UNO-Simulation Bald ist sie „Ehrenwerte Delegierte von Katar“

Von Jens Noll 

Die Filderstädterin Tiffany Wendler ist eine von 5000 Studenten, die im April bei der weltweit größten UNO-Simulation den Alltag eines Diplomaten kennenlernen.

Diplomatisches Geschick und verhandlungssicheres Englisch – das braucht Tiffany Wendler bei der Simulation im April. Foto: Jens Noll
Diplomatisches Geschick und verhandlungssicheres Englisch – das braucht Tiffany Wendler bei der Simulation im April. Foto: Jens Noll

Bernhausen - Die junge Frau ist viel unterwegs: Soeben erst ist sie aus Peking zurückgekommen, zwischendurch hätte sie eigentlich in Berlin sein müssen und bald fliegt sie nach New York. Dann wird Tiffany Wendler zur Diplomatin. „Sobald ich in New York ankomme, bin ich nicht mehr Tiffany, sondern ehrenwerte Delegierte von Katar“, erklärt sie.

Der schwülstig klingende Titel ist gebräuchlich bei den Vereinten Nationen. „In die Sprache der Diplomaten muss man sich einlesen“, erzählt Wendler. Die 22-jährige Filderstädterin studiert eigentlich Internationale Wirtschaft an der European School of Business, eine Fakultät der Hochschule Reutlingen. In die Diplomatenrolle schlüpft sie bei einer Simulation, der National Model United Nations (NMUN). Bei dem weltweit größten Planspiel dieser Art nehmen mehr als 5000 Studenten aus aller Welt teil.

Gemeinsam mit 21 Kommilitonen wird Wendler bei der NMUN in New York City das UNO-Mitglied Katar repräsentieren und dabei die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen des arabischen Landes vertreten. Zum vierten Mal in Folge entsendet die Hochschule Reutlingen eine Studentendelegation zur jährlich stattfindenden Simulation. Die Teilnehmer können dort den Alltag eines Diplomaten kennenlernen, ganz nach dem Vorbild der UNO über aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen debattieren und schließlich im Bündnis mit anderen Staaten Resolutionen erarbeiten.

„Ich sitze im Komitee der islamischen Konferenz“

Die Verhandlungen sollen bei der Simulation so realistisch wie möglich ablaufen. Deshalb haben sich Wendler und ihre Gruppe umfassend über das Land informiert, das sie vertreten. „Für Katar sitze ich im Komitee der islamischen Konferenz“, berichtet die Studentin. „Da hat Katar eine wichtige Stellung“, erklärt sie. Drei Themen werden in dem Komitee behandelt: Religiöse Toleranz, der Konflikt zwischen Palästina und Israel sowie Lösungsansätze für Länder, die sich, wie derzeit Syrien, im Umbruch befinden. Dafür ist Wissen über aktuelle Entwicklungen und die Positionen der Länder wichtig. „Katar hat gefordert, dass die arabische Liga eine eigene Friedenstruppe gründet, um gegen die syrische Armee vorzugehen“, hat Wendler recherchiert.

Am ersten Tag von NMUN wird im Komitee versucht, eine Reihenfolge der Themen festzulegen. Es gilt, Verbündete zu suchen und andere Vertreter von den eigenen Standpunkten zu überzeugen. In Reden müssen die Teilnehmer die Ansichten ihres Landes darstellen. Unmittelbare Rückfragen sind nicht erlaubt, diskutiert wird erst am zweiten Tag. Wie beim echten Vorbild ist alles streng geregelt. Nach mehreren Verhandlungstagen wird dann schließlich über Resolutionen abgestimmt.

Das Schreiben einer Resolution üben die Studenten schon vorher. „Die Sätze dürfen nur eine ganz bestimmte Länge haben“, erläutert Wendler. Einmal die Woche trifft sich die Studentin zum Debattieren mit ihren Kommilitonen. Das Verfolgen des täglichen Politikgeschehens gehört ebenfalls zur Vorbereitung. Um auf ihre Teilnahme bei NMUN hinzuweisen und Sponsoren zu finden, hat die Gruppe an ihrer Schule bereits diverse Aktionen durchgeführt und einen Internet-Blog erstellt. Alle Aktivitäten laufen während ihres normalen Studiums ab.

Bereits zum zweiten Mal Teilnehmerin

Tiffany Wendler ist bereits zum zweiten Mal bei der Simulation dabei. Im Vorjahr war sie Diplomatin aus Kamerun. Wenn man sie fragt, was ihr die Teilnahme persönlich bringt, dann muss sie nicht lange überlegen. „Es ist sehr spannend, man lernt viel, vor allem rhetorisch“, sagt sie und ergänzt: „Man überwindet sich, vor vielen Leuten zu sprechen und lernt, auf Englisch zu debattieren.“ Da Wendler bereits NMUN-Erfahrung hat, konnte sie in diesem Jahr auf die Vorbereitungswoche in Berlin verzichten. Da war sie gerade für ein Praktikum bei Daimler in China.

Die Filderstädterin schätzt an der Simulation, dass man vorher nie weiß, was dabei herauskommt. Ob es gelingt, Resolutionen zu verabschieden, wird sich zeigen. Im Vorjahr gelang es den Studenten in der Generalversammlung nicht. Werden Resolutionen verabschiedet, dann werden diese an die UNO weitergegeben, berichtet sie.

Da die Sitzungen den ganzen Tag dauern, bleibt den Reutlinger Studenten in der Woche der NMUN nicht viel Zeit, um New York anzuschauen. Deswegen hängen sie an ihren Aufenthalt noch eine Woche dran. Für Wendler steht wohl schon fest, dass sie zum Studienabschluss für eine längere Zeit in die USA reisen wird. Asienerfahrung, sagt die 22-Jährige, habe sie ja bereits. Katar kennt sie allerdings noch nicht. Aber das kann ja auch noch kommen.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie