Trumpf, Stihl, Porsche, Bosch Die besten Bauten von Firmen in der Region Stuttgart

Die Kantine von Trumpf Foto: B-L Barkow Leibinger /photo@davidfranck.de

Cooles Design in der Betriebskantine, eine stylishe Betriebskita: Firmen aus Stuttgart und der Region rüsten architektonisch auf. Schauen Sie sich an, was Unternehmen bieten.

Kreissägen kreischen, Hammerschläge dröhnen Jürgen Schäfer in den Ohren als er über eine Holzplanke den Neubau erreicht. Schäfer blickt sich um, frischer Holzgeruch erfüllt den Baukörper, in dem bald die Auszubildenden des Ditzinger Hightechunternehmens Trumpf lernen werden, wie ein Laser funktioniert. „Vor dem Bau haben wir einen Wettbewerb unter den Azubis ausgeschrieben“, erzählt Schäfer. „Sie durften die Kreativräume mitgestalten.“

 

Im Juni soll das Trumpf Education Center eröffnet werden. Ein eleganter Baukörper in reiner Holzbauweise, fertig gestellt in gerade mal 13 Monaten Bauzeit. Der Neubau wird ein weiteres Puzzleteil in einem bemerkenswerten Gesamtbild auf dem Ditzinger Firmengelände von Trumpf – dort sind in den vergangenen Jahren nach und nach von internationalen Jurys vielfach ausgezeichnete Gebäude entstanden.

Mit coolen Bauten neue Mitarbeiter gewinnen

Das Mitarbeiterrestaurant „Blautopf“ wurde vom Bund Deutscher Architekten gewürdigt, der Campus gewann den Industriepreis für sein städtebauliches Konzept, ein filigraner Steg erhielt den deutschen Brückenbaupreis. Jürgen Schäfer ist der Mastermind hinter der Baukultur made in Ditzingen. Der 53-Jährige leitet die Bauplanungen bei Trumpf, seit einiger Zeit mit einem besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit.

Das Unternehmen investiert seit Jahren viel in Neubauten und in die Substanz bestehender Gebäude. Damit verfolgt es strategische Zwecke: „Wir möchten, dass sich unsere Mitarbeiter mit den Gebäuden identifizieren, damit sie gerne darin arbeiten“, sagt Schäfer. Im harten Wettbewerb um extrem umkämpfte Fachkräfte lädt die Personalabteilung mögliche Interessenten gerne rasch aufs Firmengelände ein.

Modell des Pförtnerhäuschens steht in New York

Wer mit dem Auto am Hauptsitz von Trumpf ankommt, wird von einem Pförtnerhäuschen empfangen, das einem Kunstwerk gleicht: Sein 82 Tonnen schweres Dach ragt spektakulär über beide Fahrspuren, nachts verwandelt sich der Bau in einen markanten Leuchtkörper. Die industrielle Baukultur hat es bis nach New York geschafft: Ein kleines Modell des Pförtnerhäuschens ist im Museum of Modern Art zu sehen. In der Personalabteilung von Trumpf macht folgender Satz die Runde: „Wen wir einmal bei uns auf dem Firmengelände haben, der ist uns sicher.“

Jürgen Schäfer besitzt einen Masterplan für die Entwicklung des gesamten Standorts: In Ditzingen arbeiten mehr als 5000 Mitarbeiter, das 30 Hektar große Werksgelände hat 300 000 Quadratmeter Gebäudefläche. In Fünf-Jahres-Schritten entwickelt Schäfer mit seinem Team die bauliche Zukunft. „Wir fragen uns dabei, wie sich die Mitarbeiterzahl entwickeln wird, aber auch wie sich die Ansprüche der Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze verändern.“

Was brauchen eigentlich die Mitarbeiter?

So plant Schäfer in den Bürobereichen mehr Rückzugs- und Besprechungsräume ein, liest Forschungsarbeiten zum Thema und befragt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort, welche Wünsche sie haben. Auf dieser Grundlage entstanden in den vergangenen Jahren ein Fitnessstudio mit Blick über das Strohgäu, ein Betriebskindergarten und ein Parkhaus mit Fahrradstellplätzen, Duschen und Umkleidebereichen.

Viele Unternehmen in der Region Stuttgart erkennen verstärkt den Wert von nachhaltigem Bauen: Produktionshallen werden so errichtet, dass sie möglichst langlebig sind und bei sich ändernden Marktbedingungen flexibel weitergenutzt werden können. „Am Ende ihrer Nutzungsdauer sollte es möglich sein, die beim Bau eingesetzten Materialien zu trennen, damit man sie wiederverwenden kann“, sagt Jürgen Schäfer.

Markenwelten mit Erlebnischarakter

Immer wichtiger wird bei einzelnen Bauprojekten auch diese Frage: Welchen Eindruck hinterlässt ein Unternehmensgebäude bei möglichen Kunden? Leuchtturmprojekte wie das Porsche- oder das Mercedesmuseum stehen sinnbildlich dafür, wie Konzerne ihre Marken durch Bauten mit Erlebnischarakter und unverwechselbarer Architektur emotional aufladen.

Darauf zielt auch eines der derzeit größten Neubauprojekte von Unternehmen in der Region Stuttgart ab: Am Stammsitz von Stihl in Waiblingen entsteht eine Markenwelt, die nicht nur die Firma und ihre Produkte ins rechte Licht rücken soll, sondern den Besuchern auch eine Wissensplattform zum Thema Wald und Forst bieten wird.

Was Stihl in Waiblingen plant

Die Eröffnung der neuen Markenwelt unweit der Rems ist für den Sommer dieses Jahres geplant, Stihl erhofft sich, dass bei interessierten Besucherinnen „die Bindung an die Marke gestärkt“ werde. Wenig später werden in Ditzingen die ersten Auszubildenden im Auditorium des Trumpf Education Center Platz nehmen. Für Jürgen Schäfer ist es nur ein Zwischenschritt. Er hat die ausgearbeiteten Pläne für den nächsten Bau der etwas anderen Art schon auf seinem Rechner.

Familienbande nach Berlin

Architekturbüro
Viele der preisgekrönten Neubauten auf dem Firmengelände von Trumpf stammen vom Architekturbüro Barkow Leibinger aus Berlin. Das Büro hat sich unter anderem auf die Planung und Realisierung von Gebäuden von Unternehmen spezialisiert.

Geschwister
Das Büro wird von Frank Barkow und Regine Leibinger geführt. Regine Leibinger ist die Schwester von Nicola Leibinger-Kammüller und Peter Leibinger, die als Vorstandsvorsitzende und Stellvertreter an der Spitze des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf aus Ditzingen stehen.

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