Vor dem Europa-League-Rückspiel des VfB Stuttgart in seiner Heimat hat der Italiener Cristiano Molinaro einige Tiefschläge wegzustecken. Bei ihm sitzt der Frust noch tiefer als bei den anderen VfB-Profis.

Sport: Marko Schumacher (schu)

Stuttgart - Seine Rückkehr nach Italien hat sich Cristian Molinaro dann doch anders vorgestellt. Noch trüber als in Stuttgart ist einerseits in Rom das Wetter, über das sich am Tag der Papstwahl nur die vielen Schirmverkäufer freuen. Andererseits stehen nach der 0:2-Hinspielniederlage gegen Lazio die Chancen des VfB denkbar schlecht, am Donnerstagabend (21.05 Uhr/Kabel 1 und Sky) ins Viertelfinale der Europa League einzuziehen. All das wäre leichter zu ertragen, wenn Molinaro wenigstens als selbstbewusster, erfolgsverwöhnter Fußballprofi aus dem Flugzeug gestiegen wäre. Doch ist eher das Gegenteil der Fall.

Es gibt beim VfB derzeit viele Spieler, die mit sich und der Gesamtsituation unzufrieden sind – besonders groß ist der Frust bei Cristian Molinaro. Beim Heimspiel zuletzt gegen Hamburg gab es Pfiffe der eigenen Fans, als er sich an der Seitenlinie für   die Einwechslung bereit machte. Zwar waren sie nicht gegen ihn persönlich gerichtet, sondern gegen das Vorhaben des Trainers Bruno Labbadia, beim Stand von 0:1 einen Defensivmann ins Spiel zu bringen. Dennoch bedeutete dies einen weiteren Tiefschlag für den Linksverteidiger, der dann nicht reinkam und wieder auf der Ersatzbank Platz nehmen musste.

Unglückliches Handspiel lässt Spiel kippen

An die Rolle des Reservisten hat sich der Mann, der in seiner Anfangszeit beim VfB noch für die italienische Nationalmannschaft nominiert worden war, zuletzt gewöhnen müssen. Nur noch der zweite Mann ist er auf der linken Abwehrseite hinter Arthur Boka. Während sich der Vertrag des Ivorers nach dessen 25. Einsatz um ein Jahr verlängert hat, fragt sich sein Konkurrent aus Süditalien, wie es mit ihm bei den Stuttgartern weitergehen soll. „Ich kann nicht mehr tun, als mich in jedem Training anzubieten, und darauf zu hoffen, dass ich bald wieder die Chance bekomme, regelmäßig zu spielen“, sagt Molinaro.

Es ist nicht so, dass der 29-Jährige völlig unverschuldet in diese Situation gekommen wäre. Meilenweit läuft der Routinier der Form hinterher, die er noch in der Rückrunde 2010 gezeigt hat. Damals war er in der Winterpause von Juventus Turin ausgeliehen worden und spielte so prächtig, dass er zum Saisonende für knapp vier Millionen Euro fest verpflichtet wurde und einen Vertrag bis 2014 erhielt. Sein Notenschnitt im Fachmagazin „Kicker“ lag bei 3,2 – in dieser Saison steht eine 4,15 zu Buche.

Eine Saison, wie er sie nicht noch einmal erleben will

Molinaro weiß selbst, dass er schwere Fehler begangen hat. Mit einem fatalen Rückpass leitete er Ende Januar die 0:2-Niederlage gegen die Bayern ein. Beim 1:2 neulich in Leverkusen ließ sein unglückliches Handspiel im Strafraum die Partie in der Schlussphase kippen, nachdem der VfB bis dahin 1:0 geführt hatte. „Moli bringt alles mit, was man für seine Position braucht, er hat ein Riesenpotenzial“, sagt der Trainer Bruno Labbadia, „aber er hat es zuletzt nicht immer ausgeschöpft.“

Allerdings: Molinaro ist nicht der einzige VfB-Spieler, der sich unter Labbadia zuletzt eher zurück- denn weiterentwickelt hat. William Kvist etwa, im Vorjahr ein souveräner Aufbauspieler im Mittelfeld, versucht derzeit fast nur noch mit Querpässen seine Unsicherheit zu überspielen. Und Martin Harnik, bester VfB-Mann der vergangenen Saison, ist seit Wochen auf der Suche nach der Durchschlagskraft. Um ihre Plätze müssen sie dennoch kaum fürchten, während Molinaro „das Gefühl hat, immer als Erster bestraft zu werden, wenn es nicht läuft“, sagt sein Berater, der frühere VfB-Profi Maurizio Gaudino.

Als unverkäuflich hatte der VfB-Manager Fredi Bobic den Verteidiger erklärt, als am 30. Januar, kurz vor Ende der Transferfrist, ein englischer Premier-League-Club Molinaro verpflichten wollte. Wenige Tage später, beim 1:4 gegen Bremen, stand der Spieler nicht mal mehr im Kader, er saß nur auf der Tribüne. Jetzt ist wieder von Anfragen die Rede, zuletzt wurde vom Interesse von AS Monaco berichtet. Da sei nichts dran, sagt Gaudino, im Moment konzentriere sich Molinaro nur auf den VfB. Sehr fraglich ist es trotzdem, ob der Verteidiger auch über den Sommer hinaus noch in Stuttgart spielt. Eine solche Saison wie diese jedenfalls wird der Italiener nicht noch einmal erleben wollen.


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