Überflutung in Hofen Schaden auf eine Million Euro geschätzt

Von  

Das Schifffahrtsamt hat die Anwohner in Stuttgart-Hofen informiert: Weil die Überschwemmung dort Ende Juni durch einen Defekt verursacht wurde, muss das Amt die Schäden bezahlen.

Land unter: nach der Überflutung hat das Schifffahrtsamt jetzt angekündigt, für die Schäden in Hofen aufzukommen. Foto: 7aktuell.de/Adomat
Land unter: nach der Überflutung hat das Schifffahrtsamt jetzt angekündigt, für die Schäden in Hofen aufzukommen. Foto: 7aktuell.de/Adomat

Stuttgart - Nach all den Mühen des Aufräumens und dem Ärger über die Überschwemmung in der Nacht zum 25. Juni in Hofen haben die Anwohner eine gute Nachricht erhalten: Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat ihnen mitgeteilt, dass es für die entstandenen Schäden aufkommen wird. Eine teuer Rechnung steht der dem Bundesverkehrsministerium unterstellten Behörde damit ins Haus: Die stellvertretende Leiterin Barbara Grüter geht von mindestens einer Million Euro Kosten für die Schäden an Gebäuden, Inventar und Fahrzeugen aus. Die Anwohner schätzen, dass das noch nicht reicht. „Das ist wohl eher das untere Ende“, sagt ein Betroffener. Er berichtet, dass er seit Wochen nichts anderes tut, als aufzuräumen und eine Bestandsaufnahme zu machen.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt sieht einen Defekt an der Steuerung der Schleusentore, der sogenannten Schütze, als Ursache für die Überschwemmung. Der Neckar floss in jener Nacht bei einem Pegelstand von fast drei Metern eine Wassermenge von 300 Kubikmeter pro Sekunde auf die Staustufe Hofen zu. Diese besteht aus zwei Schleusenkammern und den drei Wehrfeldern – erkennbar an den Säulen im Wasser, die sie trennen. Außerdem steht an der Stelle noch ein Wasserkraftwerk der EnBW. Die Wehrfelder sind mit drei Schützen versehen, die wie drei Unterwassergaragentore nebeneinander angeordnet sind. Wenn alle drei offen sind, packt das Wehr eine maximale Wassermenge von 1200 Kubikmetern pro Sekunde, die abfließen können. Ende Juni reichte ein Viertel dieser Menge, damit der Fluss über die Ufer trat und elf Wohnhäuser sowie das Quartier der DLRG unter Wasser zu setzen.

Fernsteuerung war der Auslöser

Das mittlere Wehrfeld war nicht funktionsfähig, da es repariert wird. Die beiden anderen wurden per Fernbedienung geöffnet – das ist die Stelle, an der der Fehler geschah : Den Zugriff über die Fernbedienung wertete das System als Fehler und stoppte das Öffnen. Deswegen sei das Wasser über die Ufer getreten. „Ein Fehler in der Steuerung ist bereits behoben“, sagt Barbara Grüter. Nun müsse das System insgesamt überarbeitet werden, um eine Wiederholung des Fehlers zu vermeiden. „Man kann die Steuerung aber nicht testen. Das geht erst im Ernstfall. Wir können ja nicht einfach die Schütze öffnen und das Wasser ablaufen lassen“, fügt sie hinzu. Deswegen sei die weitere Entwicklung der Steuerung auch sehr kompliziert und noch nicht abgeschlossen.Die Fernbedienzentrale für alle Staustufen von Deizisau bis Hofen hat seit 15 Jahren in Obertürkheim ihren Sitz, solange werden die Schleusenkammern von dort gesteuert. Die Wehre bediene man seit fünf Jahren auch von dort.

Geschädigte setzen eigene Gutachter ein

Einige Anwohner haben sich nach einem Vortrag der Behörde im Bezirksbeirat genau mit dem am letzten Juniwochenende aufgetretenen Problem auseinandergesetzt, das ihnen das Wasser in den Häusern bescherte – von denen die meisten nicht unterkellert sind. „Wir fragen uns, warum man nicht schon viel früher eingegriffen hat? Eine Möglichkeit wäre gewesen, einen Teil des Wasseranstiegs in Obertürkheim und in Cannstatt zurückzuhalten“, sagt ein Betroffener. Da die Wassermenge nicht so groß gewesen sei, wäre es dort zu keiner Überflutung gekommen, vermutet er. „Grundsätzlich sind die einzelnen Staustufen nicht als Rückhaltebecken gedacht“, entgegnet Barbara Grüter darauf. Der Normalfall sei, dass man rasch ansteigende Wassermassen im Neckar bei Starkregenereignissen wie dem Unwetter Ende Juni durch das Öffnen der Wehre reguliere.

Nicht nur der Umgang mit dem Starkregen, auch die Art der Schadensregulierung bereitet den Hofenern weiterhin Sorgen. Gebäudeschäden würden weitgehend ersetzt werden , auch wenn es mit vom Amt bestellten Gutachtern bereits Differenzen gegeben habe. Dazu zählt etwa die Frage, ob eine Tür erst durch das Wasser verzogen wurde, oder ob sie das davor schon gewesen sein könnte. Außerdem hadern viele damit, dass sie bei zerstörten Autos oder Inventar wie Waschmaschinen, Werkzeugen und dergleichen lediglich den Zeitwert ersetzt bekommen werden. Die ersten haben bereits eigene Gutachter eingeschaltet.




Unsere Empfehlung für Sie