Sven Ulreich im SWR zu Enke-Suizid VfB-Keeper fordert mehr Respekt

Von Matthias Kapaun 

Vor fünf Jahren nahm sich der Nationaltorhüter Robert Enke das Leben. Einiges sollte sich nach dem Suizid im Fußball-Geschäft ändern. VfB-Keeper Sven Ulreich zieht den Hut vor Enke und prangert zugleich den fehlenden Respekt im Profifußball an.

VfB-Stuttgart-Torhüter Sven Ulreich hat sich im SWR zu Robert Enkes Suizid und dem fehlenden Respekt im Profifußball geäußert. Foto: Pressefoto Baumann
VfB-Stuttgart-Torhüter Sven Ulreich hat sich im SWR zu Robert Enkes Suizid und dem fehlenden Respekt im Profifußball geäußert. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Am Montag hat sich der Todestag des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke zum fünften Mal gejährt. Der Torhüter von Hannover 96 stürzte sich am 10. November 2009 vor einen Zug. Enke hatte an schweren Depressionen gelitten.

Sein Suizid löste damals eine Welle der Erschütterung in ganz Deutschland aus. Vor allem in der Fußball-Welt wurde eine Diskussion darüber entfacht, ob der Druck, der auf den Profis lastet, nicht zu groß sei.

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Unter dem unmittelbaren Eindruck dieses schrecklichen Vorfalls sollte sich in Bezug auf Druck und Depressionen im Profigeschäft vieles ändern.

Nun hat sich VfB-Keeper Sven Ulreich zu diesen damals angestrebten Veränderungen geäußert - und sieht dringend Nachholbedarf: "Nach dem Tod von Robert Enke wurde viel über Respekt und Menschlichkeit im Profifußball geredet", sagt Ulreich im SWR. Für kurze Zeit sei Besserung eingetreten, doch schon bald gewannen die alten Muster wieder die Oberhand.

Es sei wichtig, dass man einen respektvollen Umgang mit den Fans, dem Verein und den Medien pflegt. "Das ist leider wieder abhanden gekommen", kritisiert Ulreich.

Nach Veh-Kritik rief Enke bei Ulreich an

Beim VfB Stuttgart habe man nach dem Tod von Robert Enke einen Psychologen eingestellt, den die Spieler zu jeder Zeit aufsuchen können. Wenn ein Spieler da aber nicht hingehen will, bewirke das jedoch nichts. "Das hätte Robert Enke allerdings auch nicht geholfen, denn Robert wusste von seiner Krankheit und hat selber nicht gehandelt", gibt der VfB-Torhüter zu verstehen.

Er selbst habe Robert Enke als aufgeschlossenen und sympathischen Menschen kennengelernt. "Als ich damals vom Trainer scharf in der Öffentlichkeit kritisiert wurde, hat er (Robert Enke, Anmerkung der Redaktion) mich am Folgetag angerufen und mich ermutigt, einfach weiterzumachen", erzählt Ulreich, "und das war einfach eine sehr tolle Geste von Robert. Das hat mir gezeigt, wie menschlich er ist."

Das Telefongespräch zwischen Robert Enke und dem zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alten Sven Ulreich fand im April 2008 statt, nach einer 0:3-Niederlage des VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen. Auf der Trainerbank des VfB Stuttgart saß damals übrigens ein gewisser Armin Veh.