Den Fraktionen im Ludwigsburger Kreistag geht es zu langsam mit der Stadtbahnplanung. Dabei sind mögliche Schwierigkeiten noch nicht einmal einkalkuliert.

Ludwigsburg - Schon im Juli war der Zeitplan für die Stadtbahn vorgestellt worden, der zunächst eine Reaktivierung der Bahnstrecke von Markgröningen nach Ludwigsburg vorsieht, dann aber auch einen Anschluss an die SSB-Linie von Remseck her und schließlich eine Anbindung von Oßweil und dem Schlösslesfeld. 2028 könnte die Bahn von Markgröningen aus frühestens rollen, die weiteren Linienäste könnten ab 2032 in Betrieb sein, so der selbst aus Expertensicht vor allem im Hinblick auf die Ludwigsburger Innenstadt durchaus ehrgeizige Plan.

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Den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Technik im Kreistag, denen die Pläne am Freitag nochmals präsentiert wurden, geht es dennoch zu langsam. Der Geschäftsführer des eigens für die Stadtbahn gegründeten Zweckverbands, Frank von Meißner, erklärte aber, warum man so viel Zeit brauche. Zunächst einmal müsse man das Gesamtnetz definieren und eine standardisierte Bewertung vorlegen, erst dann könne man Förderanträge stellen.

Doch genau an dieser Stelle hakt es bereits. Wurde doch auf Wunsch von Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht eine neue Trassenführung untersucht, die von Pattonville aus kommend als Hochflurbahn am Salonwald entlang führen und Wüstenrot und die Südstadt anbinden soll. Sie würde die bisher geplante Strecke in der Hindenburgstraße ersetzen und hat vom verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart ein positives Zeugnis bekommen. Zahlreiche Kreisräte forderten deshalb, erst einmal zu klären, was die Stadt eigentlich wolle.

Mischt neue Trassenvariante die Karten neu?

Die Grünen zeigten sich über Knechts Vorstoß erneut empört. Das sei schon fast „eine Art rollendes Marstallcenter“, brachte Jürgen Walter im Ausschuss einen drastischen Vergleich. Eine Hochflurbahn sei in Ludwigsburg nicht durchsetzbar. Zudem befürchtet er, dass einige Menschen sagen würden: „Wenn wir das haben, brauchen wir keine Stadtbahn mehr durch die Innenstadt.“

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Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Volker Godel meinte: „Wenn bis zu Wüstenrot eine Hochflurbahn rollt und von Markgröningen her die Stadtbahn bis zum Bahnhof, dann stellt sich für die Innenstadt die Frage ‚Bahn oder Bus?‘.“ Das sei jedoch nicht der Fall, meinte von Meißner. Es sei dabei nur um eine Potenzialuntersuchung gegangen, nicht um eine Kosten-Nutzen-Abschätzung. „Die Innenstadtvariante wird durch diese Variante nicht in Frage gestellt.“ Allerdings sind sich alle dahingehend einig, dass durch die Innenstadt auf keinen Fall eine Hochflurbahn führen soll.

Proteste von Bürgern und Geschäftsinhabern nicht einkalkuliert

Peter Schimke (Linke) stellte direkt die Frage nach einem Plan B, denn in der ganzen Terminplanung seien die Bürger außen vor, warnte er: „Selbst an der Markgröninger Strecke gibt es schon Initiativen, die die Bahn verhindern wollen; wie das in Ludwigsburg aussieht, wage ich mir gar nicht vorzustellen.“ Denn von der Großbaustelle wären nicht nur Geschäfte in der Innenstadt, sondern auch zahlreiche Anwohner betroffen.

„Sobald wir einen Plan B haben, sind die Innenstadtstrecken tot“, erklärte von Meißner. Klar sei, so der Zweckverbands-Geschäftsführer weiter, dass man für ein solches Projekt Klarheit brauche „und eine Mehrheit, die in guten wie in schlechten Zeiten dahinter steht. Denn die schlechten Zeiten werden kommen – mit Bürgerinitiativen und Baupreissteigerungen oder sogar Preissprüngen.“ Andererseits habe man jetzt dank der bislang nicht dagewesenen Förderquote – 95 Prozent für die Reaktivierung der Strecke von Markgröningen und 75 Prozent für die Innenstadtstrecke – die Chance, so günstig wie noch nie an ein Stadtbahnnetz zu kommen. Mehrfach kritisiert wurde aber, dass die Kostenschätzung von 215 Millionen Euro aus dem Jahr 2016 stamme und damit mittlerweile völlig veraltet sei.