Verkehr in der Waiblinger Altstadt Anwohner fordern „Spielstraße“ zurück

Von Annette Clauß 

Tempo 20 statt Schrittgeschwindigkeit: Bewohner in der Waiblinger Altstadt klagen über Veränderungen, welche die Stadt in ihrem Wohnquartier vorgenommen hat. Sie möchten die vor rund zwei Jahren abgeschaffte verkehrsberuhigte Zone wieder zurückhaben.

Wünschen sich die verkehrsberuhigte Zone zurück: die Anwohner Artur Ulmer, Lasse und Marco Möst, Friedel Hammer und Ingo Knapper Foto: Edgar Layher
Wünschen sich die verkehrsberuhigte Zone zurück: die Anwohner Artur Ulmer, Lasse und Marco Möst, Friedel Hammer und Ingo Knapper Foto: Edgar Layher

Waiblingen - Plötzlich seien die Schilder weg gewesen, sagt Friedel Hammer. Die Waiblingerin meint die großen, blauen Tafeln, auf denen ein spielendes Kind, ein Auto und ein Haus abgebildet sind. Das Zeichen für verkehrsberuhigte Bereiche, umgangssprachlich oft fälschlicherweise Spielstraße genannt, habe gut 15 Jahre lang den Bereich Obere, Mittlere und Untere Sackgasse in der Altstadt markiert, erzählt Friedel Hammer, die in der beschaulichen Gegend mit teils denkmalgeschützten Wohn- und Handwerkerhäusern, versteckten Hinterhöfen und verwinkelten Gassen wohnt. In letzteren ist wenig Platz – Gehwege gibt es nicht, wohl aber Autoverkehr, und zwar nicht nur von den Anwohnern.

Diese treten aus der Haustür direkt auf die Straße und haben sich nun zu einer Interessengemeinschaft zusammengetan. Ihr Ziel: Sie wünschen sich die blauen Schilder zurück, welche die Stadt vor rund zwei Jahren entfernt und durch Tempo-20-Schilder ersetzt hat. Nachfragen, wieso die blauen Schilder abgeschraubt wurden, hätten nicht viel ergeben, klagen die Anwohner, die sich mit ihrem Anliegen an die Gemeinderäte gewandt haben. „Wir haben keine nachvollziehbare Begründung bekommen, warum die verkehrsberuhigte Zone abgeschafft worden ist“, sagt Marco Möst, der die Sicherheit der Fußgänger, speziell der Kinder, in Gefahr sieht.

Anwohner: Tempo 20 ist eine Verschlechterung

Die Tempo-20-Zone sei eine Verschlechterung gegenüber dem vorigen Zustand, argumentieren die Anwohner, die nun Unterstützung von der Fraktion Alternative Grüne Liste (Ali) erhalten haben. Diese hat nach einer Ortsbegehung beantragt, dass die Stadt diesen Bereich wieder in eine verkehrsberuhigte Zone umwandelt. Dort müssen Fahrzeuge laut Gesetz Schritttempo einhalten, Fußgänger dürfen die Straße in ganzer Breite nutzen und Kinderspiele sind überall erlaubt.

„Die Autos kommen jetzt zu schnell um die Kurve, wir haben keine Gehwege und können nicht ausweichen“, klagt Artur Ulmer, der beim Galerie-Platz wohnt. Auch dort sei die Situation bisweilen brenzlig, weil die am Platz vorbeiführende Straße nicht durch Bordsteine begrenzt ist, sondern in den Platz übergeht, auf dem sich gerne Kinder tummeln. Dass im nahe gelegenen Wohngebiet Gerberäcker, wo die Straße breiter und besser einsehbar ist, die blauen Schilder stehen dürfen, können die Anwohner nicht nachvollziehen – sie wünschen sich gleiches Recht für alle und hoffen auf die Gemeinderäte, die das Thema an diesem Mittwoch diskutieren.

Conradt: Sachlage ist gleich geblieben

Oliver Conradt von der Stadt Waiblingen macht den Anwohnern wenig Hoffnung auf Erfolg. „Der Gemeinderat kann sich informieren lassen, er kann aber nicht über straßenverkehrsrechtliche Themen wie Verkehrszeichen abstimmen“, stellt er klar. „Eigentlich hat sich von der Sachlage her für die Anwohner nichts geändert, außer, dass die Schilder ausgetauscht wurden“, argumentiert er. Nach wie vor gelte das Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme.

Anders als früher sei die Ausweisung verkehrsberuhigter Bereiche vom Gesetzgeber her nun auf reine Wohngebiete ohne Durchgangsverkehr beschränkt. Im Sackgassen-Areal gebe es aber neben Wohn- auch Geschäftshäuser und Läden, daher habe man nachgesteuert, als sich die gesetzliche Möglichkeit geboten habe und in der Altstadt einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ eingeführt, der außerhalb der Fußgängerzone gelte. „ Persönlich glaube ich, dass mit den zwei Bereichen eine adäquate Lösung gefunden ist“, sagt Oliver Conradt und merkt an, ihm sei kein Unfall aus diesem Gebiet bekannt, auch nicht mit Fußgängern. „Man muss eine gute Mitte finden“, sagt Conradt, und fügt noch an: „Es gibt aber natürlich immer auch den Rechtsweg.“




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