Verkehr in S-Mitte Stadt lehnt Hochschulprojekt zur Leonhardsvorstadt ab

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Die Hochschule für Technik wollte untersuchen, wie die Verkehrswende in der Leonhardsvorstadt gelingen kann. Doch die Stadt lehnt ab. Der Bezirksbeirat Mitte kritisiert die Entscheidung.

2019 gab es Diskussionen um eine Verkehrsberuhigung im Viertel. Forscher wollten nun untersuchen, wie eine Mobilitätswende dort gelingen könnte. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
2019 gab es Diskussionen um eine Verkehrsberuhigung im Viertel. Forscher wollten nun untersuchen, wie eine Mobilitätswende dort gelingen könnte. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

S-Mitte - Im Bezirksbeirat Mitte hat die Absage der Verwaltung an die Hochschule für Technik Empörung ausgelöst. Ein Bezirksbeirat sprach vom geschenkten Gaul, den die Stadt zurückweise. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen wollten bereits vom kommenden Herbst, spätestens von 2021 an drei Jahre lang im Rahmen des Projekts iCity erforschen, wie im Bohnen- und Leonhardsviertel die Verkehrswende hin zu einer autofreien Mobilität gelingen könnte. Die Beteiligung der Anwohner sollte laut Hochschule für Technik dabei zentral sein.

Der Bezirksbeirat Mitte hatte sich 2019 wohlwollend über das Vorhaben geäußert. Es passe in eine Zeit, in der Stuttgart den Autoverkehr in der Innenstadt bannen will, argumentierten die Bezirksbeiräte. Außerdem stehe 2027 die Internationale Bauausstellung (IBA) an mit vielen Projekten zu einer nachhaltigeren Stadt, meinten die Lokalpolitiker. Die Entscheidung der Stadt wollen sich die Bezirksbeiräte nun schriftlich erklären lassen. Dies beschloss das Gremium bei seiner jüngsten Sitzung im Rathaus.

Studiendekanin gibt sich überrascht

Die Professorin Christina Philipp-Simon, Studiendekanin im Master-Studiengang Stadtplanung an der Hochschule für Technik, traf die Ablehnung der Stadt laut eigener Aussage unerwartet. Sie könne die Absage nicht nachvollziehen. Der Vergleich ihres Projekts mit einem „geschenkten Gaul“ aus dem Bezirksbeirat Mitte leuchtet ihr dagegen eher ein.

Die Stadt hätte sich als Projektpartnerin nur zu einem kleinen Teil an den Kosten von rund fünf Millionen Euro beteiligen müssen. „80 Prozent trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Auch für den restlichen Anteil haben wir schon Unterstützung vom Land“, sagt die Professorin. „Wir fühlen uns schon vor den Kopf gestoßen“, meint sie.

Hochschule sucht Alternativen

Die Hochschule für Technik werde sich nun nach anderen Kommunen im Raum Stuttgart umsehen, die sich an dem Hochschulprojekt beteiligen wollen, erklärt die Professorin.

Die Stadt erläutert, dass finanzielle und personelle Ressourcen durch die bereits vom Gemeinderat genehmigten Projekte im Rahmen der IBA gebunden seien. Die Hochschule ziele mit dem Projekt iCity auf eine Teilnahme an der IBA ab, erklärt eine Sprecherin der Stadt. „Eine Beteiligung der Stadt als Projektpartnerin an weiteren IBA-Projekten Dritter ist derzeit nicht möglich“, teilt sie mit. Im Rahmen der IBA gebe es bereits zahlreiche Projekte, die sich unter Mitwirkung der Stadtgesellschaft mit dem Thema Mobilität befassten, erläutert die Sprecherin weiter. Das Vorhaben der Hochschule für Technik ließe sich in die laufenden Aktivitäten nicht einbinden, meint sie.

Bezirksbeiräte begrüßten Vorhaben

Die Bezirksbeiräte lobten dagegen im vergangenen Jahr, dass das Projekt die Leonhardsvorstadt in den Block nehmen wolle. Dort steht 2023 der Abriss des Züblin-Parkhauses an und damit eine neue Möglichkeit für die Stadtentwicklung. Im vergangenen Jahr sorgte eine Verkehrsberuhigung am Leonhardsplatz für Diskussionen. Aus Sicht des Gremiums verpasst die Stadt nun eine Gelegenheit zu neuen Impulsen für die Quartiersentwicklung.

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