Kohlenmonoxid-Vergiftung in Esslingen Neue Details zum Tod einer jungen Familie

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Anfang Februar hat eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zum Tod einer vierköpfigen Familie in Esslingen geführt. Nun werden weitere Details zum Unglück bekannt.

Die Ärzte am Unfallort konnten nur noch den Tod der  vier Menschen feststellen. Foto: SDMG
Die Ärzte am Unfallort konnten nur noch den Tod der vier Menschen feststellen. Foto: SDMG

Esslingen - Zum Tod einer vierköpfigen Familie am Anfang Februar in Esslingen/Mettingen gibt es jetzt neue Informationen. Wie aus Fachkreisen zu erfahren war, sei das Abgasrohr der Heizung die Ursache des Unglücks gewesen. Das Abgasrohr sei relativ lange waagrecht verlaufen, berichtet ein Fachmann. Weil zu wenige Halterungen am Abgasrohr angebracht gewesen seien, habe sich das Rohr nach unten gebogen und sei damit aus seinen Anschlussstellen gerutscht. Die Heizung habe das dort ausgetretene Kohlenmonoxid immer wieder neu angesaugt und ausgespien, bis es zur tödlichen Konzentration gekommen sei. Die Frage sei allerdings offen, ob die Anzahl der Halterungen vorschriftsmäßig oder unvorschriftsmäßig gewesen sei.

Anfang Mai soll das Gutachten kommen

In Stuttgart wartet die Staatsanwaltschaft das technische Gutachten zu dem Unglücksfall ab. Jan Holzner, der dortige Pressesprecher, rechnet für Anfang Mai damit. Erst dann wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob ein Strafverfahren eröffnet werden kann, und vor allem, gegen wen es eröffnet wird.

Die Familie – die 29 Jahre alten Eheleute und ihre beiden vier und drei Jahre alten Kinder – waren am Montag, 5. Februar, gegen 12 Uhr tot in einem Reiheneckhaus in der Obertürkheimer Straße gefunden worden. Laut einem nahen Verwandten war es die Mutter des Ehemannes, die ihren Sohn und ihren Enkel durch eine Scheibe direkt vor der Haustür habe liegen sehen. Er vermutet, dass der Vater „vielleicht noch versucht hat, mit seinem Sohn aus dem Haus rauszukommen“.

Der Angehörige geht zudem davon aus, dass die Eltern und ihre Kinder bereits am Sonntagabend gestorben sind. Nachbarn hätten beobachtet, dass sie gegen 21 Uhr nach Hause gekommen seien. Später habe die Mutter des Ehemannes vergeblich versucht, die Familie anzurufen. Auch ein erneuter Versuch am Montagvormittag sei erfolglos gewesen, weshalb sich die Frau Sorgen gemacht habe. Zumal ihr Sohn den Schichtdienst im nahen Daimler-Werk hätte antreten sollen. Daraufhin sei sie nach Mettingen gefahren und habe mehrfach geklingelt und geklopft. Durch das Fenster habe sie dann ihren Sohn und den vierjährigen Enkel unmittelbar hinter der Haustüre liegen sehen und um Hilfe gerufen.

Keine Hinweise auf ein Verbrechen oder Selbsttötung

Ein Passant sei noch herbeigeeilt und habe eine Scheibe eingeschlagen, ehe die Rettungskräfte eingetroffen seien. Die Mutter und die dreijährige Tochter seien später im ersten Stockwerk des Hauses gefunden worden, sagt der Angehörige. Auch für sie kam jede Hilfe zu spät. Einen Tag später wurden die Toten obduziert. Das hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart angeordnet, um die Todesursache zweifelsfrei zu klären. Dort ergaben sich keine Hinweise auf ein Verbrechen oder eine Selbsttötung. Seit etwa drei Jahren habe die Familie in dem Haus gelebt.

Nun konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Heizung. Vergiftungen durch Feuerstätten seien relativ selten, dennoch sei jeder Tote einer zuviel, sagt die Schornsteinfeger-Innung. Darüber hinaus sollte jedermann klar sein, dass die Prüfungen der Schornsteinfeger nur eine Momentaufnahme darstellten. Das Wohnumfeld unterliege zum Beispiel durch den Einbau einer neuen Küche mit Dunstabzugshaube oder dichterer Fenster einer stetigen Veränderung. Würden diese Veränderungen nicht mitgeteilt, könne der Schornsteinfeger dies erst im Zuge seiner nächsten Überprüfung feststellen und es bleibe zu hoffen, dass in der Zwischenzeit nichts passiere.

Ein CO-Melder hätte das Unglück möglicherweise verhindert. Die Anschaffung von etwa 20 Euro pro Stück lohnt sich, zumal er auch bei einem Brand anschlagen würde, denn auch da entsteht Kohlenmonoxid.