TV-Tipp „Wiener Blut“ Mehr als ein Mordfall

Fida Emam (Melika Foroutan) kämpft an vielen Fronten. Foto: ZDF/Fabio Eppensteiner 10 Bilder
Fida Emam (Melika Foroutan) kämpft an vielen Fronten. Foto: ZDF/Fabio Eppensteiner

Der Krimi „Wiener Blut“ im ZDF bürdet einer Staatsanwältin viele berufliche und private Probleme auf. Daraus hätte man gut einen Vierteiler machen können.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Der Mann, dessen Leiche da von einer Brücke baumelt, hat sich nicht selbst umgebracht. Was die Kripo vor Ort erkennt, wird von der Gerichtsmedizinerin bestätigt: Die Staatsanwältin Fida Emam (Melika Foroutan) hat es in „Wiener Blut“ mit einem Mord zu tun, und private Motive stehen vielleicht nicht unbedingt im Vordergrund. Der Tote war bei der Banken- und Finanzaufsicht tätig, er könnte einflussreichen Leuten in die Quere gekommen sein.

Eine Tochter unter Islamisten

Mit Flugaufnahmen fangen viele Krimis an. In „Wiener Blut“ aber untermalen die Bilder der nächtlichen Stadt nicht beliebig die Vorabinfos über Macher und Mitwirkende, sie bekommen eine sachte Melancholie; die Montage der Straßen und ihrer Verkehrsflüsse suggeriert uns dezent einen kraftvollen Fluss der Energie, ein Geflecht der Ziele und Antriebe, gegen die man nicht einfach lenkend einschreiten kann. Das Drehbuch von Martin Ambrosch stürzt sich denn auch nicht auf die Ermittlungsarbeit, es liefert uns in erst zu ordnenden Puzzleteilchen das komplexe Arbeits- und Privatleben von Emam, einer Staatsanwältin mit ägyptischen Wurzeln.

Viele der zurzeit bei den stoffgierigen Streamingdiensten dicht an dicht startenden Serien wecken den Wunsch, die Produzenten hätten lieber sich aufs Wesentliche konzentriert und nur einen Film aus dem Stoff gemacht. „Wiener Blut“ dagegen, mit einem Komplott von Finanzwelt, Politik und Beamten, mit den Beziehungsproblemen der Staatsanwältin, dem Abirren ihrer Tochter in Islamistenzirkel, den Einmischungen ihrer Mutter in Liebe und Ermittlungen üppig bestückt, hätte gut und gerne einen Vierteiler abgegeben.

So ist alles ein wenig gedrängt und verkürzt. Aber die Regisseurin Barbara Eder zeigt hier, dass sie ganz anders kann als in der Netflix-Serie „Barbaren“: In jeder Szene schwebt spannend Unausgesprochenes herum, und gerade das hält einen bei der Stange.

Ausstrahlung: ZDF, Montag, 2. November 2020, 20.15 Uhr




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