Verkehrswende Grüne kritisieren privaten Autobesitz
Eine von den Parlamentsfraktionen der Grünen in Bund und Ländern initiierte Studie warnt: Autonomes Fahren kann die Straßen noch voller machen – und damit die Verkehrswende konterkarieren.
Eine von den Parlamentsfraktionen der Grünen in Bund und Ländern initiierte Studie warnt: Autonomes Fahren kann die Straßen noch voller machen – und damit die Verkehrswende konterkarieren.
Stuttgart - Die Grünen ziehen Konsequenzen aus dem Streit über Schadstoffgrenzwerte und Fahrverbote: Sie fordern eine Verkehrswende, die nur mit einer substanziellen Verringerung des privaten Autobesitzes gelingt. „Wir wollen Wegbereiter der neuen Mobilität der Zukunft sein“, sagte Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz unserer Zeitung. Er ist Mitinitiator der Studie „Autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr“, die am Mittwoch in Hamburg vorgestellt wurde. Autor ist ein Team um den Verkehrswissenschaftler Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin, Auftraggeber sind Grünen-Fraktionen aus Landtagen und Bundestag.
Die 53-seitige Untersuchung hat es in sich. Darin heißt es: „Kerngedanke einer Verkehrswende ist, dass sich der individuelle Verkehrswunsch vom Eigentum an einem Fahrzeug löst und durch die Nutzung eines vielfältigen Fahrzeugparks ersetzt wird.“ Dies gelte insbesondere für die Städte, auf dem Land werde der Privatwagen noch länger wichtig bleiben. Das autonome Fahren allerdings, wie es die Autoindustrie gegenwärtig als Zukunftsmodell der Mobilität propagiere, wirke einer nachhaltigen Verkehrswende entgegen.
Denn mit der Teilautonomisierung des Fahrens mit Stauassistenten oder automatischer Steuerung auf Autobahnstrecken erhöhe sich der Komfort und führe in der Konsequenz zu noch mehr Verkehr. Wenn Berufspendler die Zeit auf der Autobahn oder im Stau besser also zuvor für Telefonate, Unterhaltung oder Entspannung nutzen könnten, werde sich die Zahl der Fahrzeuge weiter erhöhen. „Die Automobilhersteller befinden sich noch mitten im klassischen Geschäftsmodell“, befindet Verkehrsforscher Knie.
Grünen-Fraktionschef Schwarz warnt deshalb vor einer Fehlentwicklung. „Das Ziel ist mehr Mobilität bei weniger Verkehr“, sagte er. Gesellschaftlich sinnvoll sei autonomes Fahren nur dann, wenn es in den öffentlichen Verkehr integriert werde. Nur so bringe es den erhofften „Benefit“: weniger Autos, weniger klimaschädlichen Kohlendioxidausstoß, saubere Luft, mehr Mobilität, mehr Platz in den Städten.
Wie sieht das Zukunftsbild der „autonomen Flotten“ aus? Verkehrsforscher Knie geht von einem längeren Übergangsprozess aus. Autonome Fahrzeuge, die sich in allen Straßenräumen fahrerlos bewegen können, würden nicht in den nächsten 20 Jahren Realität. Der öffentliche Nahverkehr bedient demnach die Hauptachsen mit dem meisten Verkehr, dazwischen entwickelt sich ein breit verästeltes Angebot an Transportvehikeln, etwa spurgeführte und getaktete Shuttlebusse oder flexible, auf Nachfrage gebuchte Angebote. Vorstufen – vorerst mit Fahrer – gibt es, etwa in Form von Fahrzeugen in Kleinbusgröße, die per Smartphone-App geordert, mehrere Personen an verschiedenen Orten aufsammeln und unter Berechnung der kürzesten Fahrstrecke individuell absetzen.