Tag des Bieres Schuld war nur das Malzbier

Eine junge Frau setzt sich in einer Männerdomäne durch: Katharina Thrun. Foto: /Christoph Breithaupt

An diesem Freitag wird der Tag des Bieres begangen. Warum das für die 20-jährige Katharina Thrun aus der Ortenau ein besonderer Tag ist.

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)

Schutterzell - Schon mit fünf Jahren schmeckte Katharina Thrun aus Schutterzell im Ortenaukreis das Malzbier so gut, dass sie „Karamalzerin“ werden wollte. Bis zum Abitur am Klostergymnasium in Offenburg im Sommer 2019 hat sie das nicht mehr vergessen, und schon im Herbst des gleichen Jahres begann sie ihre Ausbildung als Brauerin und Mälzerin im Brauwerk Baden in Offenburg. Ein Mädchen im typischen Männerberuf? Eines von sieben in der 50-köpfigen Berufsschulklasse. Die zierliche, jetzt fast 20-Jährige zuckt mit den Schultern. „Viele Prozesse beim Brauen sind automatisiert, Säcke schleppen ist eher die Ausnahme.“ Aber es kommt vor, denn wann genau wie viel Hopfen, Malz und Hefe in den Sudkessel kommen, wird nicht allein maschinell erledigt. „Brauen ist immer noch ein Handwerk“, betont Katharina Thrun. „Und das ist ausschlaggebend für ein gutes Bier.“

 

„Es gibt unendlich viel Raum für Experimente.“

Letztlich entschieden für den Brauerberuf hat sich die Gymnasiastin in der achten Klasse, als sie am „Girls Day“ – einem bundesweiten Berufsorientierungstag für Mädchen – teilnahm und die Offenburger Kronenbrauerei besuchen konnte. Später kam ein Praktikum dazu. „Ich habe mich sehr intensiv mit meiner Berufswahl auseinandergesetzt.“ Die Naturwissenschaften hätten sie schon immer interessiert, ein Chemie-Studium war die Alternative. „Aber es wäre mir zu trocken gewesen“, sagt die aktive Ministrantin lächelnd. Bis das Bier flüssig und süffig ist, durchläuft das Malz – gekeimte und gedarrte Braugerste oder -weizen – im Wasser mehrere Stationen unter verschiedenen Temperaturen. Das Sieden mit Hopfen entscheidet über Geschmack und Haltbarkeit, das Gären wandelt Zucker zu Alkohol um. „Es ist Naturwissenschaft und Intuition zugleich“, sagt Katharina Thrun. „Es gibt unendlich viel Raum für Experimente.“

Hopfengestopft oder kaltgehopft

Und das, obwohl das jahrhundertealte Reinheitsgebot die Rohstoffe des Bieres auf Wasser, Getreide, Hopfen und Hefe begrenzt. Aber welcher Art diese Zutaten sind und wann sie hinzugefügt werden, macht Bier verschieden. Neuerdings ist Craft Beer (englisch für: handwerklich gebrautes Bier) Trumpf bei den Mittelständlern der Branche. Junge und gesundheitsbewusste Kundschaft will zum Genuss verführt werden. Das geht zum Teil mit Mischgetränken, die fruchtige Zusätze enthalten. Die dürfen aber nicht Bier heißen. Doch auch „richtiges“ Pils und Export sind als Craft Beer anders, sie sind oft hopfengestopft oder kaltgehopft. Das bedeutet: „In den fertigen Sud wird trockener Hopfen gelegt, dessen fruchtige Aromastoffe dem Bier einen besonderen Geschmackskick verleihen“, erklärt Katharina Thrun. Beim Brauwerk Baden ist zum Beispiel „Pale Ale – Black Forest Style“ solch ein Trunk, der in der 0,33-Liter-Flasche mit Bügelverschluss und trendigem Design daherkommt. Andere Brauereien schickten eine „Schwarzwaldmarie“ oder einen „Hopfensturm“ ins Rennen.

Irland hat sie fest im Blick

Es geht dem Gerstensaft so wie dem vergorenen Traubensaft: Nicht Quantität, sondern Qualität und Regionalität sind gefragt, auch in der Nische ist Platz zum Überleben. „Bier wird es immer geben“, ist Katharina Thrun überzeugt. Darum will sie sich auch nach der Lehre in Offenburg weiterqualifizieren und auf der Hochschule im bayerischen Weihenstephan, der ersten Adresse für Diplombraumeister, Brauerei- und Getränketechnologie studieren. Bis zum Master-Abschluss wird sie fünf Jahre brauchen, Ausflüge in größere Brauhäuser, auch im Ausland, werden folgen, Irland hat sie schon fest im Blick.

HINTERGRUND

Tag des deutschen Bieres

Der Deutsche Brauerbund e. V. feiert jedes Jahr die Verkündung des Reinheitsgebots am 23. April 1516 durch den bayerischen Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt. Bier darf nur aus Wasser, Hopfen und Gerste bestehen. Hefe wurde damals nicht erwähnt, weil die Wirkungsweise der Hefe nicht bekannt war, sie wurde als Produkt der Bierbereitung angesehen, nicht als Zutat.

Bierabsatz

Seit Jahren geht der Bierkonsum in Deutschland zurück. Im Jahr 2000 unterschritt er erstmals knapp die Marke von 100 Millionen Hektolitern, im Jahr 2020 wurden 72 Millionen Hektoliter konsumiert. Die Zahl der deutschen Brauereien liegt knapp über 1500. In der Pandemie melden die Flaschenbiererzeuger Zuwächse, die Fassbiererzeuger mussten wegen der geschlossenen Gaststätten und ausgefallener Festivitäten Umsatzeinbußen hinnehmen. Die größten Brauereien in Baden-Württemberg sind die Staatsbrauerei Rothaus im Schwarzwald, die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei in Donaueschingen (Teil der Brau Holding International AG) und Dinkelacker-Schwaben Bräu in Stuttgart.

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