Uber in Stuttgart Wie es funktioniert und was Taxifahrer davon halten

Von Felix Ogriseck 

Uber bietet seine Dienste seit einigen Tagen in Stuttgart und der Region an. Wir haben den Service getestet und einen Preisvergleich zum Taxi herangezogen.

Qual der Wahl: Neben den klassischen Taxis sind in Stuttgart  jetzt auch Fahrten mit der Uber-App verfügbar. Wir haben sie getestet. Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski
Qual der Wahl: Neben den klassischen Taxis sind in Stuttgart jetzt auch Fahrten mit der Uber-App verfügbar. Wir haben sie getestet. Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski

Stuttgart - Seit dem 13. November ist Uber in Stuttgart und den angrenzenden Landkreisen verfügbar. Wer sich also von Schorndorf nach Stuttgart kutschieren lassen möchte, kann sich mit der Uber-App einen Fahrer bestellen und einsteigen – zum Festpreis. Nach eigenen Angaben ist Uber in den meisten Fällen billiger als ein Taxi. Grund dafür soll das dynamische Preis- und Auftragsmodell sein. Uber selbst beschäftigt in Stuttgart keine Fahrer, sondern vermittelt die Anfrage des Kunden an ein Mietwagenunternehmen, das den Auftrag ausführt.

Uber und Taxen haben unterschiedliche Zielgruppen

Iordanis Georgiadis, der Vorstand der Stuttgarter Genossenschaft Taxi-Auto-Zentrale, hat grundsätzlich keine Angst vor der neuen Konkurrenz, aber: „Wir haben das in der ersten Woche beobachtet, was Uber auch schon in Berlin und München gemacht hat. Sie scheren sich nicht um ihre Rückkehrpflicht.“ Diese Pflicht ist eines der wichtigsten Merkmale, das Taxis von Mietwagen unterscheidet: Wer Taxi fährt, darf jederzeit Gäste aufnehmen oder die Busspur benutzen. Wer als Mietwagenfahrer unterwegs ist, muss vom Firmensitz zum Kunden fahren, ihn an gewünschter Stelle abliefern und dann zurück zum Firmensitz fahren. Am Bahnhof zu stehen und auf den nächsten Kunden zu warten ist verboten. Bekommt der Mietwagenfahrer während der Rückfahrt zum Firmensitz einen neuen Auftrag zugeteilt, darf er diesen aber annehmen.

Ubers Pressesprecher Tobias Fröhlich hält die Kritik für unzulässig: „Die Mietwa­genunternehmen sind unabhängige Partner, die auch für andere Kunden fahren. Die Kontrolle der Fahrtenbücher ist also eine Sache der zuständigen Behör­den.“ Bediene ein Fahrer also mehrere Vermittlungsplattformen, könne er mehrere Fahrten hintereinander machen, ohne zur Betriebsstätte zurückfahren zu müssen. Uber wolle zudem auch gar keine Konkurrenz zum Taxi sein, so Fröhlich: „Wir haben unterschiedliche Zielgruppen, weil eine von Uber vermittelte Fahrt zum Beispiel nur via App bestellt werden kann. Taxis kann man einfach ranwinken.“

Iordanis Georgiadis hat andere Erfahrungen gemacht: „Wir sehen ja die Auftragslage der Betriebe in unserer Zentrale, und in der Startwoche von Uber lagen die Zahlen 15 Prozent unter dem Durchschnitt.“ Die Genossenschaft könne das zwar einigermaßen verkraften, um einzelne Betriebe mache er sich aber große Sorgen: „Wenn einem Einmannbetrieb ein Drittel der Fahrten wegbricht, weil der Kunde mal Uber ausprobieren möchte, dann kann dieser Betrieb sofort dichtmachen.“

Ubers Streckenberechnung hat noch ihre Tücken

In welcher Stärke Uber mit seinen Partnerbetrieben in Stuttgart und der Region vertreten ist, will Presse­sprecher Tobias Fröhlich nicht verraten. Für Uber sei nicht die absolute Zahl ­entscheidend, sondern „eine der Nachfrage entsprechende Verfügbarkeit von Fahrern“. In einem Beitrag der Nachrichtensendung „SWR Aktuell“ heißt es, dass Uber laut eigener Aussage über 200 Fahrzeuge verfügt. Fröhlich bestreitet, solch eine Aussage getätigt zu haben. Auch mit welchen Mietwagenfirmen Uber zusammenarbeitet, lässt der Pressesprecher offen. Was Uber als Fahrdienstvermittler denn taugt, wollten wir selbst herausfinden, und haben deshalb eine Fahrt von der Stuttgarter Bolzstraße zum Pressehaus in Möhringen gebucht. Diese Fahrt hätte mit dem Taxi etwa 27 Euro gekostet, bei Uber nur 17,67 Euro. Bezahlt wird die Fahrt direkt in der App.

Der nächste Fahrer hätte 15 Minuten in die Bolzstraße gebraucht, hat den Auftrag aber abgebrochen, und in so einem Fall kommuniziert die App direkt mit dem nächsten Fahrer in Reichweite. Er nahm den Auftrag an, meldete sich aber fünf Minuten später telefonisch, dass er entgegen der Streckenberechnung mindestens 30 Minuten zum Abholpunkt brauchen würde. Stornieren sei die bessere Wahl, er würde Uber mitteilen, dass die fünf Euro Stornogebühr zurückerstattet werden sollen. Das ist bisher noch nicht passiert. Uber-Sprecher Fröhlich vermutet, dass der Algorithmus zur Streckenberechnung in Stuttgart noch zu ungenau sei, sich aber im Laufe der Zeit verbessern würde.

Georgiadis und die Genossenschaft wollen erst mal nichts gegen Uber unternehmen: „Wir müssen keine Werbeoffensive starten. Der Kunde soll entscheiden, welcher Anbieter langfristig besser ist. Wir glauben, dass wir das sind.“ Dennoch werde man die Fahrer, die für Uber unterwegs sind, im Auge behalten und Verstöße an die Behörden weiterleiten.

Sonderthemen