Tierpark Göppingen Verwaltungsbeamte und keine Biologen

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Anfang der 90er Jahre hätte Eger fast bei der Wilhelma angefangen. Nach der Wiedervereinigung strömten zahlreiche Tierpfleger in den Osten, und der Stuttgarter Zoo suchte händeringend Nachwuchs. "Die nahmen jeden, der schon mal ein Pony gestreichelt hat", sagt Eger. Dann aber besann er sich doch anders: "Hier in Göppingen bin ich mein eigener Herr, bin für die Tiere da, baue Gehege und kann organisieren."

Als das Landratsamt im Jahr 2003 aufgrund einer neuen Verordnung der Europäischen Union damit begann, erstmals eine Zoogenehmigung für den Göppinger Tierpark zu erarbeiten, war auf Vereinsseite befürchtet worden, die Behörde könnte an dieser Stelle den Finger in die Wunde legen und die Einstellung eines Tierpflegers fordern. Doch als sieben Jahre später die Genehmigung vorlag, fanden sich darin zwar Vorgaben, wie viel Wasser zur Haltung eines Goldfisches benötigt würden, an Egers Fachwissen wurde jedoch nicht gezweifelt. Freimütig räumte der zuständige Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Peter Arndt, ein, selbst überfordert gewesen zu sein. "Wir sind Verwaltungsbeamte und keine Biologen." Mit einer Zoogenehmigung habe man zuvor nie zu tun gehabt und werde wohl auch in Zukunft nie mehr etwas damit zu tun haben.

Klar ist seither aber, dass der Park seinen Tierbestand verändern muss. Mitleidsaktionen wie die Aufnahme eines alten Tanzbären, den sich Eger 1997 von einem Münchner Tierschutzverein aufschwätzen ließ, sind in Zukunft nicht mehr denkbar. Der alte Braunbär namens Baby, der heute ausgestopft im ehemaligen Käfig der Riesenhamsterratte sitzt und die Besucher angrinst, starb neun Jahre später fast 40-jährig an Altersschwäche und begründete den Ruf des Göppinger Tierparks als Seniorenheim für Exoten.

Nur der Bär kann Eger nicht leiden

Gleichzeitig stieß das Tierparkteam mit solchen Bewohnern an seine eigenen Grenzen. "Ich habe zu allen Tieren ein gutes Verhältnis, aber der Bär hat mich nicht leiden können", sagt Eger. Für das selbst gebaute Gehege habe es allerdings von einem erfahrenen Bärenpfleger aus der Wilhelma ein Kompliment gegeben.

Inzwischen haben sich in eben diesem Gehege die Nasenbären breitgemacht. Und obwohl wegen des fehlenden Bebauungsplans Eger momentan alle Umbauten verboten sind, hat er den kleinen Klettermeistern auf ganz legale Art zusätzlichen Auslauf verschafft, in dem er aus ihrem Gehege heraus ein Seil zu einem nahen Baum spannte. Eine Plastikkrause soll verhindern, dass die Tiere zu einem verbotenen Freigang absteigen. Und wenn sie hinunterspringen? Na ja, ein kleiner Adrenalinschub muss wohl sein.

Der Tierpark ist täglich von 10 Uhr an bis zum Einbruch der Dunkelheit, maximal aber bis 19 Uhr geöffnet. Die Anfahrt über die Lorcher Straße/B297 ist ausgeschildert. Erwachsene zahlen 2,50 Euro, Kinder einen Euro.

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