Versicherungen bieten Shitstorm-Policen an Der gute Ruf hat seinen Preis

Die Preise für eine Shitstorm-Police will die Allianz individuell kalkulieren. Foto: dpa
Die Preise für eine Shitstorm-Police will die Allianz individuell kalkulieren. Foto: dpa

Entrüstungswellen im Internet können ein Unternehmen ruinieren. Versicherungen reagieren mit Angeboten darauf. Die haben allerdings ihren Preis.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)
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Stuttgart - Kaum ein Vorurteil hält sich hartnäckiger: Die Versicherung findet immer einen Grund, einen Schaden dann doch nicht zu bezahlen. Man kennt das ja. Da funktioniert der Fernseher nicht mehr, doch Schuld war kein Überspannungsschaden, sondern eine Schwankung im Stromnetz – und die ist leider nicht versichert. Oder das kaputte Wasserrohr verursacht eine Sauerei – ist aber leider im Bereich der Terrasse defekt, nicht innerhalb des Hauses, und somit auch kein Versicherungsfall. Europas Versicherungsriese Allianz bewirbt nun ein Produkt, das alle Risiken von Unternehmen abdecken soll, wenn diese an ihrer Reputation Schaden nehmen. In Zeiten, in denen die Lasagne mit Pferdefleisch verfeinert wird, die Abgaswerte nur gelegentlich im Labor eingehalten werden und das Internet völlig neue Möglichkeiten bietet, einen Skandal zu verbreiten, scheint es Zeit für so etwas wie eine Shitstorm-Versicherung zu sein.

Versichert wird auch der entgangene Gewinn

Einen Sturm von Anfragen gebe es jedenfalls schon mal, heißt es aus der Münchner Zentrale, und die würden nun geprüft. Sehr individuell, weswegen nichts über den Jahresbeitrag gesagt werden könne. Im fünfstelligen Bereich oder höher werde der aber schon liegen, sagt ein Sprecher. Dafür gebe es Zugriff auf internationale Krisenkommunikationsberatungen, auf Medienanalysen und zahlreiche Hilfestellungen, schon bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Versichert sei auch der entgangene Gewinn, heißt es aus der Zentrale, und das sei das wirklich Neue.

Experten der Versicherung, die sich im realen Leben damit auseinandersetzen, wie man einem digitalen Sturm der Entrüstung entgegentritt, werden sich dann mit den Experten messen, die heute schon im Netz erklären, wie ein Shitstorm in Gang zu bringen ist. Ausgang offen, und bei dem Münchner Konzern versichert man, dass wirklich, ja wirklich alle Schäden abgedeckt seien, die durch den Reputationsverlust eintreten. Das gute für den Privatmann: Er muss das Kleingedruckte in diesem Fall nicht lesen, denn für ihn ist die Versicherung nicht gedacht. Dafür kann der sich selber auch gegen Stromschwankungsschäden versichern oder dagegen, dass ein Meteor auf sein Hausdach donnert. Aber auch das hat seinen Preis.

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