Veranstaltungen in Ludwigsburg Venezianische Messe Ludwigsburg erstmals ohne Eintrittspreis

Die Venezianische Messe war vor allem bei Besuchern von außerhalb beliebt, jetzt sollen auch mehr Ludwigsburger kommen. Foto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg Tourismus & Events schafft das Ticketing der Venezianischen Messe ab und will die Veranstaltung damit wirtschaftlicher machen. Was erst einmal widersprüchlich klingt, scheint die vorläufige Rettung des einmaligen Festes.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Die Hotels der Stadt Ludwigsburg seien am ersten Septemberwochenende mehr oder weniger ausgebucht, sagt Mario Kreh, Geschäftsführer von Tourismus & Events Ludwigsburg (Telb). Hauptgrund ist die Venezianische Messe. Hunderte Besucher planen offensichtlich schon Monate vor dem Fest ihren Aufenthalt und freuen sich auf das einzigartige Spektakel aus Licht und Kostümen in der Barockstadt. Dabei war bis zu dieser Woche noch nicht einmal klar, ob die Veranstaltung in diesem Jahr überhaupt stattfindet – denn die Stadt muss sparen, auch an den Festen.

 

Doch die Stadträte des Ludwigsburger Wirtschaftsausschusses stimmten am Dienstagabend einstimmig für ein neues, abgespecktes Konzept der Venezianischen Messe. Die auffälligste Veränderung: Man verzichtet auf die Einnahmen des Ticketverkaufs, die Messe wird frei zugänglich. Dieser Schritt richtet sich vor allem an die Menschen in der Region.

Zuschuss um fast 40 Prozent senken

Doch warum wird überhaupt etwas verändert? Wie die komplette Stadtverwaltung muss auch der Eigenbetrieb Telb sparen. Ein schweres Unterfangen, da die Erwartungshaltung an Veranstaltungen weiterhin hoch ist. Besonders die Venezianischen Messe geriet in den Fokus der Sparpolitik, da beim vergangenen Fest das schlechte Wetter den Ticketverkauf verhagelte. Die heikle Aufgabe: Sparwille beweisen, Umfang eindampfen, und dabei den Kern des Events erhalten.

Im Wirtschaftsausschuss am Dienstagabend stellte Mario Kreh das Konzept mit dem Grundsatz vor, den städtischen Zuschuss von 400 000 Euro auf 250 000 Euro herunterzuschrauben. Damit die Messe mit weniger Geld auskommt, wird allen voran der Ticketverkauf abgeschafft. Was erst einmal den Verlust von Einnahmen bedeutet, ist auf den zweiten Blick eine große Entlastung.

Denn einerseits kosten das Ticketingsystem, das Einlasspersonal und die Zaunanlage viel Geld. In der Vergangenheit hätten die Einnahmen des Ticketings die Ausgaben sogar nur leicht übertroffen, sagt Kreh. Gerade an regnerischen Wochenenden drohte ein Minusgeschäft. Andererseits schafft der kostenlose Zutritt den nötigen Freiraum für Einsparungen. Denn wer keinen Eintritt zahlt, kann sich auch nicht über ein schlankeres Angebot beschweren.

Beispielsweise wird es im September weniger Bühnen und weniger Programm geben als zuvor. Zudem sind der Gondelsteg, der Dogenstuhl und das Schiffswrack gestrichen. Das alles bedeutet vor allem weniger Technik, die immer ein Kostentreiber der Venezianischen Messe war. Der Fokus wird stattdessen auf die Lichtshow, das Gastro-Angebot mit italienischem Street-Food-Markt und auf die Kostümträger gelegt.

Wie nachhaltig ist das Konzept?

Der freie Eintritt soll jedoch noch etwas anderes bewirken: die Identifikation der Ludwigsburger mit der Venezianischen Messe. In einer Bürgerumfrage von 2019 mit 1000 Beteiligten gaben nur 16 an, die Veranstaltung zu kennen. „Auch wir haben gemerkt, hoppla, wir geben da viel Geld für etwas aus, dass in der Stadt gar nicht so bekannt ist“, sagt Kreh und hofft, durch die Öffnung auch Laufkundschaft und jüngeres Publikum zu gewinnen.

Die Verbindung von Einsparung und Öffnung überzeugte die Stadträte des Wirtschaftsausschusses. Reinhardt Weiss von den Freien Wählern lobte die Bemühungen, den städtischen Zuschuss herunterzuschrauben. „Wir müssen es versuchen und können die Venezianische Messe nicht einfach aufgeben“, sagte die CDU-Rätin Edith Klünder. Auch der SPD-Rat Daniel O’Sullivan lobte das Konzept, blickte aber über die diesjährige Venezianische Messe hinaus.

Telb werde ihre Arbeit nicht mehr anständig machen können, wenn die Stadt nicht mehr in den Eigenbetrieb investiere. Seit 2020 bekommt Telb acht Millionen Euro Zuschuss von der Stadt, während die Kosten steigen, ist eine Zuschusserhöhung nicht in Sicht. „Wir haben schon häufig darauf hingewiesen, dass das nicht ausreicht, wir brauchen eine Zuschusserhöhung trotz der angespannten finanziellen Lage“, sagte O’Sullivan. Auch der Telb-Geschäftsführer Mario Kreh trat auf die Euphoriebremse, das Konzept sei keine langfristige Versicherung für die Venezianische Messe. Falls die Zuschüsse nicht steigen, wird das Fest in zwei Jahren wohl wieder hinterfragt.

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