VfL-Post-Areal in der Pliensauvorstadt Ein lebendiges Stadtquartier entsteht

So könnte die Bebauung am künftigen Quartiersplatz aussehen. Foto: uperwien Urbanism/DnD Landschaftsplanung

Das nicht mehr für den Vereinssport benötigte, ehemalige VFL-Post-Areal in der Pliensauvorstadt soll zu einem urbanen Quartier entwickelt werden. 150 Wohnungen, Büros und Räume für Kreative sind geplant, aber auch viel Grün.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Arbeiten, Wohnen, Leben: Auf dem nicht mehr für den Vereinssport benötigten, ehemaligen VFL-Post-Areal in der Esslinger Pliensauvorstadt soll in den kommenden Jahren ein lebendiges, autofreies Quartier mit vielfältigen Wohnformen, mit Büros und Flächen für kreatives Arbeiten, Bäckerei und kleinem Lebensmittelgeschäft, Kita und Seniorenwohnheim, Spiel-, Bewegungs- und Erholungsflächen entstehen. Dafür muss allerdings erst das Baurecht geschaffen werden, sodass in zwei Jahren mit der Erschließung und Bebauung begonnen werden kann, räumt man im Esslinger Rathaus ein.

 

„Herausragende städtebauliche Qualität“

Auf die Umsetzung dieses ambitionierten Projektes freut sich Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer schon heute, denn das Konzept sei von „herausragender städtebaulicher Qualität“, betonte er am Freitag bei der Vorstellung des Wettbewerbsergebnisses. Der einstimmigen Entscheidung der Jury zufolge soll der Entwurf des Wiener Büros Superwien Urbanism zusammen mit DnD Landschaftsplanung als Grundlage für die weiteren Planungen dienen.

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Die Stadt Esslingen als Eigentümerin des 2,5 Hektar großen Areals hatte im vergangenen Jahr einen Wettbewerb ausgelobt, an dem sich 19 namhafte Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros beteiligten. Die zwei Besten wurden gebeten, ihre Entwürfe nach bestimmten Kriterien noch einmal zu überarbeiten. Diese zweite Runde habe sich gelohnt, zeigte sich Klopfer überzeugt. Die Wiener Planer hätten „hervorragend Bezug auf das Umfeld und die bestehenden Nachbarschaften, insbesondere auf die Wohntürme im Süden genommen“. Zugleich könne sich „ein Quartier mit eigenständiger Identität“ entwickeln.

Mehr Grünfläche als gefordert

Baubürgermeister Hans-Georg Sigel hob insbesondere die „angemessene dichte Bebauung“ und den „überdurchschnittlich hohen Freiflächenanteil“ hervor: In neun Gebäuden sollen insgesamt 150 Wohnungen entstehen – überwiegend mit zwei bis drei Zimmern in unterschiedlich hohen Gebäuden mit vier bis sieben Geschossen. Die Grundrisse sind den Planern zufolge flexibel. Mittels Terrassen, Balkonen und Loggien verbinde sich der Wohnraum mit dem großzügigen Grünraum – immerhin fast 10 000 Quadratmeter Grün- und Freifläche entstehen im Quartier. „Im Planungswettbewerbs gefordert waren 6500 Quadratmeter“, erläuterte Sigel.

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Der Bolzplatz bleibt bestehen, hinzugesellen werden sich weitere Aktiv- und Bewegungsfläche für alle Einwohner im Stadtteil: ein Kleinkinder- und Abenteuerspielplatz, eine Kletterwand, ein Quartiersgarten, Flächen für Urban Gardening und Urban Sports, eine Liegewiese und ein Quartierplatz mit Wasserspiel – der Champagnebach soll wieder an die Oberfläche geholt werden. Die vielen Baum- und Strauchbereiche bieten Vögeln und Fledermäusen Lebensraum. Das Quartier wird weitgehend autofrei, Autos verschwinden in einer Sammeltiefgarage. Für Elektrofahrzeuge sind Ladestationen vorgesehen, auf den Dächern Solaranlagen.

Suche nach Finanzierungskonzept

Die stadtklimatischen Auswirkungen des Quartiers seien als sehr günstig zu beurteilen, unterstrich der Vorsitzende des Preisgerichts, Stefan Werrer. Das Projekt zeige exemplarisch, wie trotz knapper Flächen ein nachhaltiger und interessanter Nutzungsmix zwischen Wohnen und großzügigen Freiflächen erreicht werden könne. „Man kann Esslingen zu diesem Entwurf nur gratulieren.“ Die Realisierung sei indes „mit gewissen Herausforderungen verbunden“, räumte Stadtplanungsamtsleiter Wolfgang Ratzer ein. So müsse beispielsweise „ein kluges Konzept der Finanzierung gefunden werden“. Sein Nachfolger aber werde eine spannende Aufgabe haben, sagte er im Anschluss an seinen letzten Wettbewerb.

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Das Wiener Büro wird nun zuerst einen städtebaulichen Entwurf ausarbeiten, um danach den Bebauungsplan-Vorentwurf zu starten. „Das weitere Verfahren wird begleitet mit den üblichen Beteiligungsrunden der Träger öffentlicher Belange und der Einwohnerschaft“, kündigten Klopfer und Sigel an. Der Satzungsbeschluss des Bebauungsplans und somit Baurecht sei frühestens Mitte 2024 zu erwarten. Erst danach könne mit der Erschließung des Areals begonnen werden. „Dies kommt dem Anliegen des Bürgerausschusses entgegen, ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für die gesamte Pliensauvorstadt zu erstellen“, teilten die Vertreter der Stadt mit. Den Auftrag dafür soll der gemeinderätliche Ausschuss für Technik und Umwelt in seiner Sitzung am 25. Mai erteilen. Das Konzept soll dann im nächsten Jahr vorliegen.

Präsentation der Wettbewerbsergebnisse

Teilnehmer
 In der zweiten Wettbewerbsrunde wurden das Tübinger Büro Hähning/Gemmecke Architekten mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung aus Stuttgart sowie das Wiener Büro Superwien Urbanism mit DnD Landschaftsplanung aufgefordert, ihre Arbeiten entsprechend den Vorgaben und Anregungen des Preisgerichts zu überarbeiten. Die Sitzung der Jury fand am 13. Mai im Neckarforum statt.

Ausstellung
 Die beiden Wettbewerbsarbeiten sind drei Tage lang im Technischen Rathaus Esslingen, Altbau Ritterstraße, Flur 2, zu sehen: am Dienstag, 31. Mai, Mittwoch, 1. Juni, und Donnerstag, 2. Juni, jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Außerdem stellt die Stadt die beiden Arbeiten auf ihrer Homepage www.esslingen.de vor. 

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