürkheim hat er „die erfreuliche Nachricht“ erhalten, dass er den Wein zum gleichen Preis wie 2022 erhält. Also gibt es für ihn keinen Anlass, mehr zu verlangen als vier Euro wie seit Jahren schon. „Das ist im Moment genug“, sagt Andreas Zinnecker.
Günter Betz hat sich bislang nicht festgelegt: Er will sich an die Kollegen anpassen und weder Preisbrecher sein noch eine Fantasiesumme verlangen. Seine Bandbreite für den Glühwein liegt zwischen vier und 4,50 Euro. Die städtische Veranstaltungsgesellschaft hätte nicht nur von den Beschickern, sondern auch von der Stadt Zurückhaltung fordern sollen, scherzt er. „Beim Platzgeld langt sie ganz schön zu“, erklärt Günter Betz. Denn für seine Stände auf dem Weihnachtsmarkt, unter anderem den Imbiss „Engels Krippe“ am Marktplatz-Brunnen, müsse er in diesem Jahr mehr als 3000 Euro zusätzlich bezahlen. Auch über die verlängerte Öffnungszeit an drei Tagen in der Woche ist der Gastronom nicht glücklich: Er rechnet damit, dass ihn die „nach Gutsherrenmanier“ durchgesetzte Entscheidung mehr Lohn kostet als Einnahmen bringt.
Beim Sportkreis ein Schnäppchen
Der günstigste Glühwein ist wie vergangene Saison am Stand der Sportförderung vom Sportkreis zu haben – für 3,50 Euro. Der Verein „wollte keine Erhöhung“, berichtet Annika Staiger von der Geschäftsführung, zumal der Lieferant, die Kellerei Kern, fast den gleichen Preis anbieten konnte. Den Ausschank erledigen Ehrenamtliche, der Erlös fließt in die Sportförderung. Die Currles vom Uhlbacher Dreimädelhaus haben dagegen um 50 Cent auf 4,50 Euro aufgeschlagen. „Wir mussten“, sagt Annette Currle, „und ich glaube, dass die Besucher damit rechnen.“ Den Hinweis von in.Stuttgart findet sie in Ordnung, denn viele Weihnachtsmarktgänger seien preissensibel. Für sie haben die Currles ein Goodie zu bieten: Das Zehnerkärtle gibt es für 40 Euro und den Glühwein an der Expressausgabe. Damit soll die Schlange an der Kasse reduziert werden. Auch bei der Witwe Bolde wird es Mengenrabatt geben, kündigt Esther Weeber an.
Der Wintertraum benötigt viel Strom
„Jeder muss seine Kalkulation aufstellen“, sagt Stefan Kinzler. Der Wintertraum sei ein Ensemble aus mehreren Ständen und der Rollschuhbahn für die viel Personal und viel Strom bezahlt werden müsse. Gestiegene Kosten sind auch sein Argument für die Erhöhung. Aber im Vergleich zu den Preisen für ein Glas Wein im Restaurant sei sein Glühwein für fünf Euro noch immer günstig, zumal er „sehr gute Qualität“ von der Kellerei Kern ausschenke. Die Besucher scheinen ihm den Preis nicht übel zu nehmen, der Zuspruch sei ebenfalls „sehr gut“, versichert er. Nach der Eröffnung des Weihnachtsmarktes wird Andreas Zinnecker dem Wintertraum womöglich ein paar Gäste abspenstig machen, weil sie bei der Weihnachtspyramide einen Euro pro Tasse sparen: Dass bis 23 Uhr ausgeschenkt werden darf, „ist für uns ein Segen“, sagt er.