Autofahren in Stuttgart So steht es um den Verkehr in Stuttgart

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Ein Unternehmen, das Mobilitätsdaten sammelt, sieht leichte Verbesserungen im Verkehrsfluss in Stuttgart. Trotz der Verbesserung verlieren Autofahrer in der Landeshauptstadt noch 108 Stunden durch Staus.

Die Staus in Stuttgart werden weniger – behauptet ein Verkehrsdatenanalyst. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Staus in Stuttgart werden weniger – behauptet ein Verkehrsdatenanalyst. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Lage auf Stuttgarts Straßen hat sich entspannt – zumindest wenn es nach den Zahlen des Verkehrsdatenanbieters Inrix geht. Das Unternehmen hat nun eine „2018 Global Traffic Scorecard“ genannte Erhebung veröffentlicht. Demnach habe sich die im Stau verbrachte Zeit in Stuttgart – lange als Stauhauptstadt Deutschlands apostrophiert – um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. Insgesamt regis­triert das Unternehmen eine Entspannung auf Deutschlands Straßen. Im Bundesschnitt sei die Stauzeit um mehr als sechs Prozent zurückgegangen.

Bundeshauptstadt ist auch Stauhauptstadt

Nach den vorgelegten Zahlen haben Autofahrer in Stuttgart im Jahr 2018 immerhin noch 108 Stunden oder viereinhalb Tage verloren gegenüber einem Zustand, der freie Fahrt erlaubt. Damit kommt Stuttgart in dem Inrix-Ranking auf den fünften Platz in der Liste der stauanfälligsten Städte in der Bundesrepublik. Angeführt wird das Ranking von Berlin, wo sich die durch Stau verlorenen Stunden auf 154 summieren.

Gänzlich verabschiedet hat sich Stuttgart aus der Liste der zehn stauträchtigsten Streckenabschnitte in Deutschland. Auf den zehn ersten Plätzen werden ausschließlich Straßen aus vier deutschen Metropolen genannt: Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt. Allerdings räumt das Unternehmen ein, dass die Zahlen für 2018 nur noch bedingt mit jenen von 2017 zu vergleichen seien. Damals sei noch die im Stau verbrachte Zeit erhoben worden, wohingegen die Rangfolge für 2018 nur den Zeitverlust wegen Staus berücksichtigt.

Der Jubel im Rathaus fällt verhalten aus. „Der Autoverkehr in Stuttgart ist tatsächlich um einen geringen Prozentsatz im Jahr 2018 zurückgegangen“, erklärt Rathaussprecher Sven Matis. Das alleine reicht aber offensichtlich nicht aus, um die verbesserten Werte in der Inrix-Studie zu erklären. Vielmehr ist der Verkehrsfluss in Stuttgart auch von externen Faktoren abhängig, von denen sich zumindest einer positiv entwickelt habe. Die Störfälle auf der Autobahn um Stuttgart hätten deutlich abgenommen, so die Erkenntnis im Rathaus. „Deswegen haben auch weniger Autofahrer versucht, den Stau zu umfahren, indem sie in die Stadt reinfahren. Auch dies entspannt die Situation“, sagt Matis. Zudem komme der Verkehr zunehmend besser mit den zahlreichen, übers gesamte Stadtgebiet verteilten Baustellen zurecht. Matis kündigt an, die Stadt wolle den eingeschlagenen Weg beim Baustellenmanagement weiter verfolgen. Zudem soll die in Bad Cannstatt beheimatete Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ) weitere Eingriffsmöglichkeiten bekommen. „Die Stadt arbeitet ständig daran, die Ampeln optimal zu steuern“, sagt Matis.

Viele Stuttgarter setzen weiter aufs Auto

Mit ihrem erklärten Ziel, den Verkehrsfluss zu erleichtern, dürfte die Stadt bei der FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag offene Türen einrennen. Die Liberalen nahmen die Vorlage durch die Inrix-Studie dankbar auf, um ihre Sicht der Dinge mitzuteilen. „Häufige Staus mit Stop-and-go-Verkehr führen zu einem höheren Immissionsaufkommen als bei fließendem Verkehr“, schreibt die Landtags-FDP im Kurznachrichtendienst Twitter. „Maßnahmen für einen besser fließenden Verkehr in Stuttgart wären deutlich sinnvoller als die Enteignung von Dieselfahrern über Fahrverbote.“

Dass die Stuttgarter trotz Fahrverboten und zuweilen zähem Fortkommen auf den Straßen der Stadt weiterhin aufs Auto setzen, zeigen Zahlen, die die Stadt ebenfalls am Dienstag veröffentlicht hat. Mit 301 586 zugelassenen Autos hat der Fahrzeugbestand in der Landeshauptstadt im Jahr 2018 den höchsten Wert seit acht Jahren erreicht. Auch die Zahl der Neuzulassungen lag im vergangenen Jahr mit 48 348 auf Rekordniveau.

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