Vierbeiner im Wald Der Wald als Wundertüte für Hunde

Nagen, toben, schnuppern: Im Wald fühlen sich alle Hunde pudelwohl. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Nagen, toben, schnuppern: Im Wald fühlen sich alle Hunde pudelwohl. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Hunde lieben den Wald. Was tut ihnen daran eigentlich so gut? Und was müssen die Hundebesitzer beachten?

Lokales: Armin Friedl (dl)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Im Wald wird selbst der abgeklärte Stadthund um Jahre jünger: Endlich mal keine vorbeirasenden Autos, Stadtbahnen, LKWs oder Motorräder, die mit Rumpeln oder plötzlichem Lärm erschrecken. Stattdessen freie Bahn zum Toben und Springen. Ungewöhnliche Gerüche faszinieren, sei es von Pflanzen oder von wilden Tieren. In seinem städtischen Revier weiß der Hund längst, was er da an welcher Ecke zu erwarten hat, Überraschungen gibt es eher selten. Der Wald aber ist für ihn eine wahre Wundertüte, da gibt es Dinge zu erschnüffeln, die ungewöhnlich sind, deren Geruchs-DNA gleichzeitig aber immer noch im hündischen Urwissen verankert zu sein scheint.

Freilich: Die Wälder rund um die Stadt gehören deshalb dennoch nicht den Hunden und ihren Besitzern allein, auch andere haben ihr Recht auf Nutzung dieses Naherholungsgebiets, dazu gehören auch jene, die mit den Vierbeinern wenig anfangen können oder gar vor ihnen Angst haben. Verhaltensregeln sind da also genauso notwendig wie in der Stadt.

Die Triebe von jungen Bäumen und Gras sind begehrt

Die Zeiten, als der Hund ein Wildtier war, das sich selbst versorgte in Wald und Flur, sind längst vorbei. Ein paar Dinge aus der Hausapotheke von einst hat sich der Hund von heute noch bewahrt: Etwa das Fressen von Gras, insbesondere wenn es noch frisch und feucht ist. Wenn da nicht übertrieben wird, reinigt es sehr gut Magen und Darm von Verstopfungen und Unwohlsein. Das gibt es ja auch noch in den städtischen Parks. Die Triebe von jungen Bäumen im Wald sind genauso begehrt. Und schnuppert er dann noch Waldtiere, hängt es sehr vom Gemüt, der Erziehung und der Rasse des Hundes ab, ob er da nun höchst interessiert und aufgeregt wird, oder ob der Jagdinstinkt bei ihm durchgeht.

Im Wald herrscht keine Leinenpflicht

Rolf Müller, der Fachbeauftragte für Wald und Wild vom Nabu, sagt: „Die Hunde rund um Stuttgart haben es sehr schön.“ Das meint er mit Blick auf seine berufliche Biografie, die in Berlin begonnen hat: „Da gab es nur kleine Gebiete rund um den Wannsee, wo Hunde sein dürfen, und da waren dann alle Hunde von Berlin unterwegs“. Da kann man hier in der Tat nicht meckern: Fast das ganze Waldgebiet ist für Hunde und ihre Besitzer zugänglich. Und: Im Wald herrscht keine Leinenpflicht. Aber jeder Hund muss in jeder Situation abrufbereit sein. Sprich: Egal ob auf Schnüffeltour oder im Jagdmodus – gibt der Besitzer ein entsprechendes Signal oder einen Befehl, muss er sofort zu Frauchen oder Herrchen zurückkommen. Da hat freilich schon mancher Überraschungen erlebt.

Anders sieht es in ausgewiesenen Naturschutzgebieten aus. Da ist dann Leinenzwang, damit unter anderem eben nicht junge Pflanzen oder Triebe weggefressen werden. Und Waldtiere aufscheuchen, das geht hier wie sonst auch nicht im Wald. Müller: Der Schutz der Bäume des Waldes vor allzu eifrigen Hunden ist notwendig. Und die Nutzer des Waldes müssen miteinander klarkommen. Das sind auch Radler, Wanderer, Jogger oder Leute, die mit Hunden nichts anfangen können, so Müller.

Kot an den Parkplätzen

Auf ein anderes Problem macht Kathrin Klein aufmerksam, Försterin im Revier Steinenbronn: Die Hinterlassenschaften von Hunden. Das beginnt schon an den Parkplätzen. Hundebesitzer kennen das: Viele Fellnasen fahren gerne Auto oder nehmen es zumindest einigermaßen hin, wenn sie die gute Erfahrung gemacht haben, dass dies zu einem interessanten Ziel führt. Bei allen aber ist die Freude unbändig, wenn die Türen endlich aufgehen. Und die erste Tat ist stets dieselbe: Da werden Blase und Darm entleert, weil sich da was aufgestaut hat oder um Stress und Erregung abzubauen.

An den Parkplätzen häufen sich also besonders die Häufchen, wenn da von den Hundeleuten nicht konsequent die Hinterlassenschaften aufgesammelt werden. Und das setzt sich dann fort auf den viel begangenen Hauptwegen. Klein: „In meinem Revier gibt es eigentlich keine größeren Probleme mit Hunden. Es gibt halt verschiedene Nutzergruppen, da müssen eben alle den guten Umgang miteinander pflegen.“ Hundekot einsammeln im Wald gehört da dazu. Und eine gute Erinnerung daran vor Ort ist hilfreich. Am frisch sanierten Feldschützenhäuschen auf der Anhöhe zwischen Waldenbuch und Dettenhausen befindet sich neben der Bank zum Ausruhen eine Spenderbox mit den Plastiktütchen zum Aufsammeln. Keiner kann da sagen: Ich würde ja gerne aufsammeln, wenn es nur die Gelegenheit dazu geben würde.




Unsere Empfehlung für Sie