Umbau am Korntaler Bahnhof Mehr Komfort für die Nutzer der Strohgäubahn

Von Stefanie Köhler 

Fahrgäste monieren den großen Höhenunterschied zwischen dem Ein- und Ausstieg der Strohgäubahn und der Bahnsteigkante am Korntaler Bahnhof. Damit ist bald Schluss, denn es wird eine neue Plattform gebaut.

Siegfried Haag hat es gemessen: Der Höhenunterschied zwischen Strohgäubahn und Plattform beträgt rund 30 Zentimeter. Foto: factum/Simon Granville
Siegfried Haag hat es gemessen: Der Höhenunterschied zwischen Strohgäubahn und Plattform beträgt rund 30 Zentimeter. Foto: factum/Simon Granville

Korntal-Münchingen - Siegfried Haag ärgert sich. Immer dann, wenn er am Bahnhof Korntal aus der Strohgäubahn steigt – oder dort einsteigt, um wieder nach Hause in den Ortsteil Münchingen zu fahren. Der Grund für die Verärgerung des 79-Jährigen ist der Höhenunterschied zwischen dem Ein- und Ausstieg der Strohgäubahn und dem Bahnsteig. „Ich habe nachgemessen, es sind rund 30 Zentimeter“, sagt Siegfried Haag. Die Strohgäubahn hat 55 Zentimeter hohe Einstiege, die S-Bahn dagegen hat 96 Zentimeter – und die Höhe der Plattform orientiert sich an der S-Bahn.

In der Praxis bedeutet das: Fahrgäste müssen einen großen Schritt machen. Was aber zum Problem werden kann: „Ältere und mobil eingeschränkte Fahrgäste benötigen hilfsbereite Menschen, die ihnen den Ein- oder Ausstieg ermöglichen“, stellt Haag fest, der die öffentlichen Verkehrsmittel regelmäßig nutzt. Auch Eltern mit Kinderwagen seien immer wieder auf Unterstützung angewiesen, vor allem, wenn sie mehr als ein Kind dabei hätten. Das Problem habe sich Ende 2012 mit den neuen, niedrigeren Fahrzeugen verschärft. Seitdem höre er Fahrgäste häufig murren.

Barrierefreiheit im Jahr 2020?

Der Münchinger und seine Frau sind zwar noch fit. Doch auch sie waren schon mal zeitweise schlecht zu Fuß. Haag berichtet: „Vor einem Jahr hatte ich Krücken, meine Frau bekam danach welche.“ Sie habe in der Zeit den Fahrer um Hilfe gebeten. Dies habe reibungslos geklappt, doch nach Ansicht des Seniors könnten die Fahrgäste doch mit Schildern darauf hingewiesen werden. Dass sich die Situation bald verbessert, darüber ist der 79-Jährige erleichtert.

Geht es nach dem Zweckverband Strohgäubahn, ist der Zugang zum Bähnle in Korntal 2020 barrierefrei: Am Bahnhof entsteht gegenüber dem jetzigen Bahnsteig – entlang der Parkplätze – ein neuer. Errichtet und betrieben wird er vom Zweckverband, der die Fläche kauft und rund drei Millionen Euro investiert.

Einsteig und Bahnsteig auf gleicher Höhe – fast

„Das Modernisierungskonzept legt für alle Bahnsteige der Strohgäubahn den Ausbau auf eine einheitliche Einstiegshöhe von 55 Zentimeter über der Schienenoberkante fest“, sagt der Fachbereichsleiter für Verkehr im Landratsamt Ludwigsburg, Axel Meier. Laut Meier ist nach dem Umbau „die Kompatibilität der Bahnsteige mit den neuen Fahrzeugen gewährleistet“. Sprich: Bahnsteigkante und Ein-/Ausstieg sind dann fast auf gleicher Höhe. Lediglich eine „maximale Differenz“ von fünf Zentimetern bleibe. „Die Differenz ist innerhalb der Barrierefreiheit toleriert und stellt auch kein Hindernis dar“, meint Axel Meier.

Außer dem Bahnhof Korntal muss auch noch der in Ditzingen-Heimerdingen umgebaut werden. Der Münchinger Bahnhof war schon im Sommer 2014 dran. Insgesamt kostet die Modernisierung der Strecke der Strohgäubahn inklusive der Umbaumaßnahmen an den Bahnhöfen und der Leit- und Sicherungstechnik rund 28 Millionen Euro. „Die Bahnhöfe verfügen danach über alle Ausstattungen, die für die Barrierefreiheit nötig sind“, sagt Meier. Dazu zählten Rampen und spezielle Markierungen am Boden für Blinde. Die Fahrzeuge seien bereits barrierefrei ausgestattet.

Während Bauarbeiten soll Bahnverkehr weitgehend erhalten bleiben

Während der Bauzeit im nächsten Jahr müssen wohl keine oder nur vereinzelte Strecken gesperrt werden. „Wir nutzen die anderen Bahnsteige, sodass der Umbau überwiegend „unter rollendem Rad“ stattfinden kann“, sagt Axel Meier.

Der Experte vom Landratsamt betont, dass das Personal der Strohgäubahn angewiesen sei, Fahrgästen beim Ein- und Ausstieg zu helfen. „Alle Fahrzeuge haben eine mobile Rampe, die von einem Beschäftigten manuell zu bedienen ist“, sagt Axel Meier. Bei Bedarf solle man in den ersten Triebwagen der Bahn einsteigen, damit man jederzeit Hilfe vom Fahrzeugführer anfordern könne.

Vorfreude in Korntal-Münchingen

Korntal-Münchingen, Mitglied im Zweckverband Strohgäubahn, hofft, dass der Umbau tatsächlich 2020 beendet ist. Dies hänge unter anderem von der Dauer des Genehmigungsverfahrens ab, mit dessen Abschluss dieses Jahr gerechnet wird, sowie dem Ergebnis der Ausschreibungen für das Bauvorhaben. „Unsere Vorfreude ist groß, endlich wird das Problem behoben“, sagt der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos). Das Thema komme immer wieder hoch – deshalb habe es hohe Priorität.