Uhlandschule in Stuttgart-Rot Eine Pionierleistung, die Schule machen soll

Von Bernd Zeyer 

Vier Jahre lang wurde die Uhlandschule in Stuttgart-Rot für insgesamt 20 Millionen Euro saniert und umgebaut. OB Fritz Kuhn hat das Hauptgebäude nun offiziell übergeben. Als Plusenergieschule produziert die Lehranstalt künftig mehr Energie, als sie verbraucht.

Hinter der  erneuerten Fassade des Hauptgebäudes verbirgt sich modernste Technik. Foto: Bernd Zeyer
Hinter der erneuerten Fassade des Hauptgebäudes verbirgt sich modernste Technik. Foto: Bernd Zeyer

Rot - Vier Jahre lang haben sich Bauarbeiter an der Uhlandschule die Klinke in die Hand gegeben, am Freitag war es nun endlich so weit: Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat das für 20 Millionen Euro sanierte Hauptgebäude offiziell an die Rektorin Beate Anderka übergeben. Im Rahmen der Sanierung wurde die Schule auch zu einer so genannten Plusenergieschule umgebaut. Das bedeutet, dass sie mehr Energie liefert als verbraucht. „Das ist für Stuttgart eine Pionierleistung“, sagte Kuhn. Und nicht nur das: Sogar europaweit nimmt die Grund- und Werkrealschule an der Tapachstraße damit eine Spitzenposition ein.

Über das neue Hauptgebäude ist auch Beate Anderka froh. Die Rektorin freut sich, dass nach einer „Phase der Unannehmlichkeiten“ endlich wieder der geregelte Unterrichtsalltag eingekehrt ist. „Das Gebäude ist technisch und ästhetisch ein Genuss“, sagte sie. Zwar sei man während der Arbeiten mal ohne Wasser, mal ohne Strom gewesen, doch all das habe sich letztendlich gelohnt.

Die ursprünglich angedachten Kosten wurden deutlich überschritten

Ursprünglich war von 15 Millionen, später dann von 17 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede. Tatsächlich mussten nun aber 20 Millionen Euro (davon zwei Millionen für das Konzept Plusenergieschule) in das ambitionierte Projekt gesteckt werden. Davon stammen 4,4 Millionen Euro vom Bund, knapp eine Million Euro vom Land und weitere 270 000 Euro von der Saint Gobain Firmengruppe die, ebenso wie die Firma Bosch, auch Materialspenden geleistet hat. Beide Unternehmen sind an dem Projekt beteiligt. „Wir müssen die Energiewende gemeinsam schaffen, es geht nicht um kurzfristige Rentabilität“, sagte Robert Schild, Marketing-Manager von Saint Gobain. Henrik Siegle von der Robert Bosch GmbH betonte, dass das Konzept auch vorsehe, die Schüler für den Umgang mit den Ressourcen zu sensibilisieren: „Sie können die Technik sehen, fühlen und verstehen.“

Technisch gesehen spielt die Uhlandschule künftig in der Champions League. Lokale und erneuerbare Energiequellen decken den gesamten Energiebedarf. Durch die vollständige Dämmung von Gebäudehülle, Fußboden und Dach sowie eine Dreischeibenverglasung der Fenster wird der Wärmeverlust um 80 Prozent gesenkt. Neu ist auch das hybride Belüftungssystem. Sensoren messen die CO2-Konzentration im Raum, erst wenn der Wert zu hoch ist, wird die Luft ausgetauscht. Den größten Teil des Jahres belüften die Fenster sowie Flügel in der Außenhülle des Gebäudes die Zimmer. Vor dem Umbau verursachte die Schule rund 70 000 Euro Energiekosten pro Jahr. Diese Kosten entfallen nun, besser noch, es sollen 11 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr ins öffentliche Netz eingespeist werden – so viel, wie 50 Vierpersonenhaushalte jährlich verbrauchen.

„Hier haben wir gezeigt: Stuttgart kann Innovation“, sagte der Oberbürgermeister am Freitag. Vor allem der Umbau im Bestand und im laufenden Betrieb sei nicht gerade einfach gewesen, habe aber gezeigt, was möglich sei. Er und die ganze Stadt seien stolz auf das Projekt. Die Uhlandschule sei eine Verpflichtung für die Zukunft, ähnliche Vorhaben anzupacken.

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