Altbach - Das Theaterduo Eure Formation begeisterte das Publikum am Samstagabend mit einem Beitrag über das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer. Das Stück mit dem Titel „Bonhoeffer – der mit dem Lied“ zeigt das Wirken des evangelischen Pfarrers, der bis heute für viele Christen ein Vorbild ist. Immer wieder machen die aus Esslingen stammenden Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach dabei deutlich, dass es ihnen mit dem Stück auch um einen Beitrag zur Gegenwart geht. Knapp 50 Besucher kamen zur Vorstellung in die Christuskirche nach Altbach.
Parallelen von damals zu heute können genügend gezogen werden. Gläubiger Christ und gleichzeitig Anhänger der NSDAP zu sein, das war für viele Menschen im Deutschland der 1920er-, 30er- und 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts offenbar kein Widerspruch. Schon vor der Machtergreifung Hitlers rutschen immer mehr deutsche Christen politisch nach rechts.
In der Gegenwart gibt es nun wieder Menschen, die sich selbst wohl als gläubige Christen bezeichnen würden und gleichzeitig dem Rechtspopulismus anhängen. „Irritiert stellen wir seit einiger Zeit beim Blick in die Medien und in Gesprächen fest, dass es eine relevante Zahl von Menschen gibt, die die Vorzüge der Demokratie wie Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit, Schutz vor Verfolgung und freie Wahlen nicht mehr schätzen“, beschreiben die Macher des Stücks ihre Motivation.
Vermeintlich sichere Freiheiten
Dass vermeintlich sichere Freiheiten auch wieder entzogen werden können, dass Demokratien zu Autokratien oder sogar Diktaturen werden können, ist eine der Botschaften des Werks. Während des Stücks arbeiten die beiden Schauspieler an einer Pyramide aus Dreiecken. Das Dreieck, es ist ein Symbol für die Dreifaltigkeit. Der beständige Bau an der Pyramide soll als rastloses Engagement für eine freie Gesellschaft interpretiert werden.
Am Ende entsteht ein Gebilde, das einem Diamanten nachempfunden ist. Einem Diamanten, wie es Bonhoeffer während der Zeit des Nationalsozialismus für viele Menschen gewesen sein mag. Inhaltlich wurden dem Publikum dazu vertonte Texte Bonhoeffers sowie wichtige Stationen aus seinem Leben geboten. Doch das alleine wäre wahrscheinlich eine etwas schwere Kost für das Publikum gewesen. Der Abend sollte schließlich auch unterhalten. Licht, Nebel, Musik und Theater – ein wenig Spektakel war es ebenso.
Hätten die Kirchen einst stärker gegen den Nationalsozialismus auftreten müssen? Nach dem Ende des Krieges wurden die Mitglieder der Bekennenden Kirche, der auch Bonhoeffer angehörte, rehabilitiert und wieder in die Gemeinden aufgenommen. „Sollte es nicht andersherum sein?“, fragen sich die Schauspieler. Und die Geschichte scheint sich zu wiederholen, klagen Ullrich und Beyerbach.
Am Ende schwächelt die Technik
Die Ökumene ist aus ihrer Sicht erneut nicht laut genug zu hören, wenn es um das Anprangern von Missständen bei Themen wie Flüchtlinge, Rechtspopulismus oder dem mancherorts außer Kontrolle geratenen Kapitalismus geht. „Als hätten wir nichts gelernt aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts.“ Erneut säßen Rechtsnationale im deutschen Parlament, die NSDAP habe auch einmal bei wenigen Prozent der Sitze im Reichstag gelegen. Für das Schauspielerduo war es der vierte Auftritt nach einer acht Monate dauernden Pause. „Das war schrecklich für uns“, sagte Ullrich über die lange Zeit ohne Engagements. Und auch dem Licht, den Mikrofonen und sonstigen Geräten hat die lange Zeit ohne Einsatz nicht gutgetan. Glücklicherweise waren es die letzten Sekunden des Stücks in Altbach, als ein Teil der Technik plötzlich nicht mehr mitspielte. Nach gut einer Stunde endete das Stück mit dem Lied, auf das im Titel bereits Bezug genommen wird. „Bonhoeffer – der mit dem Lied“, gemeint ist das Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Es ist ein Lied, das trösten kann und bis in die Gegenwart oft auf Beerdigungen gespielt wird. Verfasst hat es Bonhoeffer im Dezember 1944 in Haft. Es ist sein letzter theologischer Text vor seiner Hinrichtung im Konzentrationslager Flossenbürg in Nordbayern im April 1945.