Tanz- und Ballettschule Kornwestheim Sabine Bloehs gibt ihre Tanzschule nach 40 Jahren ab

Natalie Biedermann (rechts) wird in Zukunft die Tanzschule von Sabine Bloehs übernehmen. Foto: Simon Granville

Zum 1. April übernimmt Natalie Biedermann die Tanz- und Ballettschule von Sabine Bloehs in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg). Damit werden auch die beliebten Tanzshows zurückkommen. Einen Termin gibt es schon.

Ludwigsburg: Nicole Töppke (top)

Sabine Bloehs und Natalie Biedermann stehen Arm in Arm vor der Tanz- und Ballettschule im alten Bahnhofsgebäude in Kornwestheim. Die beiden sind ein eingespieltes Team – und das nicht erst seit gestern. „Mit drei Jahren stand Natalie mit ihren Fingern im Mund bei mir in der Tanzschule“, erinnert sich Sabine Bloehs. „Sie wollte unbedingt tanzen.“

 

Heute, fast 40 Jahre später gibt Bloehs ihre Tanzschule an ihre langjährige Mitarbeiterin und „Ziehtochter“ ab, wie sie Biedermann nennt. Ein Schritt, der Bloehs nicht leichtfällt. 1986 machte sich die Tanzlehrerin mit der Schule selbstständig. Damals war sie gerade einmal 20 Jahre alt. „Ich habe mit rund 40 Kindern angefangen“, sagt sie. Heute seien es knapp 500 Schülerinnen und Schüler, die bei Bloehs und ihren Kolleginnen das Tanzen lernen. „Eine Handvoll davon sind Männer.“ Teilweise seien es sogar drei Generationen, die Bloehs unterrichtete. „Das ist kein Geschäft, es ist eine Tanzfamilie“, fasst sie ihre Arbeit zusammen.

Ausverkaufte Shows im Forum

In Kornwestheim ist sie mit ihrer Tanzschule mittlerweile eine Institution. Besonders die regelmäßigen Tanzaufführungen haben am Ende „gigantische Formen“ angenommen. Die Idee der Auftritte war es, den Eltern und Angehörigen zu zeigen, was die Tänzer im Unterricht gelernt haben. Anfangs traten die Schüler im Kulturhaus K in Kornwestheim auf. Später, eigentlich wegen Renovierungsarbeiten, musste die Gruppe ins Forum nach Ludwigsburg umziehen. „Wir haben die 1200 Sitzplätze immer an zwei Abenden ausverkauft“, sagt Bloehs. In einem Jahr seien es sogar drei Abende gewesen. Die aufwendige Show habe sich rumgesprochen, und so seien auch Menschen gekommen, die niemanden bei der Tanzschule kannten und das Stück sehen wollten.

Etwa eineinhalb Jahre dauerten die Vorbereitungen der Auftritte. Die Stücke schrieb sie stets selbst. Kostüme und Bühnenbilder, die für jede Show extra angefertigt wurden, nähten und gestalteten die Eltern. Auch hinter der Bühne, während der Aufführung sei jede Hand gebraucht worden. „In den Auftritten habe ich ein Stück weit mein Leben verarbeitet“, sagt sie. Sie war mit ihren Geschichten schon überall. Im Weltall, unter der Erde, unter Wasser. „Wo soll ich noch hin?“ Ihre letzte Geschichte trug den Titel „Nichts geht mehr“. Sie handelte davon, wie schwer es ihr fiel, neue Ideen zu finden. „So haben wir die Muse sprechen lassen“, erklärt Bloehs. Die Requisiten, Tänze und die Geschichte – alles sei fertig gewesen. Auch das Logistikunternehmen für den Transport war bestellt. Doch der Corona-Lockdown 2020 machte der Tanzschule einen Strich durch die Rechnung. „2021 haben wir den Auftritt dann endgültig storniert.“ Es wäre das zehnte Jubiläum gewesen.

40 Jahre Tanzschule bedeuten viele Erinnerungen

„Ich lasse gerade all die Jahre Revue passieren und merke, wie viel wir eigentlich erlebt haben“, sagt Sabine Bloehs. Sie schaue Bilder durch, lasse Videos digitalisieren und sortiere den riesigen Fundus aus. „Ich will aufräumen, und dann sitz ich da, mitten in Erinnerungen.“ In all der Zeit haben sich viele Schätze angesammelt. „Wir sind sogar bis nach China geflogen“, erinnert sich ihr Partner Peter Laube.

Auf Geschäftsreisen in Indien und China habe er Stoffe und Pailletten besorgt. „Damals gab es noch kein Amazon“, sagt er. Ein Highlight war mit Sicherheit der chinesische Drache, den Bloehs für einen Drachentanz hat anfertigen lassen. Bei der nächsten Aufführung im April 2025 wird dann Natalie Biedermann die Fäden in der Hand halten. „Es ist ein großes Projekt, aber gut für die Schule“, sagt Biedermann. „Alle freuen sich schon darauf.“ Sie selbst erinnere sich auch daran, wie aufgeregt sie als Kind war, was sie als Gruppe aufführen werden.

Übernahme zum 1. April

Zum 1. April wird sie die Tanz- und Ballettschule übernehmen. „Es ist ein Lebenswerk. Für mich ist es eine riesige Ehre, dass ich das übernehmen darf“, sagt die 42-Jährige. Mit drei Jahren hat sie bei Sabine Bloehs mit Ballett angefangen. Mit 19 Jahren begann sie Jazz für Kinder und Jugendliche zu unterrichten. Biedermann war auch lange Zeit Mitglied der Streetdance-Company Ceduce, mit der sie unter anderem im „ZDF-Fernsehgarten“ auftrat. Im Jahr 2005 gründete sie die Showdance-Formation D-lite, die der ersten Bundesliga der The Actiondance Federation (TAF) angehörte. Bis im Jahr 2019 nahm D-lite an zahlreichen Wettbewerben teil, bis hin zu Weltmeisterschaften, bei denen die Gruppe mehrmals im Finale stand.

„Natalie war immer meine rechte und meine linke Hand“, sagt Bloehs. Sie habe ihr viele Verwaltungsaufgaben abgenommen. Für Bloehs gebe es keine bessere Nachfolgerin. „Alle kennen Natalie schon. Bis auf den Namen auf dem Papier wird sich für die Schüler nichts ändern.“ Biedermann habe in den letzten Jahren schon viel von Bloehs gelernt. „In das Tagesgeschäft muss ich noch reinwachsen. Da bin ich froh über Sabines Hilfe.“ Bloehs werde weiterhin unterrichten. Sie dürfe nun jedoch nur noch das tun, was ihr Spaß mache.

„Alles, was ich immer aus Leidenschaft gemacht habe, wird jetzt mein Job. Das ist ein tolles Gefühl“, sagt Biedermann. Es sei aber auch eine Herausforderung, in die sie Schritt für Schritt hineinwachsen müsse. Nach den Osterferien werden die Schüler in das große Tanzprojekt für 2025 eingeweiht. „Beim Auftritt ist die letzte Show dann acht Jahre her.“

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