Supermarkt im Pattonviller Klassenzimmer VR-Technologie bietet Schülern im Unterricht Mehrwert

Die VR-Brille holt den Supermarkt ins Klassenzimmer. Foto: picture alliance / Simon Nagel

Dass Virtuelle Realität einen Mehrwert bietet und nicht nur zum Spielen genutzt werden kann, zeigt ein Projekt an der Erich-Bracher-Schule in Kornwestheim-Pattonville (Kreis Ludwigsburg).

Ludwigsburg: Nicole Töppke (top)

Blaue Kreise auf dem Boden statt Tische und Stühle, VR-Brille auf dem Kopf statt Stifte in der Hand. Die Erich-Bracher-Berufsschule in Kornwestheim-Pattonville setzt im Fachbereich Einzelhandel nun schon im dritten Jahr auf die Lernmethode mit virtueller Realität. Dabei holt die Schule den Supermarkt einfach ins Klassenzimmer. „Die Schüler werden realitätsnah in Betriebssituationen gesetzt“, sagt Jannik Ehret, Fachbereichsleiter Einzelhandel.

 

Für den Unterricht werden die Klassen geteilt. 16 VR-Brillen stehen der Schule aktuell zur Verfügung. Zu Beginn des Projekts werden die Schüler zunächst aufgeklärt. „Wir erklären, was virtuelle Realität ist und wie es funktioniert.“ Ein achtsamer Umgang mit den Hilfsmitteln ist Ehret wichtig. Auch um darauf hinzuweisen, wie man sich verhält, wenn einem das Ganze zu viel wird. „Man kann jederzeit aussteigen. Die Software funktioniert auch auf dem Handy oder Tablet“, so der Fachbereichsleiter.

Die Schüler interagieren in der digitalen Welt

Etwa 20 Stunden pro Schuljahr verbringen die Auszubildenden in der virtuellen Realität. Jeder Teilnehmer steht in einem blauen Kreis, der auf dem Boden aufgezeichnet ist. Dort hält er sich während der Stunde auf. Durch die VR-Brille haben sie das Gefühl, sie stehen in einem leeren Supermarkt. „Die Schüler sehen sich gegenseitig als Avatare und können so miteinander agieren.“ Ein Lernmodul der Ausbildung lautet: „Schüler platzieren und präsentieren Waren kundengerecht“. Ohne die Hilfe der Technologie üben die Schüler solche Aufgaben auf dem Papier. Das sei jedoch etwas komplett anderes, als die Waren tatsächlich in die Hand zu nehmen und in richtige Regale zu räumen. Jannik Ehret kann mithilfe des Programms den Supermarkt ins Klassenzimmer holen und verschiedene prüfungsrelevante Aufgaben stellen, die die Auszubildenden dann im Team lösen. „Ein Schüler sagte vor Kurzem, ‚Ich fühle mich wie im Geschäft‘. Und genau so soll es sein“, sagt Ehret. Er habe beobachtet, wie Schüler, die sich sonst wenig beteiligen, aufblühen und aktiver werden.

VR-Klassen schneiden besser ab

Doch das ist nicht die einzige positive Entwicklung dank des Unterrichts mit der VR-Technologie. Von Anfang an wird das Projekt vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Konstanz begleitet. Seit zwei Jahren erfassen die wissenschaftlichen Mitarbeiter die Lernergebnisse der Schüler, die mit virtueller Realität lernen, und einer Kontrollgruppe. Ein großer Vorteil sei es, dass die Lerninhalte erlebbar werden. „Die Schüler können die theoretischen Inhalte sofort in die Praxis umsetzten“, sagt David Kablitz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Der Wissensstand beider Gruppen lag bei einem Test vor dem Unterricht nah beieinander. Danach schnitt die VR-Klasse deutlich besser ab als die Kontrollgruppe.

Projekt wird auf weitere Schulen ausgerollt

Das Programm kommt von der Firma Würth. Die Mitarbeiter haben individuelle Lehrräume für das Projekt geschaffen. Aktuell arbeitet die Schule in Kooperation mit Würth daran, das Konzept mit echten Kassen und Schaufensterfronten weiterzuentwickeln. Etwa 50 000 Euro kommunale Zuschüsse haben die Schule in den letzten drei Jahren für das Projekt erhalten.

Schulleiter Oliver Schmider sieht den VR-Unterricht als Leuchtturmprojekt seiner Schule. Vergleichbares gebe es an anderen Schulen bislang noch nicht. Das soll sich aber bald ändern. Am 1. März fand ein Unterschriftentermin für eine länderübergreifende Kooperationsvereinbarung zwischen der Erich-Bracher-Schule und zwei weiteren Schulen in Bad Mergentheim und Aschaffenburg, der Universität Konstanz sowie der Firma Würth statt. Das Ziel dieser Kooperationsvereinbarung ist es, die beiden weiteren Schulen in das Projekt zu integrieren.

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