Wir haben gehört von Fünf-in-eins-Arzneimitteln, wir sehen im Drogeriemarkt Drei-in-eins-Duschbäder, und die Zuschauer der Binder Blaubären Flacht erleben beim Volleyball in der Heckengäuhalle den Zwei-in-eins-Mann – DJ Lemmi Demmi, in seinem Personalausweis steht der Name Flemming Nave, sorgt erstens am Mischpult mit seinem musikalischen Laptop für die nötige Stimmung unter den Fans und ist zweitens auch Hallensprecher des Clubs aus der Zweiten Liga Pro. „Ich bin“, sagt der 25-Jährige, „bei den Heimspielen der zentrale Repräsentant des Vereins, den jeder Zuschauer wahrnimmt, und gleichzeitig auch der erste Fan der Blaubären.“
Am Wochenende ist der Mann mit der Doppel-Berufung zweimal im Einsatz – am Samstag animiert er 310 Zuschauer dazu, die Blaubären zu einem nur im ersten Satz gefährdeten 3:0(25:23, 25:10, 25:22)-Erfolg über die Wildcats Stralsund zu puschen. Das ist nicht immer einfach, die Fans müssen erst warm werden, doch im dritten Satz hat Lemmi Demmi die Massen in seinen Fängen und sie treiben die Blaubären mit Stimmgewalt zum Drei-Satz-Sieg. „Man muss die Situation einschätzen können und entsprechend reagieren“, sagt der Mann am Mikro, der am DJ-Tisch im linken hinteren Eck der Halle punktgenau agiert und ab und zu mit Maskottchen Flachti Punkte der Blaubären feiert. Soll heißen: Bei Punktgewinnen des Heimteams nachlegen mit Knallersongs wie „Hüpfen bis die Insel wackelt“.
Am Sonntag ist es harte Arbeit, die Flemming Nave verrichtet, diffizil wie der Kampf der Volleyballerinnen gegen ETV Hamburg – das Team um Kapitänin Julia Cedeno („Wir haben die besten Fans der Liga“) unterliegt vor 295 Zuschauern erschreckend klar 0:3 (16:25, 11:25, 12:25), was dafür sorgt, dass sich die Stimmung der unbehaglichen Außentemperatur anpasst und fröstelt. „Das Sonntagspublikum ist anders als das am Samstag“, stellte Lemmi Demmi schon nach der Sonntagspartie gegen den SSC Freisen (1:3) vor Wochenfrist fest. Weniger Party, mehr Kaffee und Kuchen; so ist auch gegen Hamburg.
Licht und Schatten bei den Blaubären
Klarer Sieg und klare Pleite, der Kampf gegen den Abstieg bleibt ein anstrengender für den TSV Flacht. Am Samstag lobt Trainer Nico Reinecke sein Team, „wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben – ein 3:0 zu Hause tut so gut“, am Sonntag schwingt Tristesse in seinen Sätzen, wenn er sagt „es haben die Grundlagen gefehlt, wir müssen stets unsere Hausaufgaben machen“.
Trainer Nico Reinecke wirbt den DJ an
Auch der Hallen-DJ leidet am Sonntag nach der Pleite, als erster Fan der Blaubären kann er nicht aus seiner Haut. Flemming Nave kam zufällig und irgendwie doch schicksalhaft nach Flacht. Vor sechs Jahren taucht er in den Volleyball-Kosmos ein wie ein Ufo. Als Hallensprecher und Fanclub-Mitglied der Mannschaft des Bundesstützpunktes Stuttgart, danach bei der zweiten Mannschaft des MTV Stuttgart und Georgii Allianz findet er eine Umlaufbahn, eignet sich das, was man am Mikrofon und vom Volleyball unbedingt wissen muss als Autodidakt an. Die Pandemie und der Rückzug des MTV II machen ihn heimatlos, dann wird er von Nico Reinecke angesprochen – der kennt ihn aus seiner Zeit als Trainer in Stuttgart. „Er bot mir an, nach Flacht zu kommen“, erzählt der DJ und Hallensprecher, „das passte, denn ich wollte sowieso ganz neu anfangen.“ Nun wohnt Flemming Nave in Mönsheim, hat einen Job bei einem Clubsponsor und ist als Lemmi Demmi der Zwei-in-eins-Mann bei den Blaubären aus Flacht – darauf der Song der Flippers: „Wir sagen dankeschön ...“