TSV Münster Der Chef schmeißt den Laden seit 34 Jahren

Von Harald Landwehr 

Der TSV Münster hat eine lange Geschichte und ist für die Zukunft gut aufgestellt. Und das vor allem auch Dank Vorstand Walter Grözinger.

Seniorenweltmeister Michael Bulgrin (unten) trainiert die Ringer. Foto: factum/Weise
Seniorenweltmeister Michael Bulgrin (unten) trainiert die Ringer. Foto: factum/Weise

Münster - In der 137-jährigen Geschichte eines Sportvereins sammeln sich viele Geschichten an. Geschichten über erfolgreiche Athleten, große Siege, besondere Ereignisse. Einen Großteil davon könnte Walter Grözinger aus der eigenen Erinnerung erzählen: Seit 65 Jahren ist er Mitglied bei der Turn- und Sportvereinigung Münster, seit 1978 steht er dem aktuell knapp 1400 Mitglieder zählenden Verein an der Neckartalstraße vor. „Wir haben schon einmal versucht, eine Nachfolgeregelung zu organisieren, aber das hat nicht geklappt. Und so mache ich das jetzt eben weiter“, sagt der TSV-Vereinsboss, der alles andere als ein gewöhnlicher Vorsitzender ist. Drei Tage in der Woche verbringt Grözinger seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Geschäftsstelle in Sichtweite zum Kraftwerk. Er wird dabei unterstützt vom Vizevorsitzenden Herbert Nigl und den beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Sibylle Zurawka und Sibylle Jakisch. Er isst zu Mittag in der Vereinsgaststätte, führt einen kurzen Plausch mit der griechischen Pächterfamilie, leitet mittwochs ab 18 Uhr die Senioren-Gymnastikgruppe in der Sporthalle, hat ein offenes Ohr für die Sorgen von Übungsleitern.

Und wenn ausnahmsweise nichts zu tun ist, schwelgt Grözinger in Erinnerungen und erzählt von den großen sportlichen Erfolgen seines Vereins, die zum Teil schon lange zurückliegen. Der Rentner, der kurz nach dem Krieg als Kind in die Turnabteilung eintrat, erzählt von den Zwillingsbrüdern Theo und Erich Wied, die 1956 in der Messehalle 6 am Killesberg mit Werner Finkel, Heini Kurrle und Karl Schweizer den deutschen Mannschaftsmeistertitel im Kunstturnen für den TSV Münster errangen. Oder von den Ringern, die in den 1950er und 1960er Jahren zu den besten deutschen Mannschaften zählten und in Fritz Stange, der zwei Jahre später Weltmeister wurde, 1964 einen der ihren zu den Olympischen Spielen nach Tokio schickten.

„Bei uns ist immer etwas los“

Der Vorsitzende und sein Verein leben aber nicht nur von Tradition und Vergangenheit. Der Club mit seinen zwölf Abteilungen hat auch in der Gegenwart Spannendes zu bieten: beispielsweise eine Herzsportgruppe, die aufgrund des großen Zulaufs beinahe aus den Nähten platzt. Oder eine aktive Fußballmannschaft, die derzeit die Bezirksliga Stuttgart anführt. Und schließlich wären da auch noch drei der Lieblingsthemen des Vorsitzenden: Zum einen die Erfolgsgeschichte des „Boulevärle“, eines dem Verein angeschlossenen Amateurtheaters, das zu den beliebtesten der Region zählt. Oder die Fotovoltaikanlage, die der TSV auf seinem Gelände zur ökologischen Energiegewinnung errichtet hat und die sich in drei bis vier Jahren amortisiert haben soll.

Oder aber der lange Jahre ersehnte Kunstrasenplatz, den die Stadt nun endlich genehmigt und finanziert hat und der voraussichtlich von Juli bis Oktober dieses Jahres gebaut wird. „Bei uns ist immer etwas los, langweilig wird mir nie“, sagt Walter Grözinger und verabschiedet sich schon wieder. Die nächste organisierte Sportveranstaltung findet ausnahmsweise nicht an der Neckartalstraße statt, sondern am Sonntag 6. Mai, 11 Uhr, am Bärenschlössle. Dann ist das Waldfest des TSV Münster, aber auch das will vorbereitet sein, und der Chef wird gebraucht.

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