ARD zeigt Arte-Projekt Die Antisemitismus-Doku und der Talk bei Maischberger

Sind Anti-Israel-Demos Ventile des Antisemitismus? Die jetzt doch noch gezeigte, umstrittene TV-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt“ kennt da keinen Zweifel. Foto: WDR
Sind Anti-Israel-Demos Ventile des Antisemitismus? Die jetzt doch noch gezeigte, umstrittene TV-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt“ kennt da keinen Zweifel. Foto: WDR

Unter öffentlichem Druck hat die ARD die umstrittene Antisemitismus-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ doch noch ausgestrahlt – nebst anschließender Maischberger-Diskussion.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Die Antisemitismus-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ wäre wohl ungesehen im Archiv verschwunden, wäre es nach WDR und Arte gegangen. Nur öffentlicher Druck und das illegale Streaming des Films durch die „Bild“-Zeitung brachten die Sender in die Not, die Arbeit der Autoren Sophie Hafner und Joachim Schröder doch noch auszustrahlen. Die beiden zeigen oft polemisch Querverbindungen zwischen linker und rechter Israelkritik, klassischem Antisemitismus, Kirchentagsmahnungen und Hamas-Terror auf. Flankiert wurde der Film von einer von Sandra Maischberger geleiteten Diskussion am Mittwochabend in der ARD.

Im Talk ließ die Journalistin und frühere Nahost-Korrespondentin Gemma Pörzgen keinen Zweifel daran, wie schlecht sie „Auserwählt und ausgegrenzt“ findet. Da seien Filmemacher losgefahren, so Pörzgen, die schon genau gewusst hätten, mit wem sie sprechen und was sie hören wollten. Guter Journalismus aber trete ergebnisoffen an seine Gegenstände heran.

Eine Frage der Methode

Pörzgen schätzt die Drehmethode der Filmemacher richtig ein. Aber sie tut „Auserwählt und ausgegrenzt“ mit ihrer verkürzten Darstellung trotzdem Unrecht. Diese Dokumentation ist ein Thesen- und Schlussfolgerungsfilm, bei dem die Recherche vorab stattfindet. Der Dreh ist dann das gut geplante Einsammeln jener Illustrationen, die man braucht zur TV-tauglichen Aufbereitung der eigenen Erkenntnisse und Meinungen. Man muss das nicht mögen, aber es ist keine Besonderheit des Films „Auserwählt und ausgegrenzt“.

Der montiert manchmal brillant nach vorne, was sonst in den Hintergrund geschoben wird: die latente Gewaltbereitschaft und Hetze muslimischer Migranten gegen Juden etwa. Manchmal schießt der Film aber weit übers Ziel hinaus, wischt komplexe Fragen mit miesen Mitteln weg. Den Vorwurf einer deutschen Linken etwa, Israel vergifte mindestens fahrlässig das Mittelmeer mit Abwässern, kann man nicht mit einem netten Bildchen von einem zum Bad einladenden Meer kontern.




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