Urlaubsarchitektur und Designhotels 9 der schönsten Ferienunterkünfte berühmter Architekten

, aktualisiert am 09.02.2024 - 14:32 Uhr
Hans Scharoun entwarf die Villa mit maritimen Elementen für einen Nudelfabrikanten, daher der Spitzname „Nudeldampfer“. Das Haus ist zu mieten – außerhalb der Museumszeiten. Foto: ©Stiftung Haus Schminke /Marcel Schroeder

Besondere Urlaubsarchitektur: Wie wohnt es sich im Haus eines berühmten Architekten? Wir zeigen von Baumeistern gestaltete Ferienhäuser und Hotels von Deutschland bis nach Spanien und geben Tipps für coole Ferien.

Winterzeit ist Buchungszeit, schließlich will der kommende Urlaub gut geplant sein. Das gilt auch und vor allem für jene Reisende, denen der architektonische Reiz einer Stadt oder Gegend nicht unwichtig ist. Architekturbegeisterte gehören traditionell zu den leidenschaftlichsten, aber auch leidensfähigsten Urlaubern überhaupt, schließlich sind sie nur schwer zufrieden zu stellen. Es ist nun mal wie beim Essen oder Wein: Je intensiver man sich mit der Herstellung, Zubereitung und dem Geschmack eines Produkts beschäftigt, desto kritischer und feinsinniger wird man.

 

Urlaubsarchitektur, die zum Bleiben animiert

Und so grämen sich viele Architekturfans bei ihrem inspirierenden Städtetrip in Wien oder Barcelona, dass sie bei der Planung der Reise die eigene Unterkunft nicht sorgfältig genug ausgesucht haben. Wer will schon nach einer Besichtigung des Stephansdoms oder der Sagrada Família sich abends im Bett einer unwirtlichen Pension wiederfinden, in einem überteuerten Zimmer mit abgehängter Decke, ockerbraune Badfliesen aus den 70ern und einem welligen Linoleumboden zum Selberkleben aus dem Baumarkt?

Um das Risiko zu minimieren, haben wir im Folgenden einige Tipps für nicht ganz so ferne Unterkünfte zusammengetragen, die ebenfalls von sehr bekannten oder zumindest renommierten Architekten entworfen wurden – Urlaubsarchitektur in Deutschland, Österreich, Italien sowie in Frankreich, Spanien und in der Schweiz. Das einzige Problem: Manche sind so gelungen, dass man am liebsten den ganzen Ferientag im Hotel verbringen möchte und vom eigentlichen Reiseziel nichts mehr mitbekommt.

Das Haus Schminke von Hans Scharoun in Deutschland

Der Architekt Hans Scharoun (1893-1972) hat nicht nur für die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ein bedeutendes Wohnhaus entworfen, sondern auch eine Villa für eine Nudelfabrikantenfamilie Schminke in Löbau in der sächsischen Lausitz. Das 1933 entstandene Gebäude gilt als eines der wichtigsten Wohnhäuser der klassischen Moderne. Runde Formen, maritime Elemente aus der Schiffsarchitektur, kühn schwebende Terrassen – daher auch der Spitzname „Nudeldampfer“. Die Familie Schminke lebte dort bis 1945, danach wurde es zur DDR-Zeit unterschiedlich genutzt, in den 1960ern als Kreispionierhaus.

Wohnen im Museum: Blick ins Haus Schminke von Hans Scharoun. Foto: Stiftung Haus Schminke/Marcel Schroeder

Seit 1978 steht das Haus unter Denkmalschutz, seit 2009 ist das Haus im Eigentum der Stiftung Haus Schminke und zwar kein Hotel oder Ferienhaus, aber ein bewohnbares Museum, um die Lichtstimmungen und das Haus insgesamt zu erleben. Außerhalb der Besuchszeiten ist Haus Schminke zu mieten – Architekturfans kommen mit gleichgesinnten Freunden oder Familienmitgliedern.

Im Haus Schminke können sieben Personen übernachten, das Haus verfügt über drei Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Doch „mit entsprechender Aufbettung“, teilt die Stiftung mit, können zwölf Personen im Haus unterkommen. Donnerstags bis sonntags ist das Haus für Besucher geöffnet, übernachtet man mehrere Tage, schließt man seine Dinge während der Besuchszeiten ein und vertreibt sich die Zeit mit Wandern oder anderen Ausflügen.

Schwimmen mit Peter Zumthor in der Schweiz

Die Therme Vals in der Schweiz sind jedem Architekturinteressierten ein Begriff. Dabei handelt es sich um ein ikonisches Thermalbad in der Graubündner Gemeinde Vals, das vom Architekten Schweizer Peter Zumthor, Jahrgang 1943, entworfen und 1996 eröffnet wurde. Inzwischen steht die wundervoll in die Berglandschaft platzierte Pilgerstätte für Zumthor-Fans aus aller Welt unter Denkmalschutz.

Schwimmtempel in Vals, entworfen von Peter Zumthor. Foto: Hotel/7132 Therme Vals

Die Therme besteht aus 60 000 Platten Valser Quarzit, ist puristisch und doch elegant, was auch am sehr dezenten farblichen Auftritt des Inventars liegt. Es finden sich unterschiedlich warme Bäder – und ausreichend Ruheräume mit spektakulären Blickachsen auf die Graubündner Berge, Bäume und Matten.

Der dazugehörige Hotelkomplex, der mit den Thermen über einen Tunnel verbunden ist, besteht aus einem Haupthaus mit 22 Zimmern sowie dem mit dem Haupthaus verbundenen House of Architects 7132 mit 73 Zimmern (ab ca. 370 Euro). Die Räume in diesem House of Architects sind alle von weltberühmten Architekten wie Peter Zumthor, Tadao Ando, Thom Mayne und Kengo Kuma geplant worden.

Klösterlich schlafen bei Le Corbusier in Frankreich

Während das Haus Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung mit seinem weißen Putz schick strahlt, hat der Architekt Le Corbusier (1887-1965) im Jahr 1953 später auch Beton roh gelassen – so wie bei dem brutalistischen Kloster Sainte-Marie de la Tourette in Éveux Frankreich im Département Auvergne-Rhône-Alpes entworfen.

Der französische Architekt und Maler Le Corbusier in seinem Studio, Frankreich 1960er Jahre. Foto: imago stock&people/Wolfgang Kühn

Ist das Urlaubsarchitektur? Übernachten kann man jedenfalls. Das Hotel Couvent de la Tourette verfügt über 50 Einzelzimmer, „echte Bruderzellen“, mit Loggia mit Blick in die Natur für 60 Euro pro Person und Frühstück. Bilder und Informationen zum Hotel finden sich hier.

Turiner Designhotel mit Autorennstrecke

Von keinem geringeren als dem Architektenhalbgott Le Corbusier wurde der Bau als ein Meisterwerk der industriellen Architektur gefeiert: das Lingotto-Gebäude. Bei Freunden der großen italienischen Automobilhistorie klingelt es nun. Im Lingotto-Bau war eine der bekanntesten Fabriken des Automobilherstellers FIAT (heute FCA) untergebracht. Das Dach dieses beeindruckenden Gebäudes beherbergt immer noch eine Teststrecke, die 1919 erbaut und von FIAT zum Testen der neuesten Modelle genutzt wurde.

Auf dem Dach des von Renzo Piano umgebauten Turiner Hotels befindet sich immer noch eine kleine Autorennstrecke. Foto: NH/Hotel Torino Lingotto Congress

Das Gebäude wurde später durch den bekannten italienischen Architekten Renzo Piano als Unterhaltungs- und Kulturzentrum neugestaltet und umfasst neben dem Hotel Torino Lingotto Congress auch ein Einkaufszentrum, eine Kunstgalerie und La Bolla, einen kugelförmigen Tagungsraum, der einen spektakulären Blick über die Alpen sowie die Turiner Skyline bietet.

Piano hat mit seiner gelungenen Umwidmung beispielhaft gezeigt, wie man mit geschichtsträchtigen Industriebauten heutzutage umgehen kann. Das Hotel verfügt über 142 Zimmer, die Preise beginnen bei etwa 100 Euro pro Nacht.

Urlaubsarchitektur von Matteo Thun in Italien

Und so funktioniert Entschleunigung – ins Hotel vigilius mountain resort auf dem Vigiljoch in Südtirol kommt man nur durch die Lüfte schwebend. Das von dem Architekten Matteo Thun und von der Innenarchitektin Christina Biasi von Berg für den Südtiroler Unternehmer Ulrich Ladurner entworfene Gebäude liegt auf 1500 Metern Höhe im Naturschutzgebiet und ist ausschließlich mit einer Seilbahn erreichbar.

Kühner Schwung, Hotelentwurf von Matteo Thun in Südtirol. Foto: Hotel/Tobias Kaser Photography

Ästhetik und Ethik finden sich im schwungvoll sich in die Natur bettende Gebäude – gebaut wurde vor 20 Jahren mit natürlichen Materialien und ganz ohne Alpenkitsch. Zum Einsatz kam Lärchenholz, Glaselementen, Naturstein und Lehm. Die 41 Zimmer sind – wie auch die Bibliothek, Spa-Bereich mit Ausblick auf die Dolomiten, Gaststuben – schlicht und exquisit und je nach Saison für ab 275 Euro zu mieten.

Pavillon von Jean Prouvé in der Provence

Seit die Midcentury-Möbel wieder in Mode gekommen sind, ist auch der französische Konstrukteur, Kunstschmied und Gestalter Jean Prouvé (1901-1984) ins Zentrum des Interesses gerückt. Viele seiner um 1950 entstandenen architektonischen Werke sind demontierbar und für eine Massenproduktion entwickelt worden – heute firmiert dies unter dem moralisch hochstehenden Etikett „cradle to cradle“ und gilt als besonders nachhaltig, weil die Einzelteile wieder verwendbar wind.

Vitra stellt Prouvés zierliche Möbel her (leider nicht günstig, auch wenn der Gestalter preisgünstiges entwerfen wollte). Darauf sitzen kann man in Südfrankreich.

Saint-Paul-de-Vence, Alpes-Maritimes, nahe der französischen Riviera. Foto: http://www.imago-images.de//Valery Trillaud

Etwas unterhalb des Künstlerdorfes Saint-Paul-de-Vence gelegen ist ein Museum. Im etwas fernöstlich wirkenden Gärtchen mit Wasserstelle schmiegt sich der sechs Mal sechs Meter kleine demontierbare Pavillon von Prouvé in der Fondation CAB Saint-Paul-de-Vence aus dem Jahr 1944, der Raum ist mit Entwürfen Prouvés möbliert. Wer erst günstig im Le Corbusier-Kloster gewohnt hat, kann sich vielleicht einmal eine Nacht im Pavillon – ab 600 Euro ohne Frühstück – leisten.

Architektur-Urlaub in Frank O. Gehrys dekonstruktivistischem Hotel

Wie schön doch aufgetürmte Büchsen sein können . . . wer in dem eigenwillig welligen Guggenheim-Museum in Bilbao am liebsten einmal die Schließzeiten verpasst und eine Nacht im Museum verbracht hätte, kann nach Elciego in der spanischen Provinz Álava reisen.

Wem Frank O. Gehrys Guggenheim Museum Of Modern Art in Bilbao schätzt, dem wird womöglich auch sein Hotel gefallen – Bilder dazu in der Bildergalerie. Foto: http://www.imago-images.de//Gala Images via www.imago-images

Ähnlich wie im Museum sind die Formen, die der 1929 geborene amerikanische Architekt und Pritzker-Preisträger Frank O. Gehry für die Gestaltung des 2006 eröffneten und mitten in den Weinbergen liegenden Hotels Marqués de Riscal verwendet hat, das in einem Dorf rund 120 Kilometer südlich von Bilbao zu finden ist. Die Preise für die 61 Zimmer und Suiten beginnen bei 433 Euro.

Designhotel in Nouvels Dschungelturm in Barcelona

Bewunderer von Prouvé war unter anderem der Architekt Jean Nouvel. Der 1945 geborene Architekt hat einen 110 Meter hohen Hotelturm am Plaza Europa im Süden von Barcelona entworfen, der nicht nur wegen der Dachterrasse mit Pool, sondern allein schon wegen der originell gestalteten Ausblicke interessant ist, als hätte er wild zackige Pflanzen auf Glas gemalt und ausgeschnitten.

Blick in eines der Zimmer in dem von Jean Nouvel gestalteten Hotel in Barcelonla Foto: Marriott Fira /Paul Bowyer

Auch schon das Kulturzentrum Institut du monde arabe in Paris, mit dem Nouvel bekannt wurde (konzipiert wurde es gemeinsam mit dem Architekturbüro Architecture Studio), besticht durch seine Fassadengestaltung. Florale, dschungelartige Elemente finden sich überall im 2012 eröffneten Renaissance Barcelona Fira Hotel, das der französische Architekt und Pritzker-Preisträger entworfen hat. Eine Nacht in einem der 357 Zimmer der Unterkunft, die zur Marriott-Gruppe gehört, kostet ab 105 Euro.

Top-Urlaubsarchitektur und Designhotels in Europa (Links)

Architektur-Erlebnis in Österreichs höchstem Gebäude

Er entwarf die neue Nationalbibliothek von Paris und das Velodrom in Berlin: Dominique Perrault. Für den Bau des futuristischen Bücherspeichers in Frankreichs Kulturkapitale heimste der damals noch junge und unbekannte Architekt den Mies van der Rohe Award für European Architecture ein.

Die bibliothèque François Mitterrand in Paris, entworfen vom Architekten Dominique Perrault. Ähnlichkeiten zum Hotel in Wien gibt es – zu entdecken in der Bildergalerie. Foto: AFP/ERIC FEFERBERG

1989 wurde nach Auslobung eines Wettbewerbs eine engere Auswahl von vier Projekten präsentiert, aus denen sich der damalige Staatspräsident und Architekturfex François Mitterrand zusammen mit der Jury einstimmig für den Beitrag von Dominique Perrault entschied. Der damals 36-jährige Perrault wurde damit über Nacht zum Star.

Mittlerweile gehört er zum europäischen Architekturadel. Typisch für Perrault sind seine reduzierten Großformen. Hotelbauten sind eher selten in seinem Portfolio zu finden, in Wien aber kann man sich vom Spirit des ehemaligen Wunderkindes überzeugen. Drei Wolkenkratzer hat er erbaut, die höchsten Gebäude Österreichs. In einem der DC Tower in der Donau City befindet sich auch das Fünfsterne-Hotel Meliá Vienna mit großartigen Ausblicken auf Wien.

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