VfB Zwei Torhüter sind einer zu viel

Der zurzeit ausgeliehene Bernd Leno ist einer der beiden Kandidaten. Foto: dpa 2 Bilder
Der zurzeit ausgeliehene Bernd Leno ist einer der beiden Kandidaten. Foto: dpa

Sven Ulreich und Bernd Leno: Der VfB hat zwei Top-Torhüter. Doch wer soll in der Rückrunde spielen? Trainer Labbadia hat die Qual der Wahl.

Sport: Thomas Haid (T.H.)
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Stuttgart - Es sind 21 Minuten absolviert, als Sergio Pinto nicht weiß, was er tun soll. In der Not entschließt sich der Mittelfeldspieler aus Hannover zu einem Verzweiflungsschuss aus großer Entfernung. Der VfB-Torhüter Sven Ulreich lässt den Ball nach vorne prallen. Wenn der erneut vorzügliche Innenverteidiger Serdar Tasci nicht gerettet hätte, wäre alles so gekommen wie am 20. August bei der 0:1-Niederlage gegen Leverkusen. Damals hatte Michal Kadlec aus einer ähnlichen Position geschossen wie jetzt Pinto. Ulreich patzte wie am Samstag - und Stefan Kießling erzielte den entscheidenden Treffer.

Weil Tasci das Schlimmste verhindert, bringt Ulreich das Déjà-vu aber nicht aus dem Gleichgewicht. Er zeigt später zwar noch die eine oder andere Unsicherheit, aber er klärt auch zweimal gegen Didier Ya Konan, so dass Fredi Bobic hinterher sagt: "Über ihn müssen wir überhaupt nicht diskutieren." Dabei weiß der Manager, dass genau das in den nächsten Wochen passieren wird. Die Torwartfrage wird dann zu einem Dauerthema in Stuttgart. Intern ist die Debatte sogar schon angelaufen: Wer steht in der Rückrunde zwischen den Pfosten - Sven Ulreich (23) oder der bis Dezember nach Leverkusen ausgeliehene Bernd Leno (19)?

Fernduell

Noch liefern sich die beiden ein Fernduell. Während Ulreich in den ersten fünf Saisonspielen drei Gegentore kassierte, musste Leno in vier Partien nur einmal hinter sich greifen. Nach Weihnachten wird daraus jedoch ein direkter Zweikampf, der im Gegensatz zum Sommer auf Augenhöhe stattfinden wird. Damals war Ulreich gesetzt und Leno kein Konkurrent, da er keine Chance hatte und nur für den VfB II in der dritten Liga vorgesehen war. Nun ist es so, dass er am Dienstag mit Bayer sogar in der Champions League antritt - bei dem Giganten aus Chelsea. Mit der dritten Liga wird sich Leno da nicht mehr begnügen - so wenig wie Ulreich mit der Reservistenrolle bei den Profis.

Deshalb ist es auch gar nicht so unwahrscheinlich, dass das Duell im Winter schneller vorbei ist, als viele denken, und dass der Verlierer den VfB schon vor der Rückrunde verlässt. Am Saisonende dürfte das dann ohnehin nicht zu vermeiden sein. Denn zwei junge Torhüter sind einer zu viel.

Überragendes Talent

Leno gilt als überragendes Talent und wird von dem DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bereits mit Jens Lehmann verglichen. In Leverkusen hat er sich sofort etabliert und mit seiner Ruhe alle im Club beeindruckt. Deshalb will Bayer auch versuchen, aus dem Leihgeschäft eine Festanstellung zu machen und Leno zu verpflichten.

Dessen Klausel in seinem bis 2014 laufenden Stuttgarter Vertrag sieht auch vor, dass er nach der Saison für eine geringe Ablöse gehen kann, wenn er es bis dahin beim VfB nicht auf eine bestimmte Anzahl von Bundesligaeinsätzen gebracht hat. Gelingt es Leno im Januar also nicht, Ulreich zu verdrängen, dürfte er spätestens im Juni weg sein. Das sind die Aussichten im September, auch wenn der Trainer Bruno Labbadia sagt: "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um über Bernd Leno zu sprechen. Interessanter ist es, über Sven Ulreich zu reden."

In der Haut von Labbadia

Zu sagen wäre jedoch auch noch, dass zu Beginn des neuen Jahres wohl keiner beim VfB in der Haut von Labbadia stecken möchte. Die Entscheidung wird schwierig. Es gibt zwar viele Argumente für Leno, aber Ulreich hat seine Verdienste beim VfB. Denn mit seinen Paraden trug er in der vergangenen Rückrunde maßgeblich dazu bei, dass der Klassenverbleib geschafft wurde. Klar ist jedoch auch, dass er in den nächsten drei Monaten unter besonderer Beobachtung stehen wird.

Es wird auf jeden Fall sehr spannend. Nicht mehr lange kann man es so gelassen sehen wie Bobic. "Was im Winter passiert, wissen wir heute noch nicht", sagt er, "heute wissen wir nur, dass es kälter wird."




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