Stuttgart - Bei der Initiative Aufbruch Stuttgart zeichnet sich ein Wechsel in der Vereinsführung ab. Nach Informationen unserer Zeitung wollen die Gründungsmitglieder und bisherigen Köpfe des Vereins, der frühere SWR-Talkmaster Wieland Backes und der Stuttgarter Architekt Arno Lederer, bei der nächsten Mitgliederversammlung des Vereins nicht wieder für ein Vorstandsamt kandidieren. Backes, bislang Vereinschef, ist bereits nicht mehr im Amt – seit Juni bekleidet der zwischenzeitlich zurückgetretene und dann wieder in den Verein zurückgekehrte frühere Geschäftsführer Thomas Rossmann die Position des Vereinschefs.
Früherer Geschäftsführer Thomas Rossmann will Backes nachfolgen
Auf Anfrage unserer Redaktion gaben weder Backes noch die Vereinsgeschäftsstelle zunächst einen Kommentar ab. Aus dem Umfeld des Vereins verlautete, der Rückzug der beiden Führungspersonen erfolge aus privaten Gründen. Demnach strebt Rossmann bei den Vorstandswahlen im Oktober dann auch formal die Nachfolge von Wieland Backes an. Der Ex-Journalist, bekannt vor allem als Moderator der Talkshow „Nachtcafé“ und der Ratesendung „Ich trage einen großen Namen“, hatte den Verein zusammen mit Prominenten aus Kunst, Kultur und Architektur 2017 gegründet. Ziel des Vereins laut Satzung: Man wolle sich in die Diskussion über mehr Urbanität, Lebensqualität und Strahlkraft für die Landeshauptstadt konstruktiv einzubringen. „Wir sehen uns nicht in erster Linie als Kritiker, sondern als bürgerschaftliches Gegenüber von Verwaltung und Politik“, hieß es im Gründungsmanifest des Vereins. Insbesondere die trennende Wirkung der B 14 mitten durch Stuttgarts Kulturmeile solle überwunden werden.
Wendepunkt in der Vereinsarbeit war Vorschlag zum Abriss des Gymnasiums
Schon bald freilich fokussierte sich die mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Initiative vor allem auf die Diskussion über die Sanierung der Staatsoper. Mit immer neuen Standortvorschlägen für eine dritte Spielstätte und eine Nachnutzung des historischen Littmann-Baus wurden Backes und Co. im Stuttgarter Rathaus vorstellig. Einen Wendepunkt in der Vereinsarbeit war nach Meinung vereinsinterner Kritiker der Vorschlag, das altehrwürdige Königin-Katharina-Stift entweder ganz abzureißen oder aber als Verwaltungsgebäude für die Oper zu nutzen. Der damalige OB Fritz Kuhn (Grüne) machte aus seiner Verärgerung keinen Hehl und empfahl dem Verein öffentlich, sich in „Abbruch Stuttgart“ umzubenennen. Zuletzt hat das von der Landesregierung initiierte Bürgerforum den Alternativvorschlägen des Aufbruchs, der die Teilnahme an dem Forum zunächst boykottieren wollte, sich dann aber doch noch umentschied, eine klare Absage erteilt.
Das Problem sei die „konfrontative Haltung“ gegenüber der Stadtverwaltung gewesen
Unter der Regie von Backes und Lederer hat der Verein aber auch sowohl zum Thema Kulturmeile als auch zur Umgestaltung der B 14 hochkarätig besetzte Architektenworkshops durchgeführt, von deren Ergebnissen die Stadt durchaus profitieren könnte. Das Problem sei die „konfrontative Haltung“ gegenüber der Stadtverwaltung gewesen, die vor allem der Vorstand zu verantworten habe, heißt es seitens der vereinsinternen Kritiker. Nachdem 2019 die Gründungsmitglieder Ulrike Groos, Leiterin des Stuttgarter Kunstmuseums, und Opern-Pressesprecher Thomas Koch ihre Vorstandsämter ruhen gelassen hatten, rumorte es erstmals im Verein. Die Auseinandersetzung gipfelte schließlich im Oktober vergangenen Jahres darin, dass dem Vereinsvorstand um Backes „quasiabsolutistisches Gebaren“ unterstellt wurde.
Wie sich der Aufbruch Stuttgart künftig aufstellt, ist noch offen: Der jetzige Interimsvorsitzende Rossmann galt als entschiedener Verfechter eines Boykotts des Bürgerforums und hatte aus Verärgerung über die Teilnahme von Backes und Lederer an der Expertenanhörung sogar seinen Austritt aus dem Verein erklärt.