Versuchter Mord in Waiblingen Tat als Notwehr deklariert

Insgesamt müssen sich vier Brüder vor Gericht verantworten. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Insgesamt müssen sich vier Brüder vor Gericht verantworten. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Schüsse in Eisental: Im Prozess um den versuchten Mord in einem Industriegebiet haben die mutmaßlichen Haupttäter erstmals ausgesagt.

Waiblingen/Stuttgart - Bisher hatte nur einer der vier angeklagten Brüder vor dem Landgericht Stuttgart gesprochen, nun gaben zwei weitere mutmaßliche Täter ihre Sicht der Dinge im Eisental-Prozess zu Protokoll. Im Januar 2020 sollen vier Männer zwischen 24 und 29 Jahren den 34-jährigen Besitzer einer Autowerkstatt im Waiblinger Industriegebiet mit Schlägen, Tritten, Messerstichen und vier Schüssen aus nächster Nähe lebensgefährlich verletzt haben.

Bei der Tat soll es sich um einen Racheakt gehandelt haben

Bei der Tat soll es sich laut der Staatsanwaltschaft um einen gemeinsamen Racheakt gehandelt haben. Das spätere Opfer hatte zuvor den mutmaßlichen Schützen krankenhausreif geschlagen, nachdem ein Streit um ein 2000 Euro teures Auto eskaliert war. Zunächst waren die Männer geflüchtet, nach vier Tagen stellte sich der heute 28-jährige mutmaßliche Haupttäter. Seine Brüder erst über eine Woche später.

Nachdem bisher nur der älteste der Geschwister ausgesagt hatte, nahmen nun zwei seiner jüngeren Geschwister, der 28-jährige mutmaßliche Schütze und der 24-jährige vermutliche Messerstecher, über ihre Anwälte Stellung. Der heute 28-jährige Angeklagte, der die Schüsse bereits gestanden hatte, stellte die Ereignisse am 7. Januar vergangenen Jahres als Notwehr dar: Er berichtete, er sei mit dem Opfer befreundet und geschäftlich verbunden gewesen. Vor Weihnachten 2019 sei es zwischen den Kumpels in Korb zu einer heftigen körperlichen Auseinandersetzung gekommen, der 28-Jährige musste mit einer Gehirnerschütterung in eine Klinik. Im Januar habe er nun ein Auto in der Werkstatt des Opfers abholen wollen. Er habe seinen 24-jährigen Bruder gebeten, mit in die Werkstatt zu kommen. „Damit ich nicht alleine dort aufschlage.“ Die anderen sollten im Auto warten.

Der 28-Jährige zieht in der Werkstatt eine Pistole

Die Stimmung zwischen den früheren Freunden sei zunächst nur eisig gewesen. Doch dann soll der Werkstattbesitzer plötzlich aggressiv geworden sein. Es soll zu einer Rangelei gekommen sein. Der 24-jährige Begleiter soll dann ein Messer – von dem sein Bruder angeblich nichts wusste – gezogen und auf den scheinbaren Aggressor eingestochen haben. Doch der soll sich aufrappelt haben, den Messerangreifer weggestoßen und wieder auf den älteren Bruder losgegangen sein. Der geriet nach eigener Aussage in Panik, zog eine Pistole und schoss mehrmals auf den 34-Jährigen. Dann sollen die beiden Männer zum Auto geflüchtet sein.

Seine Brüder entlastete der 28-Jährige in seiner Stellungnahme. Er habe mit ihnen kaum über den Konflikt mit seinem ehemaligen Kumpel gesprochen, auch von einer Schusswaffe sollen sie nichts gewusst haben. Laut der rechtsmedizinischen Gutachterin stimmten die Angaben mit den Spuren am Tatort größtenteils überein, bis auf die Tatsache, dass das Opfer am Hinterkopf eine Schusswunde aufwies. Der 28-Jährige hatte zu Protokoll gegeben, er habe aufgehört zu schießen, nachdem sich sein Gegenüber von ihm abgewandt hatte. Auch psychiatrische Gutachter kamen zu Wort. Die beiden Angeklagten, die sich in der Werkstatt befanden, nahmen demnach öfter Drogen zu sich. Von einer Abhängigkeit, die sich auf eine etwaige Schuldfähigkeit auswirken könnte, könne aber keine Rede sein.




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