Übernahme des Küchenausstatters WMF schlüpft unters Dach der SEB-Gruppe

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Der Hersteller von Küchen- und Haushaltsgeräten aus Geislingen bekommt einen neuen Eigentümer. Beide Unternehmen verbindet mehr als ihre ähnlich weit in die Vergangenheit zurückreichenden Wurzeln.

Besteck der Marke „WMF“ wird künftig unter dem Dach der französischen SEB-Gruppe verkauft. Foto: dpa
Besteck der Marke „WMF“ wird künftig unter dem Dach der französischen SEB-Gruppe verkauft. Foto: dpa

Stuttgart - Metallwarenfabrik mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1857 zurückreichen übernimmt Metallwarenfabrik, deren Wurzeln bis ins Jahr 1853 zurückreichen. Auf diese historische Formel könnte man die am späten Montagabend bekanntgegebene Übernahme der WMF-Gruppe durch den französischen Haushaltsgeräteriesen SEB bringen. Denn auch im vollständigen Namen der französischen Unternehmensgruppe – Societe d’Emboutissage de Bourgogne – stecke das deutsche Wort „Metallwarenfabrik“, erklärte Thierry de La Tour d’Artaise, SEB-Vorstandschef und Gesellschafter, am Dienstag bei einer Telefonkonferenz.

Der französische Großkonzern aus der Nähe von Lyon, zu dessen Markenpalette auch in Deutschland bestens bekannte Labels wie Rowenta, oder Moulinex zählen, bekommt eine neue Tochter, die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF). Das Geschäft soll in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen werden, nachdem die Wettbewerbsbehörden zugestimmt haben.

Rund 500 Kilometer nordöstlich von Lyon, am WMF-Stammsitz in Geislingen an der Steige, löste die Nachricht zur Übernahme am Dienstag große Erleichterung aus: „Wahrscheinlich wäre ein anderer Finanzinvestor schlechter für uns gewesen“, sagte Betriebsratschef Frank Schnötzinger im Gespräch mit dieser Zeitung. Schon Ende 2015 kamen erste Spekulationen über einen möglichen Verkauf des Konzerns auf. Dabei fielen sowohl die Namen von mehreren internationalen WMF-Konkurrenten als auch die von Finanzinvestoren.

KKR ist im September 2012 eingestiegen

Der US-Finanzinvestor KKR, der im September 2012 als Mehrheitseigentümer bei dem schwäbischen Konzern eingestiegen war, seit 2014 dessen Alleineigentümer ist und die damalige WMF AG im Frühjahr 2015 nach 128 Jahren von der Börse nahm, steigt nun nach gerade einmal vier Jahren wieder aus dem Unternehmen aus.

Dass mit der SEB ein Schwergewicht der Branche in Europa das Rennen gemacht hat, begrüßte der Arbeitnehmervertreter Schnötzinger ausdrücklich, formulierte aber zugleich auch die Erwartung an eine Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter sowie an den Erhalt der Tarifbindung: „Die Belegschaft hat in den letzten Jahren gezeigt, was sie kann und damit maßgeblich zum Wachstum des Konzerns beigetragen.“ Er gehe davon aus, dass dieser Weg unter dem neuen Eigentümer „mit der bestehenden Personalmannschaft“ weitergeführt werde, sagte Schnötzinger und hob die Gemeinsamkeiten beider Unternehmen wie deren ähnlicher Sortiments- und Firmenstruktur sowie eine vergleichbare Unternehmenskultur hervor.

Ganz ähnliche Worte benutze auch SEB-Chef de La Tour d’Artaise am Dienstag. Mit den beiden „Metallwarenfabriken“ kämen zwei Marktführer auf ihrem Gebiet zusammen. Besonders dürften die Franzosen auf die führende Position schielen, die WMF auf dem globalen Markt mit professionellen Kaffeemaschinen hat, eines „sehr attraktiven“ Marktes mit „starkem Wachstum und hoher Rentabilität“, so de La Tour d’Artaise: Mit einem Marktanteil von 28 Prozent seien die Deutschen hier „unbestrittener Weltmarktführer“. Hinzu komme noch die deutsche Marktführerschaft beim Geschäft mit Küchen- und Haushaltsartikeln für Privatverbraucher.

SEB lässt Produkte vor allem im Ausland fertigen

Unterschiede zwischen beiden Konzernen gibt es sowohl bei der Produktion als auch im Vertrieb: Während die Franzosen den Großteil ihrer Waren in Ländern wie China, Brasilien und den USA fertigen lassen und auch den überwiegenden Teil ihres Umsatzes im Ausland erzielen, sind sowohl die Fertigung als auch der Absatz der Waren bei WMF stärker auf Deutschland sowie die Nachbarn Österreich und Schweiz konzentriert. Kaffeemaschinen für die gewerbliche Nutzung werden beispielsweise nur in Geislingen und bei der WMF-Tochter Schaerer in der Schweiz hergestellt.

Auf die Frage, ob kleinere Marken der Gruppe wie Silit oder Kaiser mittelfristig weiterveräußert werden könnten, entgegnete de La Tour d’Artaise entschieden: „Nein. Wir haben sehr viele Unternehmen übernommen, aber noch nie Teile davon weiterverkauft.“ Auch Pläne für einen größeren Stellenabbau gebe es nicht: „Es gibt heute keine größeren Doppelungen“, so der SEB-Chef. Eine klare Zusage, alle Unternehmensteile und die Jobs in Deutschland beizubehalten, gab er allerdings nicht.

Bei der Frage, ob die aktuelle Führung von WMF nach der Übernahme im Amt bleibe, äußerte er sich vorsichtiger: „Wir würden uns freuen, wenn Peter Feld (Vorstandschef, a. d. Red.) an Bord bleibt.“ Das sei bei vergangenen Übernahmen häufig, aber nicht immer der Fall gewesen. Feld ist seit 2013 in Geislingen. Unter seiner operativen Verantwortung hat sich die Gruppe, die ihre Umsätze im Geschäftsjahr 2015 um vier Prozent auf 1,1 Milliarden Euro steigerte und einen operativer Gewinn von 118 Millionen Euro einfuhr, stärker international ausgerichtet. Im Zuge eines Umbau- und Sparprogramms waren dabei auch rund 450 Arbeitsplätze weggefallen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 5700 Mitarbeiter, 3800 davon in Deutschland.