TV-Jubiläum: 20 Jahre „In aller Freundschaft“ Am Anfang gab es Blut und Sex

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„In aller Freundschaft“ ist eine der erfolgreichsten Serien im deutschen Fernsehen – obwohl sie im Lauf der Jahre harmloser wurde. Bei der neunzigminütigen Jubiläumsfolge geht es nach Thailand.

Und dann auch noch verhaftet: Sarah Marquardt (Alexa Mariua Surholt)  und Dr. Heilmann (Thomas Rühmann) in Thailand Foto: MDR 8 Bilder
Und dann auch noch verhaftet: Sarah Marquardt (Alexa Mariua Surholt) und Dr. Heilmann (Thomas Rühmann) in Thailand Foto: MDR

Leipzig - Die Überschrift sagt eigentlich schon alles: „Hauptdarsteller Busen“. Als im Oktober 1998 die erste Folge von „In aller Freundschaft“ ausgestrahlt wurde, war die StZ-Kritikerin wenig begeistert. Die Serie strotze vor Gemeinplätzen, Klischees und wohlgeformten Busen, ansonsten habe man das Krankenhaustreiben mit „schnellen Autos, schicken Behausungen und schönen Pferden“ garniert. Dass „In aller Freundschaft“ als Dauerserie angelegt ist, klang der Kritikerin entsprechend nicht als Verheißung, sondern als Drohung.

Schaut man heute die ersten Teile von „In aller Freundschaft“ an, staunt man in der Tat, wie harmlos die Serie im Lauf der Jahre geworden ist. In den Anfängen war penetrante Fleischbeschau so selbstverständlich wie „Scheiße“ in den Dialogen. Die Ärzte waren gern mal Playboys, die zu jeder Anmache bereit waren. Heute gibt es dagegen keinen Sex mehr unter der Dusche, man bekommt keine drastischen Unfälle mehr zu sehen, und Operationen sind nicht mehr allzu blutrünstig. Auch gestorben wird nur noch selten.

Mehr als fünf Millionen Zuschauer mögen die Geschichten aus der Sachsenklinik

Was sich nicht geändert hat: Auch heute ist „In aller Freundschaft“ sicher keine Sternstunde des deutschen Fernsehens. Die schauspielerische Leistung ist teils mittelmäßig, die Ausstattung wenig ambitioniert und vergleichsweise billig. Trotzdem schauen durchschnittlich 5,16 Millionen Zuschauer am Dienstag dem knurrigen Dr. Heilmann und der stets mitfühlenden Frau Dr. Globisch zu, der geschäftstüchtigen Frau Marquardt – und wie die Ärzte und Pfleger alle heißen.

Zum 20-jährigen Jubiläum hat man den an sich überschaubaren Radius zwischen Schockraum und OP, Cafeteria und Schwesternzimmer der Sachsenklinik ausgeweitet und ein kleines Team auf weite Reise nach Thailand geschickt. Der Klinikleiter Heilmann und die Geschäftsführerin Sarah Marquardt wollen dort einen Kongress besuchen. Heilmann, schlecht gelaunt wie so oft, wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Reise, weshalb ihm der Pfleger Kris assistieren soll. In Thailand warten auf den biederen Mediziner die kuriosesten Herausforderungen, Katastrophen und Notfalleinsätze. Marquardt rät dem Gestressten, ein wenig am Strand auszuspannen, während Heilmann zu dem Urlaubsparadies nur einen Gedanken hat: „Damit ich Hautkrebs kriege?“

Thomas Rühmann und Alexa Maria Surholt sind von Anfang an dabei

Der Schauspieler Thomas Rühmann als Heilmann und Alexa Maria Surholt als Frau Marquardt sind – neben Ursula Karusseit – als einzige von Anfang an dabei. Rolf Becker spielte zwar in der ersten Folge bereits mit – allerdings nicht als Otto, sondern als Patient. Sie alle sind freilich älter geworden, und auch die Serie selbst wirkt ein wenig altbacken – ist aber vielleicht gerade deshalb so beliebt. Mit „Lebensnähe und Menschlichkeit“ bezeichnet die ARD das, was die Serie ausmache.

An der Entwicklung von „In aller Freundschaft“ lässt sich aber auch ablesen, wie sich die Gesellschaft insgesamt verändert hat – und das durchaus im Positiven. Heute gibt es in der Sachsenklinik keine Machos alter Schule mehr, dafür umso mehr Alleinerziehende, Patchwork-Familien und erfolgreiche Oberärztinnen, Väter, die sich der Kinder wegen eine Auszeit nehmen oder die Betreuung gleich ganz schultern. Bei aller Betulichkeit ist die Redaktion sehr wohl bemüht, moderne Lebenswelten zu spiegeln.

Im November startet der neue Ableger „Die Krankenschwestern“

Um den Anschluss nicht zu verlieren, wurde das Team in den vergangenen Jahren kräftig verjüngt – und das Konzept ständig erweitert. Seit 2015 gibt es den Ableger „Die jungen Ärzte“, am 1. November startet ein weiterer: „Die Krankenschwestern“. Herrlich absurd und witzig waren auch die kurzen Episoden des Web-Spin-offs „In aller Freundschaft – Nachts in der Sachsenklinik“, bei der die mitunter braven Charaktere frech karikiert wurden. Sie kommen nun auch ins Fernsehen – bei der Langen Nacht zu „In aller Freundschaft“, die am Freitag um 23.40 Uhr beginnt.

Die neuen Formate sollen auch der Stammserie neuen Auftrieb geben, so, wie Heilmann im Langfilm „In aller Freundschaft – Zwei Herzen“ geläutert aus Thailand zurückkehrt. Je tiefer der spießige Arzt dort im Chaos versinkt, desto gelassener wird er. Thailand scheint eine gute Schule für schlecht gelaunte und etwas überhebliche Europäer zu sein.

Ausstrahlung: ARD, 26. Oktober 2018, 20.15 Uhr