US-Computerkonzern HP zahlt Abfindungen – aber Rüsselsheim ist am Ende

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Der amerikanische Computerkonzern Hewlett Packard (HP) schließt seinen Standort Rüsselsheim. Damit geht ein monatelanges zähes Tauziehen zu Ende. Die Mitarbeiter erhalten Abfindungen.

Die Mitarbeiter protestierten für den Erhalt von Rüsselsheim. Foto: IG Metall
Die Mitarbeiter protestierten für den Erhalt von Rüsselsheim. Foto: IG Metall

Stuttgart - Der amerikanische Computerkonzern Hewlett Packard (HP) schließt seine Standort Rüsselsheim. Damit geht ein monatelanges zähes Tauziehen zu Ende. Der Betriebsratsvorsitzende Volker Stichter räumt ein, die Arbeitnehmervertreter hätten ihr Ziel, den Standort zu erhalten, nicht erreicht. Nun werde Rüsselsheim Ende Januar 2014 geschlossen werden – ein Vierteljahr später als anfangs von HP angestrebt. „Wir sind nicht froh über das Ergebnis, aber wir können einen solchen Schritt der Geschäftsleitung auch nicht verhindern“, sagte Stichter.

Betriebsrat und Unternehmensführung hatten akzeptieren demnach den Spruch einer Einigungsstelle unter dem Vorsitz des Duisburger Arbeitsrichters David Hagen. Die Einigungsstelle war eingerichtet worden, weil Geschäftsführung und Betriebsrat keine Möglichkeit zu einem Kompromiss sahen. Nach deren Spruch werden Abfindungen gezahlt, die sich nach Betriebszugehörigkeit, Alter und bisherigem Gehalt der Beschäftigten richteten. Wie viel das Unternehmen insgesamt für die Abfindungen ausgeben wird, habe man dem Betriebsrat auch auf Nachfrage nicht mitgeteilt. Den Arbeitnehmervertretern sei erklärt worden, dies gehe sie „nichts an“. Wer freiwillig eine Abfindungsvereinbarung unterschreibe, erhalte 15 Prozent mehr als diejenigen, die dies nicht freiwillig täten, sagte der Betriebsratsvorsitzende. Mitarbeiter, die freiwillig eine Abfindung annehmen, könnten zudem in eine Transfergesellschaft wechseln. Davon sind nach Schätzungen des Betriebsratsvorsitzenden 500 bis 600 Mitarbeiter betroffen. So viele Beschäftigte sind im Augenblick noch am Standort Rüsselsheim tätig.

Weltweit werden 29.000 Arbeitsplätze gestrichen

Mitarbeiter aus Rüsselsheim könnten sich auch auf andere offene Stellen im Konzern bewerben, etwa nach Bad Homburg. Während HP in Rüsselsheim Softwareservice für Unternehmen anbietet, sind in Bad Homburg andere Bereiche angesiedelt. „ Von den 1100 Beschäftigten, die im Februar noch in Rüsselsheim gearbeitet hatten, seien im März 200 zu Opel gewechselt. Für Opel hatte HP bisher von dem Autobauer an den Computerkonzern ausgelagerte Softwarearbeiten übernommen. Weitere 200 Mitarbeiter hätten bereits einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Zudem gebe es 200 Versetzungen nach Bad Homburg. Nach den Angaben von Stichter hat HP Deutschland zuletzt einen Gewinn von 200 Millionen Euro eingefahren. Der Betriebsrat befürchtet, dass durch die Schließung von Rüsselsheim das Angebot für die Kunden schlechter wird. Der Service von qualifizierten Mitarbeitern an diesem Standort könne nicht innerhalb weniger Monate von anderen Standorten erbracht werden.

Die Schließung von Rüsselsheim ist Teil eines Programms, in dessen Rahmen weltweit 29.000 der 330.000 Arbeitsplätze gestrichen und Stellen in Niedriglohn-Länder verlagert werden sollen. Ein Sprecher von HP erklärte, die Schließung sei notwendig gewesen. HP steht weltweit vor allem mit seiner Hardware wie etwa Druckern in heftigem Konkurrenzkampf zu anderen Anbietern. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, von Februar bis April, sank der Umsatz um zehn Prozent auf 27,6 Milliarden Dollar, der Gewinn brach um mehr als 30 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar ein. Bei Tischrechnern, Notebooks und Druckern gab es erhebliche Rückgänge.

Das in Rüsselsheim hatte HP 2008 von EDS Electronic Data Systems erworben. Dieses Unternehmen hatte ursprünglich zu General Motors gehört. Die gesamte Datenverarbeitung von General Motors war damals an EDS ausgelagert worden. Rüsselsheim wurde zum deutschen Firmensitz, Opel zum wichtigsten deutschen Kunden. Schon ein Jahr nach dem Erwerb von EDS durch HP hatten Mitarbeiter mit einem fünfwöchigen Streik gegen einen Stellenabbau protestiert, der dann kleiner ausfiel als geplant.