Umstrittene AfD-Meldeplattform Das sagen Lehrer und Eltern in Stuttgart

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Das vom AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple initiierte Meldeportal für Schüler gegen AfD-kritische Lehrer ist zwar derzeit offline, es wird aber trotzdem weiter darüber diskutiert. Lehrer und Eltern in Stuttgart haben eine klare Meinung dazu.

Offline: Der vom AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple initiierte Lehrer-Meldeplattform sorgt weiter für Schlagzeilen und Diskussionsstoff – auch in Stuttgart Foto: dpa
Offline: Der vom AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple initiierte Lehrer-Meldeplattform sorgt weiter für Schlagzeilen und Diskussionsstoff – auch in Stuttgart Foto: dpa

Stuttgart - Nach einem angeblichen Hackerangriff ist die vom AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple ins Netz gestellte Lehrer-Meldeplattform zurzeit nicht mehr zu erreichen. Dort sollen die Schüler Lehrer melden können, die sich negativ über die AfD äußern. Schließlich seien die Lehrer zur Neutralität verpflichtet. Auch in Stuttgart wird das Thema heiß diskutiert, auch wenn die Seite derzeit offline ist.

Die Stuttgarter GEB-Vorsitzende Kathrin Grix erklärt beispielsweise: „Solche Plattformen schüren das Misstrauen zwischen Eltern und Lehrern und Schülern und Lehrern. Es gibt einen offiziellen Dienstweg, den man beschreiten kann, wenn Schüler oder Eltern mit Unterrichtsinhalten nicht zufrieden sind – da braucht es keinen Internetpranger.“ Der Leiter des Stuttgarter Schickhardt-Gymnasiums, Edwin Bartels sieht es ganz ähnlich: „Eine Schule, die ein menschliches Miteinander hat, hat so eine Plattform nicht nötig.“

Schulleiterin: Plattform ruft zum Rechtsbruch auf

Die Leiterin des Cannstatter Gottlieb-Daimler-Gymnasiums, Verena König verweist noch auf einen anderen wichtigen Umstand: „Wir müssen die Schüler davor schützen, dass eine Partei sie dazu aufruft, Rechtsbruch zu begehen.“ Denn genau dies sei der Fall, wenn Schüler Videos oder Mitschnitte vom Unterricht als „Beweis“ in die Internetplattform hochladen würden, wozu sie in dem Internetformular aufgefordert werden. „Dann gibt’s sofort eine Androhung von Schulausschluss und zeitweiligem Unterrichtsausschluss nach Paragraf 90.“ Denn das Handy oder ähnliche Geräte müssten im Schulhaus gemäß der Schulordnung ausgeschaltet sein.

Eine klare Meinung hat auch eine Gymnasiastin aus der Region, welche die elfte Klasse besucht: „Ich werde die Plattform nicht benutzen, ich glaub auch nicht, dass das bei uns einer macht.“

Am Freitag war dies auch gar nicht mehr möglich, da Hacker die Plattform lahmgelegt hatten. Offenbar hatten nach Aussagen der Piratenpartei noch am Donnerstagabend Zehntausende das Angebot der Piraten genutzt und Hetz-Meldungen bei der AfD Baden-Württemberg eingereicht. Das Portal ist inzwischen offline.

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