Tipps für Zuhause So kommt der Garten heil durch den Sommer
Heckenschnitt als Igel-Zuflucht, Salatblätter als Bodenmulch und Waschwasser für die Gießkanne: Oft sind es Kleinigkeiten, die beim Gärtnern und Wassersparen helfen.
Heckenschnitt als Igel-Zuflucht, Salatblätter als Bodenmulch und Waschwasser für die Gießkanne: Oft sind es Kleinigkeiten, die beim Gärtnern und Wassersparen helfen.
Wie bringe ich meine Pflanzen am besten durch die heißen Sommerphasen? Diese Frage beschäftigt immer mehr Gartenbesitzer, ganz besonders, wenn sie das Grundwasser nicht zu sehr belasten möchten. Und sind die Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon überhaupt für die geänderten Klimabedingungen geeignet? Der eine oder andere will außerdem etwas für die heimische Tier- und Insektenwelt tun. Martin Esslinger, Vorsitzender des Obst-, Garten- und Weinbauvereins in Leonberg, gibt praktische Tipps – und auch die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier hat eine wichtige Anregung parat.
Wie oft sollte man überhaupt gießen?
Letztlich hängt es individuell von den Pflanzen ab. Allgemein rät Martin Esslinger, nicht jeden Tag kleine Mengen zu gießen, sondern lieber alle zwei bis drei Tage etwas kräftiger. „Auf die Weise ,lernen‘ die Pflanzen, dass es nicht jeden Tag etwas gibt, sondern sie sich das Wasser einteilen müssen. Sie werden dadurch abgehärtet.“
An heißen Tagen lieber spät abends oder früh morgens gießen?
„Was die Verdunstung angeht, ist es einigermaßen egal“, sagt Martin Esslinger. Hauptsache, man gieße nicht mitten am Tag. Das meiste Wasser verdunstet sonst, bevor es von den Pflanzen aufgenommen werden kann. „Und immer nur an der Wurzel, also am Boden gießen. Die Blätter zu wässern, bringt gar nichts. Es gibt sogar Pflanzen, wie Tomaten, die mögen es überhaupt nicht, wenn ihre Blätter nass werden.“
Welche weiteren Tipps und Tricks gibt es für einen „sommerfesten“ Garten?
„Zum Beispiel kann man den Boden mulchen“, erklärt Martin Esslinger. Das heißt, den Boden rings um Blumen, Kräuter, Büsche und Co. mit etwas Lockerem abzudecken, zum Beispiel mit Küchen- und Gartenabfällen. Das können die Überreste vom Rasenmähen und vom Heckenschnitt sein genauso wie die alten Blätter vom Blumenkohl. „Da reicht schon eine dünne Schicht. Die hilft, dass nach dem Regnen oder Gießen weniger Wasser verdunstet.“ Auch Rindenmulch funktioniert.
Allgemein ist es hilfreich, den Boden mit einer Hacke immer wieder aufzulockern. „Wenn ich von oben gieße, verdichtet sich die obere Bodenschicht“, erklärt Martin Esslinger. Die Erde wird zuerst durch das Wasser gelockert, durch die Kapillarwirkung beim Abtrocknen wird sie fest. In der Folge kann sie das Wasser nicht mehr so schnell aufnehmen.
Ein praktischer Tipp für kleine Bäumchen und Co.: einfach einen kleinen Tontopf oder einen Becher mit einem Loch im Boden neben der Pflanze einbuddeln. „Wenn man das Wasser da reinfüllt, geht es direkt in den Boden, statt zu verdunsten.“
Welche Pflanzen, im Garten oder auf dem Balkon, kommen mit der Hitze und Trockenheit besser zurecht?
„Kräuter vertragen das Klima ganz gut“, sagt Martin Esslinger. „Rosmarin, Lavendel und Thymian zum Beispiel. Dagegen Geranien brauchen viel Wasser, bei Büschen Rhododendron, Azaleen, Hortensien und Kirschlorbeer, die muss man zum Teil täglich gießen.“ Eiben kommen mit der Hitze deutlich besser zurecht und eigenen sich zudem gut als Hecke. Allerdings sollte man beim Kauf aufpassen: Wer die roten Eibenbeeren später nicht überall herumliegen haben möchte, sollte „männliche“ Eiben kaufen. Nur die weiblichen tragen später Beeren.
Für „Balkonien“ hat der OGWV-Vorsitzende keinen speziellen Tipp im Gepäck. „Da die Kästen kein großes Volumen haben, muss man so oder so regelmäßig gießen.“ Entscheidender ist die Lage, in welche Himmelsrichtung der Balkon zeigt. Martin Esslinger rät für den Kauf zum Besuch beim Gärtner statt im Baumarkt, damit man eine gute Beratung erhält und nicht kurz nach dem Einpflanzen das böse Erwachen folgt.
Auch die Tierwelt leidet unter der Trockenheit und Hitze. Wie kann man den Tieren etwas Gutes tun?
„Bei Insekten kommen Nutzpflanzen wie Thymian, Majoran und Salbei gut an, aber auch Zierpflanzen wie Fetthenne und Zierlauch“, erklärt Martin Esslinger. Lavendel ist ebenfalls sehr beliebt – und Efeu. „Bei Efeu am Haus muss man natürlich aufpassen, aber wenn man irgendwo die Möglichkeit hat, es wachsen zu lassen, ist das super. Wenn der blüht – das kann etwas dauern – freuen sich die Insekten sehr.“ Wer Grünschnitt aus dem Garten hat, ob nach dem Heckenschneiden oder Rasenmähen, sollte diesen nicht einfach wegwerfen, sondern zu kleinen Haufen aufschütten. „Igel und Eidechsen freuen sich“, so Esslinger. Wer die Möglichkeit hat, kann zudem eine kleine Ecke des Gartens verwildern lassen – auch wenn das vielleicht nicht so hübsch aussieht. „Das hilft den Insekten unheimlich.“
Wasser sparen leicht gemacht
Eine besondere Anregung für alle Menschen mit Pflanzen zu Hause hat die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier parat: „Man kann in vielen Situationen Wasser wiederverwenden.“ Beim Salatputzen, Obstwaschen und natürlich beim Warten auf heißes Wasser fließt viel davon ungenutzt den Abfluss hinunter. „Wenn man das stattdessen in einer Schüssel oder Gießkanne auffängt, kann man es später einfach in die Pflanzen gießen.“ Nur Seife oder Spülmittel dürfen natürlich nicht drin sein.