Tunneldurchstich in Sindelfingen-Darmsheim Die 460 Meter für Röhre sind gegraben

Von  

Bis Mai 2018 soll die Verkehrsader fertig sein und den Staus in und um Darmsheim vorbeugen. Nun wurde erst einmal das Westportal des Tunnels durchstoßen.

Das Westportal ist offen, die Mineure klettern heraus. Foto: factum/Granville
Das Westportal ist offen, die Mineure klettern heraus. Foto: factum/Granville

Sindelfingen - Beate-Tunnel, 18. Mai 2015“ steht auf einem Schild am Westportal der noch mit Zement verschlossenen Röhre. Drei schrille Signale ertönen, und die Arbeiter im Inneren machen sich an den Durchstich des neuen Darmsheimer Tunnels. Es dauert acht, neun Minuten, bis sie eine mannsgroße Öffnung geschaffen haben, ans

Licht treten und über eine Leiter das 460 Meter lange Bauwerk verlassen können. Unter ihnen ist auch Beate Meyer, die Tunnelpatin und Vertreterin der Bürgerinitiative Nordumfahrung. Binnen acht Monaten ist ein 8,30 Meter hoher und 11,80 Meter breiter Stollen in den Berg gegraben worden. Voraussichtlich im Mai 2018 soll die neue Verkehrsverbindung samt Tunnelausstattung fertig sein. Ob der Tunnel dann noch den Namen der Patin trägt, ist allerdings offen. Derzeit werden weitere Namensvorschläge geprüft.

Neue Verbindung mit der Bundesstraße 464

Bei vier Grad unter Null hat sich am Mittwochmorgen so ziemlich alles versammelt, was in der Region politisch Rang und Namen hat, um der Durchstichfeier beizuwohnen. Neben den Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Böblingen ist auch Thomas Bopp gekommen, der Präsident der Verbands Region Stuttgart. Der Regierungspräsident Johannes Schmalzl stellt fest: Es habe lange genug gedauert, bis das Vorhaben, Darmsheim vom Verkehr zu entlasten, nun in die Tat umgesetzt werde. Zur Entlastung der Stauregion sei das „eines der wichtigsten Projekte“, sagt Schmalzl. Und der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer weist darauf hin, dass bis zu 14 000 Fahrzeuge täglich in der Ortsdurchfahrt gezählt würden und die Pendler bisweilen im Schneckentempo an ihre Arbeitsplätze in Sindelfingen und Böblingen und wieder zurück nach Hause kämen. Die Umfahrung, die eine Verbindung zur B 464 herstelle, komme zu einem guten Zeitpunkt, denn die Wirtschaft entwickle sich dynamisch. Allein Daimler investiere zwei Milliarden Euro in sein Werk und in sein Forschungszentrum in Sindelfingen.

Die Landesregierung habe im vergangenen Jahr 250 Millionen Euro in Straßenbauvorhaben gesteckt, berichtet der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), und damit den Wirtschaftsstandort gestärkt. Allein bei dem Projekt in Darmsheim trage das Land die gesamten Kosten in Höhe von 31 Millionen Euro. Daneben gebe es im Kreis Böblingen weitere Verkehrsprojekte, die vom Land unterstützt würden: der Ausbau der A 81 nebst Lärmschutztunnel sowie die Elektrifizierung der Schönbuchbahn, sagt Hermann, „da werden andere neidisch.“

1,4 Kilometer lange Umfahrung

„Wir fühlen uns gut unterstützt von der Landesregierung“, antwortet der Landrat Roland Bernhard. Allerdings müsse, was die A 81 angehe, an die Finanzierungsvereinbarung zwischen den Städten Böblingen und Sindelfingen, dem Kreis, dem Land und dem Bund endlich ein Knopf gemacht werden. Mündlich liegt sie vor, demnach zahlt das Land für den Lärmschutztunnel rund 14 Millionen Euro. Zum Ausbau der Schönbuchbahn trägt das Land noch einmal bis zu 37,5 Millionen Euro bei.

Zunächst steht der Innenausbau des Darmsheimer Tunnels mit zwei Fahrstreifen, Notgehwegen, einem 240 Meter langen Rettungsstollen sowie der Sicherheitstechnik an. Die Umfahrung wird 1,4 Kilometer lang und erhält im Osten neue Straßenanschlüsse. „Der verkehrsgeplagte Ort kann dann aufatmen“, sagt Vöhringer. Um einen Namen für den Tunnel zu finden, setzt er eine Jury ein, die 125 Vorschläge prüft. „Namen von Schauspielern sind nicht erlaubt“, erklärt Vöhringer. Stattdessen stehen etwa „Heilix Löchle“ oder „Tor zum Schwarzwald“ zur Diskussion.




Veranstaltungen