Theater Rampe in Stuttgart on Air Live-Radio statt Betrieb am Tresen

Von Veronika Kanzler 

Eigene Studioband, eigene Moderatoren und Studiogäste: Um durch die Corona-Krise zu kommen disponierte die Raketen-Bar vom Theater Rampe kurzerhand um und sendet ein mal im Monat ein Radioprogramm.

Mikrofon statt Jukebox: das derzeitige Barleben der Rampe. Foto: Dominique Brewing
Mikrofon statt Jukebox: das derzeitige Barleben der Rampe. Foto: Dominique Brewing

Stuttgart - Was tun, wenn die eigentliche Arbeit nicht mehr ausgeführt werden darf? Das fragten sich wohl die meisten Kunstschaffenden in den vergangenen Monaten. Und weil durch die wegbrechende Arbeit auch quasi kein Geld vorhanden war, konnte man nicht einfach den Gedanken, der Kreativität freien Lauf lassen. Keine einfache Situation.

Kathrin Stärk, die Pressesprecherin des Theaters Rampe, erzählt: „Wir haben uns folgende Fragen gestellt: Wie kann ein wichtiger lokaler Veranstaltungsort für Popkultur in Zeiten der Corona-Pandemie sichtbar bleiben, den Kontakt zu seinem Publikum pflegen und ihn auch erhalten? Wie können Programmmacher, Musiker und DJs weiterarbeiten, wenn Auftritte nur bedingt und unter sehr großen Einschränkungen möglich sind?“

Radio als Überlebensstrategie

Immerhin: Sie haben eine Antwort darauf gefunden. Umgesetzt werden konnte es dann, als das Land die Idee mit Steuergeldern förderte. Für die Rakete, den Barbetrieb im Stuttgarter Theater Rampe an der Filderstraße – in dem wochenlang gähnende Leere herrschte –, kehrte wieder etwas Leben zurück. Aliki Schäfer und Andreas Vogel moderieren an diesem Donnerstag, 9. Juli, zum zweiten Mal eine Webradio-Sendung. Sie haben den hehren Anspruch, einen exemplarischen Abend in der Rakete-Bar auf die Lautsprecher der Zuhörer zu bringen. Musikalisch unterstützt wird das Moderatorenduo von der Band BRTHR mit Joscha Brettschneider und Philipp Eissler, die als „Studioband“ auch in den kommenden drei Folgen zu hören sein wird.

Insgesamt sind laut Stärk mehr als 30 Leute an dem Kulturprojekt beteiligt. Die 50 000 Euro, die das Raketenradio vom Landeskultusministerium als Förderung bekommen hat, werden „zu über 90 Prozent für Honorare verwendet“, sagt Stärk. Mit dem Betrag sei es gerade möglich, die empfohlene Untergrenze einzuhalten. „Die Musikszene ist von dem Virus existenziell bedroht“, erklärt die Pressesprecherin. Deshalb wolle sie das Raketenradio auch als Existenzkampf der Stuttgarter Kulturschaffenden verstanden wissen.

Vier Stunden Live

Die erste Livesendung war Ende Juni zu hören. Es wurde über Knoblauch diskutiert, Livemusik gespielt, Bier aus der Flasche getestet, sogar an den sonst so üblichen Tresengesprächen, die in jeder guten Bar zu finden sind, hat sich das Moderatorenteam versucht. Nachhören kann man die kostenlose Sendung allerdings nicht. Das ändert sich nun mit den drei noch folgenden Sendungen, die nach der Liveausstrahlung auch im Radio auf 99.2 MHz (Antenne) und 102,1 MHz (Kabel) und per Stream unter www.freies-radio.de am Montag, 13. Juli ab 23 Uhr wiederholt werden. Bei der Premiere lauschten verteilt auf vier Stunden insgesamt 133 Personen dem Programm, das in der letzten Stunde komplett von jeweils einem Gast-DJ übernommen wird.

Arbeitslose Mitarbeiter reden mit dem Chef

Hinter einer Bezahlschranke produziert das Team zusätzliche Podcasts. Die Abonnenten können zwischen drei verschieden hohen Monatsbeiträgen wählen. „Unabhängig vom Beitrag stehen alle Podcasts jedem Mitglied zur Verfügung“, verspricht Stärk. Der Clou: Je mehr man bezahle, desto mehr Extras gebe es, beispielsweise einen Kasten Bier frei Haus. Die Podcasts beschäftigen sich sich mit Pop, Mode und Zeitgeschehen, wie die Reihe „Personalgespräche“, bei der arbeitslose Mitarbeiter der Rakete zu Wort kommen und sich mit dem Wirt der Bar und dem Programmleiter unterhalten.

Jeden zweiten Donnerstag (Juli–September), 20 Uhr, unter www.mixlr.com/theater-rampe/. Wiederholung: Freies Radio.




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