Herr Forstbauer, Sie kennen den HSV bestens. Wie schwer wird es am Sonntag?
Es wird nicht einfach, der HSV hat sich zuletzt mit fünf Siegen und einem Unentschieden in einen Flow gespielt und kletterte auf Platz neun. Aber wir konzentrieren uns auf uns und wollen mit einer stabilen, aggressiven Abwehrleistung die Basis für den so wichtigen Sieg legen.
Gerade die Deckung hat zuletzt beim 28:33 in Eisenach überhaupt nicht funktioniert. Warum?
Das ist manchmal schwer zu erklären. Wir hatten uns so viel vorgenommen, wussten auch, was in dieser heißen Atmosphäre auf uns zukommt, aber dann funktioniert jeder Einzelne und damit der Verbund doch nicht. Das ist ärgerlich, weil wir wissen, dass wir es besser können.
Der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz beträgt fünf Spieltage vor Schluss fünf Punkte. Befürchten Sie, dass es noch einmal eng wird?
Wir sind noch nicht durch, und es ist jedem bewusst, dass wir noch Punkte holen müssen. Wir wollen den Abstand nach unten vergrößern, aber unser Ziel und unser Anspruch ist es auch, mit einem guten Gefühl aus der Saison rauszugehen.
Den einzigen Auswärtssieg in dieser Runde gab es beim 36:31 in Hamburg. Wie erklären Sie sich die deprimierende Bilanz von 4:26 Punkten in fremden Hallen?
Das hatte ich so drastisch gar nicht auf dem Schirm. Umso wichtiger, dass wir am Sonntag zu Hause spielen (lacht). Aber nein, ernsthaft, ich habe da keine Erklärung für diese wirklich sehr schlechte Bilanz. Ich weiß nur, dass es auswärts bei uns immer wieder Phasen gibt, in denen uns das Spiel entgleitet.
Sie haben beim HSV von 2016 bis 2022 gespielt, den Durchmarsch von der dritten bis in die erste Liga mitgemacht. Wie sehr überraschen Sie die finanziellen Probleme des Clubs?
Ich habe nur gelesen, dass der Verein bis zum 3. Mai nacharbeiten muss und die Handball-Bundesliga (HBL) fordert, eine Liquiditätslücke zu schließen.
Andernfalls droht der Lizenzentzug. Es wird spekuliert, dass über 1,5 Millionen Euro fehlen, angeblich soll der ehemalige Mäzen Andreas Rudolph kontaktiert worden sein, um zu helfen. Gerüchteweise überlegt der Tabellenvorletzte Bergischer HC wegen Wettbewerbsverzerrung gegen den HSV vorzugehen.
Da wissen Sie mehr als ich. Ich hoffe nur, dass es der Verein hinbekommt, dafür drücke ich ganz fest die Daumen.
Sie persönlich werden den TVB am Saisonende verlassen. Sie werden mit dem Drittligisten HC Oppenweiler/Backnang, dem Club von Trainer Daniel Brack, in Verbindung gebracht. Wie sehen Ihre Pläne aus?
Dazu kann ich noch nichts sagen. Ich plane nach dem Abschluss meines Politwissenschaft-Studiums den Berufseinstieg, den möchte ich mit dem Handballsport sinnvoll verbinden. Aber jetzt möchte ich die letzten Saisonspiele in der besten Liga der Welt erst noch genießen und so erfolgreich wie nur möglich abschneiden.
Restprogramm und zur Person
Bundesliga
TVB – HSV Hamburg (Sonntag, 28. April, 15 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – TVB (Samstag, 4. Mai, 19 Uhr), TVB – HBW Balingen-Weilstetten (Freitag, 17. Mai, 20 Uhr), HC Erlangen – TVB (Mittwoch, 29. Mai, 19 Uhr), TVB – TBV Lemgo Lippe (Sonntag, 2. Juni, 16.30 Uhr).
Jan Forstbauer
Geboren am 17. April 1992 in Stuttgart. Stationen bei den Aktiven: 2010–2012 TV Bittenfeld, 2012–2014 SG Leutershausen, 2014–2015 ThSV Eisenach, 2015–2016 MT Melsungen, 2016–2022 HSV Hamburg, 2022-2024 TVB Stuttgart. Der Rückraumspieler gehörte zum Kader der deutschen Junioren-Nationalmannschaft, für die er in 53 Länderspielen 163 Tore erzielte und mit der er 2011 die Juniorenweltmeisterschaft gewann. (jüf)