Traumland auf der Bärenhöhle Aufgewachsen im Märchenschloss, heute Chefin des Freizeitparks

Die Geschäftsführerin des Traumlands auf der Bärenhöhle: Ines Ehe im Riesenrad des Parks. In unserer Bildergalerie weitere Aufnahmen aus dem Traumland. Foto: Horst Haas

Ines Ehe leitet den Freizeitpark für Kinder, den ihr Vater vor 50 Jahren eröffnet hat. Lange hatte das Traumland auf der Bärenhöhle kaum Konkurrenz, dann eröffneten Ravensburger Spieleland und Legoland. Und ein weiterer Konkurrent kommt bald dazu.

Baden-Württemberg: Florian Dürr (fid)

Als Hans Gebauer vor 50 Jahren das Traumland auf der Bärenhöhle eröffnete, war Ines Ehe noch gar nicht geboren. Heute ist die 44-Jährige die Chefin des Freizeitparks auf der Schwäbischen Alb – und hofft, dass ihr verstorbener Vater zufrieden auf die Entwicklung des Traumlands blicken würde, „dass wir überhaupt weiter bestehen“, sagt Ehe.

 

Im Mai soll die erste „richtige Achterbahn“ eröffnet werden

Denn das Geschäft sei im Lauf der Zeit nicht einfacher geworden, lange lief es wie „von alleine“, berichtet Ehe. Weil das Traumland im Wettbewerb um die Gunst seiner Zielgruppe kaum Konkurrenz hatte; der Freizeitpark auf der Bärenhöhle richtet sich an Kinder im Kindergarten-und Grundschulalter. Als jedoch das Ravensburger Spieleland (1998) und das Legoland im bayerischen Günzburg (2002) dazukamen, habe man in Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) gemerkt, „dass wir uns nicht ausruhen dürfen“, sagt die Geschäftsführerin. Denn „Stillstand ist Rückstand“ – so lautet das Firmenmotto.

Deshalb hat Ehe seit der Übernahme im Jahr 2002 den Freizeitpark ständig weiterentwickelt. Auch in diesem Jahr zum 50-jährigen Bestehen dürfen sich die Besucher wieder auf eine neue Attraktion freuen: Die erste „richtige Achterbahn“ für das Traumland soll im Mai eingeweiht werden. Der Wichtelexpress ist Teil einer neuen Geschichte.

Ehes Familie hat früher selbst auf dem Gelände gelebt – im Märchenschloss

Denn die neue Attraktion fungiert als Reisemobil der beiden neuen Maskottchen, die zwei Wichtel-Zwillinge Sini Bini und Hanni Banni, die bereits heute an vielen Stellen im Park zu sehen sind. Ines Ehe hat die Charaktere selbst erschaffen – die Geschäftsführerin kann also auch Kinderbuchautorin. „Das Schreiben liegt mir“, sagt sie.

Bereits im Alter von vier Jahren musste sie als junges Mädchen mitanpacken im Park. „Ich wurde immer losgeschickt, um zu schauen, ob alle Märchen noch funktionieren“, erzählt Ehe. Heißt: Knöpfe drücken im Märchenwald, damit die Figuren aus Rotkäppchen, Hänsel und Gretel oder Rumpelstilzchen anfangen zu sprechen. Damals hat die Familie auch noch selbst auf dem Gelände oberhalb der Bärenhöhle gelebt – im Märchenschloss: „Unten war Dornröschen, oben hatten wir eine kleine Wohnung“, erinnert sich Ehe.

Früher Krokodile, Bären oder Affen, heute wird komplett auf Tiere verzichtet

Ihre Mitschüler seien immer beeindruckt gewesen, aber das Leben als Traumland-Tochter hatte auch seine Schattenseiten, berichtet Ehe: „Im Sommer hatten wir nie Zeit für Urlaub.“ Schließlich war da Hochsaison im Park. Die Geschäftsführerin hat sich deshalb geschworen, das bei ihren Kindern anders zu machen: Urlaub und Arbeit wurden im Sommerurlaub verbunden. „Als die Kinder klein waren, sind wir Freizeitparks in ganz Europa abgefahren“, erzählt Ehe. In Frankreich, den Niederlanden oder in Italien. Das hat den Kindern gefallen – und die Mama konnte währenddessen Inspiration für den eigenen Park und mögliche neue Attraktionen sammeln.

Vieles von dem, was einmal wie selbstverständlich zum Park gehörte, ist mittlerweile Geschichte – etwa exotische Tiere wie Krokodile, Bären oder Affen. Heute verzichtet man komplett auf Tiere, auch auf die heimischen Arten. In Form von Figuren und Namen der Attraktionen sind Pferde, Hasen oder Biber aber nach wie vor ein fester Bestandteil des Parks: In „Sini Binni’s Pferdeland“ können die Kinder Pferde (natürlich keine echten) striegeln, es gibt den „Hasenhüpfer“, ein Karussell, das sich auf und ab bewegt, oder den „Biberhopser“, wo aus freiem Fall Bauchkribbeln garantiert ist.

Besucher schätzen die Lage des Park mitten im Wald

Die Verbindung zur Natur ergibt sich allein durch den Standort: Das Traumland befindet sich umringt von Bäumen mitten im Wald, der Park ist so versteckt in der Landschaft, das man selbst von der angrenzenden Landstraße kaum etwas sieht. Anders als etwa auf der Fahrt zum Europapark, dessen Achterbahnen bereits kilometerweit von der Autobahn aus zu sehen sind.

Die Besucher schätzen das: „Der Park liegt so schön im Wald, in der Natur“, sagt eine Seniorin, die mit ihren drei Enkeln am Riesenrad ansteht. „Mir gefällt das Hasenkarussell“, sagt eine Enkelin, „und mir die Feuerwehr“, ergänzt ihr Bruder. Die „Traumland-Feuerwehr“, bei der die Kinder mit Blaulicht in kleinen, roten Unimogs fahren können, steht bei den Kleinen hoch im Kurs – die Attraktion war Ehes Idee und löste eines der ältesten Fahrgeschäfte des Traumlands ab: Die Oldtimer-Fahrt, an die sich sicher einige der älteren Generationen noch gut erinnern können.

Peppa Pig Park könnte Besucher aus Ulm weg vom Traumland locken

Und so muss Ehe immer wieder Attraktionen überdenken und sich etwas neues einfallen lassen. Der Wichtelexpress ersetzt die Marienkäferbahn – und aus dem Märchenwald soll nach und nach ein Erlebniswald werden. „Ein Knopf zum Drücken und eine Märchenfigur begeistert Kinder mit einem iPad nicht“, sagt Ehe. Ihr Park müsse in Zeiten von Smartphones und Social Media mehr bieten – der Fokus liegt vor allem auf dem gemeinsamen Erleben: Eltern mit ihren Kindern, Opa und Oma mit den Enkeln.

Das Traumland versteht sich als „Einsteiger-Park“ für die Kleinen: „Bei uns fahren sie zum ersten Mal Achterbahn, zum ersten Mal Wildwasserbahn, zum ersten Mal Free-Fall-Tower“, sagt Ehe. Doch die Konkurrenz schläft nicht: An Pfingsten kommt ein weiterer Freizeitpark mit der jungen Zielgruppe dazu. Dann eröffnet der Peppa Pig Park im bayerischen Günzburg direkt neben dem Legoland. Viele Familien aus Ulm würden dann aufgrund der bequemeren Anfahrt über die Autobahn eher diesen Park besuchen, ist sich Ehe sicher. Aber – auch dem begegnet sie mit einem weiteren Motto: „Jammern hilft nicht, nur tun.“

Preise, Besucher, Mitarbeiter

Preise
Kinder ab drei Jahren und Erwachsene zahlen 24,90 Euro (ermäßigt 21,90 Euro) Eintritt. Eine Jahreskarte gibt es für 84,90 Euro (ermäßigt 74,90 Euro).

Besucher
 Etwa 200 000 Besucherinnen und Besucher zählt das Traumland jährlich. Damit habe sich die Zahl in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, berichtet Geschäftsführerin Ines Ehe. Die Eröffnung der Wildwasserbahn habe den ersten großen Schub gegeben. Noch mehr Besucher seien nicht möglich, etwa aufgrund von fehlenden Parkplätzen.

Mitarbeiter
 In der Hauptsaison beschäftigt der Park um die 210 Mitarbeiter. 40 davon sind ganzjährig angestellt.

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