Tony Joe White gestorben Der Songschreiber aus dem Sumpf

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Der knorrige Singer-Songwriter Tony Joe White hatte eine eher kleine, eingeschworene Fangemeinde. Doch jeder kennt ein paar White-Songs in den Versionen anderer, Elvis etwa und Tina Turner.

Tony Joe White  beim Montreux Jazz-Festival 2013 Foto: dpa
Tony Joe White beim Montreux Jazz-Festival 2013 Foto: dpa

Nashville - Wer nach knorrigen Singer-Songwritern sucht, stößt früher oder später auf Tony Joe White. Der Mann aus dem tiefen Süden, aus Louisiana, war keine Stimme des intellektuellen Campus-Amerika, sondern ein Gewächs des sehr, sehr ländlichen Amerika. Der sofort wahrnehmbare Bruch lag darin, dass ein Weißer sich völlig authentisch den schwarzen Sumpf-Blues angeeignet, ja, ihn aufgesogen hatte. Die bohrenden, hypnotischen Rhythmen, die pessimistisch quengelnden Gitarrenlicks, die abgebrühte Bariton-Stimme erzählten vom Festgehaltenwerden in einem Leben, das nicht unbedingt das amerikanische Ideal darstellt, mit dem man sich aber abfinden musste: Wer da unten im Sumpf geboren ist, kommt aus dem Sumpf nicht heraus.

Tony Joe White, der am 24. Oktober 2018 im Alter von 75 Jahren ganz überraschend gestorben ist, wenige Wochen nach Veröffentlichung seines nun letzten Albums „Bad Mouthin’“, hatte immer seine eingeschworenen Fans. Aber ganz vorne im Rampenlicht stand er nie, es war auch leicht, diesen unprätentiösen Mann zu unterschätzen, der mit umgehängter Mundharmonika wie ein Schrammelbarde auf die Bühne schlurfte, aber ein vorzüglicher Gitarrist aus der Schule der Sparsamkeit und Bissigkeit war.

Welterfolg mit Tina Turner

Seine größten Erfolge hatte White als Songschreiber: Sein „Rainy Night in Georgia“, vielfach gecovert, wurde ein Welthit für Brook Benton, „Polk Salad Annie“ gehörte lange zum Kern des Bühnenprogramms von Elvis, und als Tina Turner 1989 eines der besten Alben ihres niemals ganz endenden Comebacks vorlegte, „Foreign Affair,“ war White als Gitarrist, Harpspieler und Songschreiber eine der tragenden Kräfte.

Typisch für seine ganze Karriere – und für das Zuordnungsproblem, das der Musikmarkt mit White hatte, ist die Anekdote von der ersten Begegnung mit Tina Turner. Wie White 2006 erzählte: „Sie drehte sich um, schaute mich an und fing an, hysterisch zu lachen“, erzählte er. „Sie krümmte sich und ich dachte mir: ,Steht mein Hosenstall offen oder was?’ Schließlich fing sie sich wieder, kam zur mir rüber, drückte mich fest und sagte: ,Es tut mir leid, Mann. Seit ,Polk Salad Annie’ dachte ich immer, du seist ein schwarzer Mann’“.

Wir haben zum Kennenlernen fünf klassische Songs von Tony Joe White auf Youtube herausgesucht:

1. „Polk Salad Annie“

„Polk Salad Annie“ ist einer der größten Hits von Toyn Joe White. Neben Elvis haben ihn unter anderem Johnny Hallyday, Tom Jones und the Boss Hoss aufgenommen

2. „Rainy Night in Georgia“

„Rainy Night in Georgia“ kennt in irgendeiner Version, am wahrscheinlichsten in der von Brook Benton, jeder: Ein Standard des Late-Night-Radios für Erwachsene.

3. „If I ever saw a good Thing“

Wer nur ein Album von Tony Joe White in der Sammlung/Playlist haben kann, sollte „The Train I’m on“ von 1972 in Erwägung ziehen. „If ever I saw a good Thing“ ist nur einer von 12 tollen Songs hier.

4. „Good in Blues“

(“You’re gonna look) Good in Blues“ stammt ursprünglich von Whites Album „Closer to the Truth“, das von der Fans der älteren Sachen oft übersehen wird – zu Unrecht. Es ist in den legendären Muscle Shoals Sound Studios von Alamba aufgenommen, deren Hausband Msuikgeschichte schrieb.

5. „Undercover Agent for the Blues“

In der zweiten Hälfte ihrer Karriere wechselte Tina Turner vom Soul zum Pop. Für ihr Album „Foreign Affair“ von 1989 aber schloss White sie mit 4 Kompositionen wieder an die Bluestradition an. “Undercover Agent for the Blues" zeigt, dass Whites Lieder auch mit etwas Lack und Politur nicht zu zierlich werden.