Theresa May Premierministerin für ein Jahr?

Die neue britische Premierministerin: Theresa May neben David Cameron. Foto: AFP
Die neue britische Premierministerin: Theresa May neben David Cameron. Foto: AFP

Beim Thema Migration ist Theresa May knallhart, beim Thema Brexit muss sie dagegen Wandlungsfähigkeit beweisen. Dann ist da noch das explosive Thema Schottland. Eine Herkulesaufgabe für die neue Premierministerin.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

London - Eigenartig, sehr eigenartig: Da feiert das Brexit-Lager einen historischen Sieg, Großbritannien muss aus der Europäischen Union (EU) - doch drei Wochen später wird Theresa May Premierministerin, die im Wahlkampf noch gegen den Brexit war. Die Frage ist: Wie fühlt sich Frau May, wenn sie demnächst in Brüssel Verhandlungen führen muss, die sie eigentlich niemals führen wollte? Geht so viel Wandlungsfähigkeit gut?

Kein Wunder, dass an diesem Mittwoch, an dem die Frau mit den schrillen Schuhen ihr Amt übernimmt, wilde Spekulationen ins Kraut schießen. Da fragt sich etwa der Kommentator Sean O’Grady im „Independent“: „Wird Theresa May wirklich diejenige sein, die den Artikel 50 auslöst? Ich glaube das nicht.“ Das klingt nach einem echten Glaubwürdigkeitsproblem der Neuen - gar nicht gut.

Stark verwässerter Ausstieg

Vermutlich, so O’Grady, wird May auf einen Art „Brexit Lite“ zusteuern - sozusagen ein Ausstieg, aber stark verwässert. Doch weil die EU da kaum mitspielen wird, könnte es bald schon ein Ende haben mit May in der Downing Street - dann werde Boris Johnson, der lautstarke Brexit-Mann mit den blonden Strubbelhaaren, in einem Jahr an die Tür klopfen. Soweit der Kommentar.

Aber am Mittwoch ist erst einmal die Übergabe-Zeremonie angesetzt. Rasch, pragmatisch und ohne Pomp bringen das die Briten hinter sich. Erst geht David Cameron zur Queen, dann May, alles nur kurze Stippvisiten, zack, zack, reine Formsache.

Es folgt Übergabe in der Downing Street, kurze Rede, nüchtern, sachlich, tränenlos. Das war’s dann. Krise bei den Tories im Schnelldurchgang beendet, May darf sich in die Arbeit stürzen. Die hat es aber in sich. Seit Jahrzehnten steht Großbritannien nicht mehr vor einem so großen und derart explosiven Problemgemisch:




Unsere Empfehlung für Sie