Wie alle großen deutschen Branchenunternehmen befinden sich auch die Friedrichshafener in einem Transformationsprozess – weg vom Bau klassischer Getriebe und Komponenten für benzin- und dieselgetriebene Fahrzeuge, hin zur Elektromobilität. Das ist kostenaufwendig und schmälert seit einiger Zeit die Gewinne. Trotzdem: Bei ZF zu arbeiten gilt unter den Beschäftigten nach wie vor als krisensicher.
Gehalt bei ZF: Vorstand
Die ZF-Aktien befinden sich im Besitz der Zeppelin-Stiftung, die wiederum von der Stadt Friedrichshafen geleitet wird, sowie zu einem kleinen Teil der Ulderup-Stiftung. Weil die Anteilsscheine nicht frei gehandelt werden, entfallen die üblichen Börsennachrichtenpflichten.
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Entsprechend verschlossen gibt sich die Unternehmensspitze, was die Bezüge des aktuellen Vorstandsvorsitzenden Holger Klein und des unter ihm agierenden siebenköpfigen Vorstands anbelangt: Anfragen werden beharrlich abgewehrt. Der Geschäftsbericht immerhin gibt eine Annäherungsmöglichkeit. Demnach sind in Jahren mit großen Firmenübernahmen schon mal knapp 30 Millionen Euro an die Vorstände geflossen – rein rechnerisch und unter Zurechnung von Pensionsansprüchen rund vier Millionen Euro pro Kopf. Das Gehalt des Vorstandschefs liegt üblicherweise nochmals deutlich darüber. Doch weil in den Gehaltszahlen auch Langfristprämien enthalten sind, von denen unter Umständen sogar Vorstände profitieren können, die längst ausgeschieden sind, bleibt die Rechnung unscharf.
Gehalt bei ZF: Führungskräfte
AT, das ist das Kürzel für die außertariflich Beschäftigten, also die Führungskräfte. Sie gliedern sich wiederum in vier so genannte „Gehaltsbänder“, intern MG (Management Grade) genannt. Die höchste Management-Stufe 1 weist ein Jahresgrundgehalt von durchschnittlich rund 110 000 Euro aus.
Tatsächlich dürfte aber niemand aus dem Management, auch nicht die Einsteiger, bei weniger als 100 000 Euro brutto landen. Denn aufs Grundgehalt kommen variable Entgeltbestandteile, die an wirtschaftliche Kurz- und Langfristziele gekoppelt sind. Die Sondergratifikationen erreichten in früheren Erfolgsjahren, als Ziele regelmäßig übertroffen wurden, teilweise hohe fünfstellige Bereiche.
Gehalt bei ZF: Jobfamilien
Bei ZF gilt, dass an allen deutschen Standorten gut verdient wird, aber am Zentralsitz am Bodensee immer nochmals etwas besser. Bis vor etwa 15 Jahren zahlte der Konzern eine so genannte „Drehkreuzprämie“ – allein das Erscheinen am Arbeitsplatz erhöhte das Tarifgehalt. Diese Prämie gibt es nicht mehr, dafür zum Beispiel, neben Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Schicht- und Wochenendzuschlägen auch eine „Transformationszahlung“ oder bis zu 15 Prozent „Leistungsentgelt“. Abhängig ist es von Bewertungspunkten, die Vorgesetzte vergeben. Unklar ist, wie es künftig mit der guten alten Jahreserfolgsbeteiligung (320 Euro im Jahr zuvor) und der „Treueprämie“ (15 Euro pro Beschäftigungsjahr) weitergeht. Zuletzt wurden die beiden Posten wegen schlechter Ergebnisse gestrichen.
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Im Ergebnis verdient eine Software-Entwicklerin im IT-Bereich jährlich 72 300 bis 86 400 Euro, ein Entwicklungsingenieur 77 000 bis 97 000 Euro. Auf etwa die selbe Summe kommt ein Leiter (ohne Management Grade), ein Einkäufer oder Controller oder eine Entwicklungsingenieurin. Deutlich abgespeckt, aber im Branchenvergleich immer noch überdurchschnittlich verdienen so genannte Maschinenbediener und Logistikkräfte, nämlich 46 400 bis 59 500 Euro jährlich. Auch Monteure können dieses Maximum erreichen, ihr Einstiegsgehalt liegt jedoch niedriger – bei 41 800 Euro. Je mehr Berufsjahre im Konzern verbracht werden, desto höher der Verdienst, auch das gehört zu den ZF-Regeln.Ab Mai werden sich die Bezüge, gemäß des jüngsten Tarifabschlusses für die Metall- und Elektroindustrie, um 5,2 Prozent und ein Jahr später um weitere 3,3 Prozent erhöhen.
Auszubildende erhalten zwischen 1037 Euro im ersten und 1264 Euro im vierten Ausbildungsjahr. Auch bei Praktikanten ist der Autozulieferer übrigens beliebt. Nach einer Erhebung des Jobportals „Kununu“ verdienen Praktikanten monatlich durchschnittlich rund 1450 Euro. Nache iner jüngeren Erhebung des Jobportals „Glassdoor“ rangiert ZF unter den bundesdeutschen Industrieunternehmen beim Bruttogrundgehalt auf Platz 18.
Gehalt bei ZF: Dienstwagen und Fahrräder
Vielfahrer und Beschäftigte ab der zweiten Management-Stufe haben Anrecht auf ein Firmenfahrzeug. Einen eigenen großen Autopool unterhält der Konzern nicht mehr, die Mitarbeiter können sich ihre Fahrzeuge am Markt leasen – im Rahmen ihres Status’. Ein Teamleiter beispielsweise darf bei Fahrzeugen mit einem Neuwagenwert von rund 50 000 Euro schauen. Im Jahr 2022 gab der Konzern an, dass mittlerweile rund 80 Prozent der neu bestellten Dienstwagen elektrifiziert sind.
Aber weil der Staat nicht mehr alle Elektro- und Hybridfahrzeuge gleich stark fördert, müssen die Bezugsberechtigten gerade genau rechnen, damit sie nicht womöglich selber draufzahlen. Vollelektrische Wagen fallen seit diesem Jahr weiter unter die 0,5-Prozent-Regelung bei den Leasinggebühren. Bei Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen hingegen müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, um die halbierte Bemessungsgrundlage für die Steuer anwenden zu können. Dazu muss das Auto gemäß offizieller Herstellerangabe entweder mindesten 40 Kilometer weit rein elektrisch fahren können oder einen CO2-Ausstoß von maximal 50 Gramm je Kilometer aufweisen. Da ist die Auswahl derzeit noch gering.
ZF bezahlt übrigens auch die Kosten für die Installation der Wallbox bei den Mitarbeitern zuhause. Wer nicht viel fahren muss und seinen ökologischen Fußabdruck klein halten möchte, kann sich über den Konzern auch ein Fahrrad leasen. Zudem bezuschusst ZF Monats- und Jahreskarten für Pendler, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Ein nobler Schritt für einen Arbeitgeber, der vom Bau von Autos lebt.