Herr Heinevetter, wie kräftig haben Sie den Überraschungserfolg gefeiert?
Wir waren noch mit einem Teil der Mannschaft feiern, das haben wir uns, denke ich , auch redlich verdient. Nach einer solchen Leistung kann man es schon mal laufen lassen. Aber es ging nicht bis in die Puppen, der Wasen machte ja irgendwann auch zu.
Ihr Mitspieler Kai Häfner ging davon aus, dass Sie wegen Ihres 600. Bundesliga-Spiels einen ausgeben.
Dann werde ich das sicher noch machen. Wer mich kennt, kann erahnen, dass ich bei solchen Dingen vorbildlich und großzügig bin.
Welche Bedeutung haben diese 600 Spiele für Sie?
Also wichtig waren für mich diese zwei Punkte, die wir eingefahren haben. Die 600 sind eine schöne, bedeutende Zahl, mehr aber auch nicht. Jeder, der im Sport unterwegs ist, weiß, dass Arbeit dahintersteckt und auch das Glück, von großen Verletzungen verschont geblieben zu sein.
Wie ist diese Leistungsexplosion des TVB gegen Flensburg zu erklären?
Es gibt dieses Phänomen im Sport, dass angeschlagene Boxer am gefährlichsten sind. Wir haben nicht so viel auf den Gegner geschaut, sondern auf uns und haben endlich das umgesetzt, was uns Micha (Anm. d. Red.: Trainer Michael Schweikardt) an die Hand gegeben hat.
„Alle auf Toplevel“
Vor allem Sie und Kai Häfner haben mit überragenden Leistungen geglänzt.
Um so ein Spiel hinzulegen wie wir am Sonntag, reicht es nicht, wenn einzelne Spieler glänzen. Da müssen alle auf ein Toplevel kommen. Das ist uns eindrucksvoll gelungen. Aber klar, Kai ist wirklich vorbildlich vorangegangen.
Warum hatte das bisher nicht geklappt?
Uns hat insgesamt der Spielfluss gefehlt. Und Kai kann bei einem neuen Verein nicht von heute auf morgen absolute Spitzenleistungen abrufen und schon gar nicht die Spiele allein entscheiden. Doch er ist mit seiner Qualität und Menschlichkeit wie dafür gemacht, diese Führungsrolle zu übernehmen.
Er sprach davon, dass man nach wie vor voll im Abstiegskampf steckt. Sehen Sie das auch so?
Mir ist die Tabelle derzeit völlig egal. Ich schaue nur auf unser nächstes Spiel am Donnerstag beim HSV Hamburg. Am Montag hatten wir frei und konnten die Gedanken baumeln lassen, ab Dienstag bereiten wir uns vor, um auch in Hamburg etwas Zählbares mitzunehmen.
Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Gab es schon Gespräche? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Nein, es gab noch keine Gespräche. Wir sind doch ein Mannschaftssport, und mein Ego stelle ich da hinten an. Was meine Pläne betrifft, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, zudem habe ich ja auch noch privat andere Themen.
Sie werden erstmals Vater. Gibt Ihnen das einen zusätzlichen Pusch?
(Lacht) Das hoffe ich schwer.
Sind die 712 Bundesliga-Spiele, die ihr Torwartkollege Carsten Lichtlein erreicht hat, vielleicht doch ein Ziel?
Lütti (Anm.: Spitzname von Lichtlein) ist ein würdiger Rekordhalter. Ich möchte einfach nur verletzungsfrei bleiben.
Zur Person
Karriere
Silvio Heinevetter wurde am 21. Oktober 1984 in Bad Langensalza geboren. Nach der Jugend spielte er bis 2005 für den 1. SV Concordia Delitzsch, danach vier Jahre für den SC Magdeburg und von 2009 bis 2020 für die Füchse Berlin, wo er zu einer Identifikationsfigur wurde. Von 2020 bis zum Ende der vergangenen Saison stand er bei der MT Melsungen im Tor, seit 1. Juli 2022 läuft sein Zweijahresvertrag beim TVB Stuttgart. Heinevetter absolvierte 204 Länderspiele für Deutschland, sein größter Erfolg war die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2016. 2007 mit dem SC Magdeburg sowie 2015 und 2018 mit den Füchsen Berlin gewann er den EHF-Pokal. Mit Berlin feierte er auch 2015 und 2016 die Vereinsweltmeisterschaft. Beim Spiel gegen die SG Flensburg-Handewitt am 8. Oktober 2023 absolvierte er sein 600. Bundesliga-Spiel.
Persönliches
Silvio Heinevetter mag Schlager, insbesondere auch von Andrea Berg. Er ist Fußballfan und unterstützt seinen Lieblingsclub Union Berlin. Von 2009 bis 2021 war der Torwart mit der Schauspielerin Simone Thomalla liiert. Aktuell lebt er mit seiner Freundin Antonia in Bad Cannstatt. Das Paar erwartet im Februar 2023 Nachwuchs. (jüf)