Verkehr im Raum Waiblingen Wie könnte Hegnach entlastet werden?
Für das verkehrsgeplagte Hegnach ist eine ortsnahe Umfahrung denkbar, aber nicht der große Wurf. Die sogenannte verlängerte Westumfahrung wäre ein massiver Eingriff in die Natur.
Für das verkehrsgeplagte Hegnach ist eine ortsnahe Umfahrung denkbar, aber nicht der große Wurf. Die sogenannte verlängerte Westumfahrung wäre ein massiver Eingriff in die Natur.
Waiblingen - Tag für Tag rollt eine Blechlawine durch Hegnach. Auf dem meistbelasteten Abschnitt, dem südlichen Teil der Neckarstraße, sind täglich rund 22 000 Fahrzeuge unterwegs. Das würde man in Waiblingen gerne ändern, schon vor Jahren hatte man sich eine Halbierung des Verkehrs zum Ziel gesetzt – bislang ohne Erfolg. Auch deshalb hat die Waiblinger CDU-Gemeinderatsfraktion im Jahr 2018 eine Machbarkeitsstudie gefordert, die prüfen sollte, ob die Westumfahrung Waiblingen auf der Trasse des umstrittenen Nordostrings weitergeführt werden könnte – zweispurig und in Tunnelbauweise bis zur Landesstraße, die von Oeffingen nach Hegnach führt.
Seitdem sind drei Jahre vergangen, in puncto Westumfahrung herrschte Sendepause. Und so war die Überraschung groß, als das Thema Westumfahrung bei der letzten Gemeinderatssitzung auf der Tagesordnung auftauchte. Umso mehr, als die Verwaltung nicht allein wie gewünscht die Auswirkungen und Kosten einer verlängerten Westumfahrung darstellte, sondern zudem die einer ortsnah verlaufenden Südtangente Hegnach. Letztere ist freilich ebenso wenig eine Neuheit wie die Verlängerung der Westumfahrung: Beide Varianten hatte ein Ingenieurbüro schon im Jahr 2007 unter die Lupe genommen.
Auf Grundlage dieser Daten hat die Firma BIT Ingenieure ein weiteres Mal zwei Varianten verglichen. Das Ergebnis: Die Südtangente bei Hegnach würde ortsnah verlaufen und wäre mit rund 0,7 Kilometern Länge verhältnismäßig kurz und recht günstig. Etwa zwei Millionen Euro würde die Südtangente kosten – ein Schnäppchen im Vergleich zur verlängerten Westumfahrung, die mit ihren zwei Kilometern Länge mit geschätzt 7,7 Millionen Euro zu Buche schlagen würde.
Noch um ein Vielfaches teurer wäre diese Variante als Tunnellösung, sie wird mit 65 bis 70 Millionen Euro veranschlagt. Weitere Pluspunkte der Südtangente wären, dass diese Variante das Schmidener Feld vor Eingriffen verschonen würde und dass die Straße komplett auf Waiblinger Gemarkung verläuft. Wegen der Nähe zur Bebauung wären aber wohl Lärmschutzmaßnahmen nötig.
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Allerdings brächte die Südtangente nach den Berechnungen eine deutlich geringere Entlastung Hegnachs als gewünscht: Die Untersuchung geht davon aus, dass dank der ortsnahen Umgehungsstraße statt rund 22 000 Fahrzeugen etwa 15 500 auf der Neckarstraße fahren und das Verkehrsaufkommen auf der Oeffinger Straße um die Hälfte auf 4500 Fahrzeuge sinken würde.
Mit der verlängerten Westumfahrung ließe sich laut den Berechnungen die Zahl der Fahrzeuge auf der Neckarstraße halbieren, auch auf der Hegnacher Höhe wären deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs. Die Straße würde aber das Schmidener Feld zerschneiden, darunter Flächen, die dem Rebhuhnschutz dienen. Die Gutachter empfehlen eine Absenkung der Trasse, um die Eingriffe ins Landschaftsbild möglichst gering zu halten. In Höhe des Besinnungswegs bräuchte es zwei Grünbrücken.
Das Fazit: Aus umweltrechtlicher Sicht wäre die Südtangente vorzuziehen, aus verkehrstechnischer Sicht die Verlängerung der Westumfahrung. Die von Remseck geplante Westrandbrücke würde wohl bei beiden Varianten eine Entlastung Hegnachs mitbringen. Die Stadt will nun die schneller machbare Variante Südtangente weiterverfolgen, umso mehr, als der geplante, nach Ludwigsburg führende Radschnellweg auf derselben Trasse geführt werden könnte.
Die Vorschläge stießen bei einer Mehrheit der Räte auf Skepsis, die Tendenz geht dazu, abzuwarten, wie sich die Westrandbrücke, wenn sie einmal gebaut sein wird, auf die Zahlen auswirkt. Die Alternative Liste (Ali) lehnt beide Varianten ab, während die SPD-Fraktion einer ortsnahen Umfahrung nicht abgeneigt wäre. Die Frage sei, ob es sinnvoll sei, für Untersuchungen Geld auszugeben, solange der Nordostring nicht vom Tisch ist, sagte Roland Wied: „Ich habe den Eindruck, die Verwaltung will einen Beschluss des Gemeinderats herbeiführen, der einen Beschluss zum Nordostring offen hält.“