Verkehr in Stuttgart Busse werden mit Stickoxidfiltern ausgestattet

Von  

Klimaanlagen mit besonderen Filtern in den Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) sollen künftig in der Innenstadt die Stickoxidbelastung reduzieren.

Filteranlagen an Bussen sollen Schadstoffe in der Luft reduzieren. Foto: privat
Filteranlagen an Bussen sollen Schadstoffe in der Luft reduzieren. Foto: privat

S-Mitte - Filter kommen in den Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) bisher in den Klimaanlagen in der warmen Jahreszeit zum Einsatz. Sie befreien die Außenluft auf ihrem Weg in den Innenraum der Fahrzeuge von Partikeln, bevor diese dann angenehm temperiert in den Bussen ausgepustet wird.

Die SSB will nun die bereits vorhandenen Vorrichtungen dazu verwenden, die Stickoxidbelastung in der Luft gezielt zu reduzieren. In Zusammenarbeit mit dem Zulieferer und weiteren Partnern sei es gelungen, einen Filter herzustellen, der mit Aktivkohle beschichtet ist, erklärt Markus Wiedemann, Leiter der Werkstätten der SSB. Der zusätzlich imprägnierte Filter reduziere neben Grobschmutz und Partikeln auch die Stickoxide im Innenraum der SSB-Fahrzeuge, erläutert Wiedemann. Er rechnet vor: „Ein Gelenkzug verfügt über zwei Klimaanlagen. Sie saugen zusammen 5000 Kubikmeter Luft in der Stunde an und reinigen sie von Stickoxiden. Unsere Busse sind 14 Stunden am Tag im Einsatz.“

Mittels Messungen über einen Zeitraum von mehreren Monaten sei nachgewiesen worden, dass die neuartigen Filter über eine Laufzeit von drei Monaten die Stickoxidbelastung im Businnenraum um 70 Prozent verringern, sagt Wiedemann.

Busse fahren mit synthetischem Kraftstoff

Der Werkstattleiter verweist auch auf die Umstellung von Diesel zu Jahresbeginn auf synthetischen Kraftstoff. „Auch so reduzieren wir die Luftbelastung weiter“, meint Wiedmann.

Impulsgeber für den Einsatz bestehender Klimaanlagen für die Luftreinhaltung sei eine Projektarbeit der Hochschule Esslingen gewesen, erklärt der Leiter der SSB-Werkstätten. Die Forscher hätten sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit Emissionen von Fahrzeugen ähnlich wie Staubsauger eingesogen und gefiltert werden könnten. „Im Grund funktioniert dass ähnlich wie bei den Filteranlagen, die am Straßenrand von der Stadt aufgestellt worden sind“, meint Wiedemann.

Lagerbestände werden umgestellt

Aufgrund der positiven Messergebnisse seien in einem ersten Schritt die Lagerbestände der SSB umgestellt worden, berichtet er. Bei den Euro VI-Bussen sollen künftig bei dem alle drei Monate anstehenden zyklischen Wechsel die Feinstaubfilter durch die speziell auf zusätzliche Stick­oxidreduktion konstruierten Filter ersetzt werden.

Umweltschutzverbände bewerten den Einsatz der Anlagen unterschiedlich. Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer beim Stuttgarter Regionalverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (Bund), erkennt einen Beitrag, der eine kritische Begleitung lohnt. „Die SSB hat einen guten Ruf bei uns. Sicher ist aber auch, dass wir nur durch eine Reduzierung der Verkehrsmenge den Stickoxidgehalt deutlich senken können“, sagt er.

Naturschützerin ist skeptisch

Annette Schade-Michl setzt sich beim Arbeitskreis Stuttgart des Landesnaturschutzverbandes (LNV) für Luftreinhaltung ein. Die Vertreterin des LNV sieht den Ansatz der SSB mit Skepsis. Die von der SSB angegebenen Mengen an durch die neuen Klimaanlagen gereinigter Luft seien im Verhältnis zu sehen, mahnt sie. „Wie viel Kubikmeter Luft gibt es denn in ganz Stuttgart?“, fragt die Naturschützerin.

Filteranlagen am Straßenrand oder an Bussen bekämpften nur Symptome und keine Ursachen, bemängelt Schade-Michl. Auch sie sieht Abhilfe bei der Luftbelastung durch Stickoxide nur im Fall einer Beschränkung des Verkehrs etwa durch eine allgemeine Tempo-30-Regelung in der Stuttgarter Innenstadt.

Energieverbrauch sei zu hinterfragen

Wie aber die Bilanz der mit Aktivkohle beschichteten Klimaanlagen bei der Luftreinhaltung aussehe, sei umfassend zu betrachten, meint Schade-Michl. Die Naturschützerin verweist auf den Energieverbrauch bei der Herstellung und Entsorgung der Filter. Dies gelte im Übrigen auch für synthetische Kraftstoffe. „Es gibt nichts umsonst, das ist ein physikalisches Gesetz“, sagt sie.

Sonderthemen