Werner Neuffer hat bei den Handballern des SV Leonberg/Eltingen bereits etliche Spielzeiten und Saisonenden erlebt, doch die Runde 2022/2023 in der Württembergliga dürfte beim langgedienten Funktionär Spuren hinterlassen wie eine Tätowierung am Oberarm eines Matrosen, der die See inbrünstig liebt. „Das ist die geilste Truppe, die ich je als Sportlicher Leiter führen durfte“, sagte Neuffer bei der kleinen Saisonabschlussparty im Sportzentrum und meinte zum dramatischen 40:40 gegen die Gäste aus Lauterstein: „So stelle ich mir ein Saisonfinale vor – alle Fans in der Halle stehen in den letzten Minuten.“
Das Spiel besaß einige Hauptakteure der Abschiedsgala, dazu gehörten Trainer Christian Auer und Kapitän Lars Neuffer, für die es der letzte Auftritt für den Club gewesen ist. Auer wird im Oktober Vater, weshalb er lieber Zeit mit der Familie statt mit den Handballern verbringen möchte und den Vertrag auslaufen ließ. Lars Neuffer beendete seine Zeit als aktiver Spieler, weil er der Überzeugung ist, dass er mit 35 Jahren nicht mehr immer den eigenen hohen Ansprüchen genüge und es daher höchste Zeit sei, die Bühne zu räumen. In seiner letzten Partie für den SV setzte der Kapitän ein Ausrufezeichen hinter seine Karriere, in der er in 13 Spielzeiten für den Leonberger Club in mehr als 200 Spielen rund 1200 Treffer geworfen hat – elf Tore erzielte Lars Neuffer, darunter sieben erfolgreiche Strafwürfe, was einer Quote von 100 Prozent entspricht. „Ich erwarte von mir, jeden Siebenmeter zu verwandeln“, sagte der Kapitän, „wenn ein Spiel Spitz auf Knopf steht, ist das umso wichtiger.“
Denn die Sportkameraden aus Lauterstein fühlten sich lange als Party-Crasher rundum wohl, lagen kurz nach der Pause mit sechs Treffern in Front und nicht viel deutete darauf hin, dass die Hausherren sich die Herrschaft in der eigenen Halle würden zurückholen können. Doch da waren ja noch die Fußballer des Vereins, die sich zur zweiten Hälfte (da sie zuvor selbst aktiv waren) um die Trommeln auf der Tribüne versammelt hatten, um die strauchelnden Vereinskollegen anzufeuern – und die Kicker demonstrierten, wie man halbherzige Zuschauer und eine verzweifelnde Mannschaft aufrichtet. Nicht nur, aber auch wegen der enthusiastischen Lärmkulisse fanden die Leonberger Handballer wieder in die Spur. Sie führten sogar kurz, am Ende gab es ein dramatisches und gefühlt gerechtes Unentschieden, wenngleich das 41:40 tatsächlich möglich gewesen wäre. „Die Fußballer haben bestimmt zur Hälfte einen Anteil an diesem Punkt“, meinte Christian Auer.
Trainer Christian Auer ist glücklich
Der Trainer war mit der Vorstellung seiner Schützlinge nicht rundum zufrieden, „wir haben es nie geschafft, konsequent zu verteidigen“, meinte der Coach, doch deshalb den Knüppel auszupacken, war der Situation nicht angemessen – der 33-Jährige war glücklich, dass sein Team die Saison auf Platz drei beendet hat. „Dieser Rang ist das, was wir erreichen wollten“, freute sich Auer, „das ist ein tolles Abschiedsgeschenk.“ Mehr war ohnehin nicht angestrebt worden, der Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga (BWOL) wäre für die Leonberger in etwa, als würde man einem 14-Jährigen einen Ferrari 488 Spider schenken: Was um alles in der Welt sollte man damit anfangen? Die Strukturen des Clubs sind auf die vierte Liga nicht ausgerichtet. So waren alle glücklich und zufrieden im Sportzentrum, auch der künftige Trainer Michael Zimmermann, der ebenfalls in der Halle war, kennt die Leonberger Befindlichkeiten. Eines ist sicher: Der neue Coach wird an dieser erfolgreichen Saison gemessen werden, wenn er im Juni mit dem neuen Team startet. Er wird daran arbeiten, wieder eine „geile Truppe“ für den Sportlichen Leiter Werner Neuffer zu formieren. SV Leonberg/Eltingen: Schneider, Kellner – Neuffer (11/7), Hönig (9), Schückle (4), P. Wanner (4), Fischer (3), Binder (2), Kutzner (2), Strkalj (2), Klatte (2), Zimmermann (1).