Vier Stuttgarter Abiturienten berichten So lernen wir fürs Abi – und das hilft uns durch diese Zeit

Für viele junge Menschen ist das Abitur die erste große Prüfung ihres Lebens. Das will gut vorbereitet sein. Foto: dpa/Robert Michael

Am 18. April beginnen mit dem Fach Biologie die schriftlichen Abiturprüfungen. Wir haben vier angehende Abiturienten aus Stuttgarter Schulen gefragt, wie sie sich auf die Klausuren vorbereiten, welche Strategien sie haben und wie viel Auszeit sie sich gönnen.

„Es ist gerade schon viel Stress“, sagt Merle Schmidt, ihr Tag sei sehr voll, sagt sie beim Gespräch am Ende der Osterferien. Vier bis sechs Stunden täglich lernt die 18-jährige Schülerin des Hölderlin-Gymnasiums – dazu verbringt sie noch stets mehrere Stunden bei ihren drei Pferden. Sechs Mal pro Woche fährt sie zum Stall. Belastend findet sie das aber nicht. „Es tut mir extrem gut“, sagt sie. Sie glaubt, dass es wichtig ist, sich einen Ausgleich zu schaffen – und eben nicht von morgens bis abends durchzulernen.

 

Merles Schreibtisch – sie lernt mit iPad und dem eigenen Lernheft. Foto: Merle Schmidt

Und das Reiten diszipliniert auch. Denn bevor es zu den Pferden geht, muss schon einiges geschafft sein. Merle Schmidt lernt am liebsten in der Landesbibliothek. Dort sind auch andere aus ihrer Kursstufe. Sie stützen und motivieren sich gegenseitig. Die 18-Jährige hat im schriftlichen Abitur die Fächerkombination Sport, Deutsch und Englisch. Mir ihrer ersten Lerneinheit startet sie in der unterrichtsfreien Zeit meistens um 8.30 Uhr. Sie beginnt mit Sport, weil sie für das Fach besonders viel lernen muss und ihre Konzentration morgens am besten ist. „Mir macht das auch Spaß, die Thematiken interessieren mich“, sagt sie. Schon im Januar hatte sie begonnen, Lernzettel für Sport zu schreiben. Davon profitiert sie jetzt. Mithilfe der bei Abiturienten beliebten Stark-Hefte bearbeitet sie die Prüfungsaufgaben der vergangenen Jahre.

Englisch liegt ihr, sie sei da „relativ entspannt“. Die Prüfung in dem Fach steht erst Anfang Mai an. Aktuell löst sie Hörverständnis-Aufgaben und übt das Schreiben. Deutsch (Klausurtermin ist am 25. April) macht ihr auch keine Sorgen. Vor den Osterferien hätten sie eine Abi-ähnliche Klausur geschrieben. Die fiel ihr leicht. „Ich kam sehr gut mit der Zeit klar.“ In ihren Ausgaben von „Woyzeck“ und „Corpus Delicti“ – die möglichen Lektüren – hat sie sich Wichtiges angestrichen. Auch das Schreiben von Kommentaren übt sie. Auf Gedichte bereitet sie sich gar nicht erst vor, weil sie eine Lyrik-Aufgabe ohnehin nicht auswählen würde.

Im Fach Sport steht später noch die praktische Prüfung an. Zweimal die Woche geht sie deshalb etwa eine Stunde schwimmen. Einmal die Woche steht Laufen auf dem Programm. Sie macht Pilates und spielt am Wochenende mit Freunden Basketball – das ist ihre Ballsportdisziplin im Abi. Der Sport macht den Kopf frei. „Ich kann es jedem nur empfehlen, auch etwas für sich zu machen“, sagt Merle Schmidt.

Noch fühlt sich der Gemeinschaftsschüler nicht gestresst

Nicht jeder seiner Mitschüler kann verstehen, warum sich Till Bofinger im schriftlichen Abitur ausgerechnet für Wirtschaft, Mathematik und Biologie entschieden hat. Alle drei sind Lernfächer. Ihn hat das nicht abgeschreckt. „Ich habe sie gewählt, weil sie mir Spaß machen.“ Noch fühle er sich nicht gestresst, meint der 20-jährige Schüler der Schickhardt-Gemeinschaftsschule. Wahrscheinlich, weil er gut organisiert ist. Er denkt, s das liege auch daran, dass man als Gemeinschaftsschüler schon früh ans selbstständige Lernen herangeführt werde. „Aber der Stress kommt wahrscheinlich ein bis zwei Tage vorher“, meint er.

Till Bofinger mit einem seiner Hunde Foto: Till Bofinger

Till Bofinger lernt am liebsten zu Hause in Ludwigsburg – und zwar alleine. Dort hat er es ruhig, seine Eltern sind arbeiten. Er hört auch keine Musik. Während der Prüfung könne er ja auch nichts hören, sagt er. Auch mit ihm sprechen wir in den Osterferien. Den Morgen verbringt er im Moment noch nicht mit mathematischen Formeln oder wirtschaftlichen Zusammenhängen. Da macht er eine Runde Kraftsport und geht ausgiebig mit den zwei Familienhunden spazieren. Das tut ihm gut. An den Schreibtisch setzt er sich erst danach – meistens gegen 12 Uhr. Er folgt einem genauen Lernplan: Montags und donnerstags ist Mathematik dran, dienstags und freitags Biologie und mittwochs und samstags Wirtschaft. Hat er irgendein Ziel bis dahin nicht geschafft, holt er den entsprechenden Stoff am Sonntag nach. „Aber eigentlich schaue ich, dass der Sonntag ein Ruhetag ist“, berichtet er.

Er setzt sich für jeden Lerntag Ziele

Till Bofinger gehört dem ersten Abitur-Jahrgang der Schickhardt-Gemeinschaftsschule an. Es sind nur 27 Schülerinnen und Schüler, der Zusammenhalt sei stark ausgeprägt. In Whatsapp-Gruppen tauschen sie sich regelmäßig aus. Natürlich geht es da auch um den eigenen Lernstand. Auch daher weiß der Ludwigsburger, dass er gut dabei ist. Er profitiert davon, das er bereits seit Ende Januar lernt. Wer erst im März angefangen habe, könne es sicher nicht so ruhig angehen lassen, meint er.

Hefte mit Beispielaufgaben hat er sich nicht besorgt. In Mathematik sind die früheren Abi-Aufgaben online auf einem Portal zu finden. Für Biologie und Wirtschaft hätten sie von den Lehrern alte Abi-Aufgaben ausgedruckt bekommen. Die arbeitet er ab, setzt sich immer vorher Ziele, wie weit er kommen will. Aber er achtet auch auf Pausen. Hat er Hunger, kocht er sich unter der Woche selbst etwas. „Spätestens um 18 Uhr versuche ich, fertig zu sein“, erzählt er. Es sei wichtig, den Stoff auch mal sacken zu lassen.

Er lernt immer allein und ohne jede Ablenkung

Wenn Ali Ghazi lernt, dann richtig. „Ich mache das immer allein in meinem Zimmer – voll konzentriert und ohne Ablenkung“, sagt der 17-Jährige. Er besucht den G8-Zug am Wilhelms-Gymnasium in Sillenbuch. Dieses bietet auch ein G9 an, doch für Ali Ghazi kam das nicht in Frage. „Vor der Kursstufe war ich an einer anderen Schule, da gab es das nicht“, sagt er und ergänzt: „Aber auch, wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich kein G9 genommen. Warum ein Jahr mehr machen, wenn ich es auch in acht Jahren schaffe?“

Für Ali Ghazi sind die Osterferien eine sehr intensive Zeit gewesen. Foto: privat

Mit Deutsch, Englisch und Gemeinschaftskunde habe er seine Leistungskurse „clever gewählt“, findet Ali Ghazi. Denn für die Sprachen könne man gar nicht so viel lernen. Dennoch waren die Osterferien eine intensive Zeit. In Deutsch habe er vor allem Beispielaufsätze gelesen und sich dafür etwa drei Tage Zeit genommen. Für Englisch reiche das allein nicht. „Da muss ich mehr Inhalte lernen“, sagt der Schüler. Darum habe er dafür rund um Ostern fünf Tage reserviert. Am aufwendigsten sei Gemeinschaftskunde. In dem Fach gehe es viel um Fakten und Allgemeinwissen, sagt Ali Ghazi. Hinzu kommen die verschiedenen Methoden, bei denen man genau seien müsse. Was alles gehört zu einer Erörterung? Welche Punkte sind bei der Interpretation einer Karikatur zu beachten? „Wenn bei solchen Dingen nicht alle Kriterien erfüllt sind, ist das immer schlecht“, weiß der Gymnasiast. Darum habe er sich die Methodenkästen im Buch noch einmal genau angeschaut und etwa sechs Tage fürs Lernen verwendet.

Stress mache er sich aber keinen. Weil das nichts bringe, sagt der 17-Jährige. In dieser Woche will er alles noch einmal wiederholen. Wenn die schriftlichen Prüfungen geschafft sind, muss er mit den Vorbereitungen für das mündliche Abi in Mathe und Geschichte in die Vollen gehen. „Diese Fächer sind für mich aufwendiger“, sagt Ali Ghazi. In Geschichte müssen ähnlich wie in Gemeinschaftskunde Fakten und Methoden gelernt werden. Für Mathe will er sich im Internet Erklärvideos anschauen und dann „sehr viele Beispielaufgaben rechnen“. Auf die Frage, ob er gerne lerne, antwortet er: „Ich weiß, worum es geht. Nämlich darum, eine gute Grundlage für das weitere Leben zu schaffen.“

In drei Fächern alles können, was man je gelernt hat

Wo anfangen? Diese Frage stellte sich Maya Singer, als es mit den Prüfungsvorbereitungen ernst wurde. „Ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt in drei Fächern alles können muss, was ich je in meinem Leben dazu gelernt habe“, sagt die 17-Jährige. Sie besucht das Hölderlin-Gymnasium und wird in den Fächern Mathe, Chemie und Geografie ihre schriftlichen Abiturprüfungen ablegen. Eine herausfordernde Kombination, „aber die Naturwissenschaften liegen mir besser als die Sprachen“, sagt die Schülerin. Dennoch gebe es in jedem Fach Bereiche, „die mir momentan noch Sorgen machen“.

Maya Singer hat bereits in den Faschingsferien mit den Vorbereitungen begonnen. Foto: privat

Bereits in den Faschingsferien hat sie ihre Lernzettel, die sie für die verschiedenen Klausuren in den vergangenen anderthalb Jahren erstellt hatte, rausgesucht und fächerweise zusammengetragen, um eine Übersicht zu bekommen. Für Geografie hat sie eine Liste mit Schwerpunktthemen. „Ich habe mir dann erst einmal alle wichtigen Begriffe rausgeschrieben und durchdefiniert.“ Zudem hat sich sich viele alte Abiturprüfungen angeschaut.

Auch für Maya Singer waren die Osterferien eine intensive Zeit. Ihre Eltern waren Skifahren im Kleinwalsertal. Sie blieb erst einmal zu Hause, um zu lernen. Jeden Vormittag von 9 bis 12 Uhr und nachmittags noch einmal von 15 bis 18 Uhr. „Dazwischen bin ich mit dem Fahrrad zu meinen Großeltern gefahren“, erzählt die Schülerin. So habe sie Bewegung, Ablenkung und eine warme Mahlzeit bekommen. Dann war sie aber doch noch ein paar Tage in Österreich. Aber auch dort lernte sie. Von 7.30 Uhr bis 11 Uhr war sie auf der Piste, dann am Schreibtisch.

Und ein bisschen Abiturvorbereitung ist auch das Skifahren gewesen. Denn Maya Singer macht in Sport und Deutsch die mündliche Prüfung. Sport ist ihr Steckenpferd, im vergangenen Jahr absolvierte sie eine Ausbildung zur Skilehrerin. Dafür trainierte sie und paukte Theorieeinheiten. Beides wird ihr beim Sport-Abi helfen.

Erst mit Freunden lernen, dann gemeinsam kochen

Manchmal lernt Maya Singer auch mit Freunden. „Wir sprechen Aufgaben durch“, sagt das Mädchen. Das sei hilfreich, weil man sich gegenseitig motivieren könne. „Einmal haben wir im Park gelernt, für drei bis vier Stunden. Danach haben wir uns zusammen was gekocht, um uns zu belohnen. So haben wir das Ganze zu einem schönen Tag gemacht.“

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